Kabel, das, ist ein starkes Tau, früher anstatt der jetzigen Ankerkette als Ankertau gebraucht, eine Trosse, Kabeltrosse; jetzt besonders wichtig unterseeisches, transatlantisches Telegraphenkabel. — Lübeckische Chronik: „dat groteste schip konden se nicht weg bryngen, wente syn kabel was gehouwen.‟ Ein Tanz der Matrosen hieß kabeldanz, Renner, Brem. Chron.: „Dar dantzeden de boetslude den kabeldantz etlicke mahl, welches den commissarien seltzam was, doch woll gefell.‟ — Der Teuthonista schreibt: „cabel = lyn, reep, seel, to vo dair mede men eyn schyp an dat lant vestiget offte merret.‟ Die Form cabel erinnert durch das c an den Ursprung des Wortes, griechisch kaplion; lateinisch capulum, caplum, abgeleitet von capere, fassen, halten. So ist das Wort schon vor bald 13 Jahrhunderten erklärt worden. Isidor von Sevilla, geb. 560, gest. 636 n. Chr., der die Westgothen in Spanien zur katholischen Kirche zu bekehren suchte, und der das große Verdienst hat der germanischen Welt durch seine schriftstellerische Tätigkeit die klassische und patristische Gelehrsamkeit übermittelt zu haben, dessen Werke auch das ganze Wissen jener Zeit enthalten, hat zwar nicht die ihm nachgesagten „Pseudoisidorischen Dekretalen,‟ wohl aber ein großes Werk „Origines s. Etymologiae‟ geschrieben, eine Art Encyklopädie. Da lesen wir: „capulum funis a capiendo.‟

Kabelaring, die, kommt seit Einführung der Ankerkette an Stelle des Ankerkabels kaum mehr vor, war aber früher nötig, da man die dicken Ankertrossen selbst nicht gut um das Spill legen konnte wenn man Anker lichten wollte. Da wurde denn ein dünnes Tau an das Kabel befestigt und mit dem Spill eingewunden, so daß dann das dicke mit hereinkam. Eine Weiterbildung von Kabel. Bei Roeding ist eine sehr deutliche Abbildung und Beschreibung; da die Sache veraltet, tut eine solche hier wohl nicht not.

Kabelgarn, das, s. Garn.

Kabellänge, die, war früher ein vielgebrauchtes Maß zur See und ist auch jetzt noch im Gebrauch, wenn es sich nicht um genaue Angaben, sondern ungefähre Schätzung handelt. — Jetzt wird auch zur See nach Metern gerechnet. Es war aber auch zur Zeit der Herrschaft der Kabellänge nicht einheitlich genau bestimmt, was oder wie lang eine solche wäre. Es gab Ankerkabel von 150, es gab auch solche von 120 „Faden‟; doch waren erstere die normaleren. Schon 1588 finden wir das Wort bei Waghenaer: „Item om die Voort te treffen, so sult gy op twe Cabels lengte by de Clippen van de Backovens lancx zeylen.‟

Kabine, die, nur im Sprachgebrauch der Handelsmarine vorkommend, Wohn- und Schlafraum eines Offiziers oder Passagiers; auf Kriegsschiffen ausschließlich Kammer genannt. Das Wort stammt aus dem Keltischen, wo cab Zelt oder Hütte hieß. Das Bremer Wörterbuch hat die Form cave und bezeichnet damit eine von Latten und Brettern umschlossene Ecke, wo man Vieh hinstellt; also nicht den ganzen Stall, sondern einen Teil vom Ganzen, einen Koben, einen Schweinekoben. „Wenn der Bauer sein Kind etwa liebkosend zwischen beiden Knien einschließt, so spricht er: „ik hebbe den Jungen im Kaven‟.‟ — angelsächsisch cofa, englisch cabin. Eine Kabine konnte um so eher nach einem Kaven genannt werden als eine solche ursprünglich kein so eleganter Raum war, sondern schmucklos aus ein paar Brettern zusammengezimmert. Eine scherzhafte und verächtliche Weiterbildung ist Kabuf und Kabache. — Ueber das Wort cab äußert sich Diefenbach, Celtica p. 118: cab ist ein uraltes kymrisches Wort und bedeutet Hütte, Zelt; im Breizonek (Bas-Breton, Mündungsgebiet der Loire): caban, cabannen = cabane. Die Briten haben also auf der Flucht nach Frankreich das Wort mit über den Kanal genommen und das Französische damit bereichert. Gälisch: caban = Hütte, Zelt. Daß das Wort im ganzen keltischen Sprachgebiet bekannt war, beweist die Bedeutung die Isidorus (Isidorus von Sevilla, gestorben 636, „originum s. etymologiarum libri XX‟) dem aus dem Keltischen ins Mittellateinische gedrungenen Worte capanna = Hütte gibt: „Hanc rustici Capannam vocant, quod unum tantum capiat‟ (!) Daher italienisch capanna Strohhütte, spanisch cabanna, französisch cabane. Vergl. Kampanje, Kambüse, Kajüte.

Kadett, der, s. Seekadett.

Kabliau, der, der bekannte große, schwere, schmackhafte Seefisch der besonders auf den Neufundlandbänken zu Millionen gefangen und meist in der Form von Stockfisch gegessen wird, gadus morrhua. Der Name Kabliau ist seit Ende des 13. Jahrhunderts bekannt und seitdem bei allen seefahrenden Germanen (mit Ausnahme der Engländer) im Gebrauch. Er ist ein sehr gefräßiger Fisch, der gierig nach allem schnappt, weshalb auf den erwähnten Neufundlandbänken oft ein Mann 400 bis 500 Stück an einem Tage fängt. Daher liegt der Schluß nahe, der Name komme von kabbeln, von einer Wurzel gabh = schnappen, beißen, klaffen; niederdeutsch heißt der Fisch kabbeljau, kabeljau. Gegen einen Krug Rum kann man von den Fischern auf der genannten Bank (viel Franzosen) eine ganze Schiffsbesatzung satt machen mit Kabliau. Im Munde des Seemanns hat sich aber das Wort darum so eingebürgert, weil jedesmal wenn das Tieflot geworfen wird einer aussingt: „Warschau von untere, Kabliau en Flundere‟, welcher Versanfang dann auch sonst gebraucht wird, wenn einer den andern „warschaut‟ (s. d.).

Kahn, der, ein in der Seemannssprache — außer im Scherz anstatt Schiff — nicht gebräuchliches Wort für Boot, beinahe ausschließlich auf Binnensee- und Flußboote beschränkt, (wie z. B. am Rhein außer den zahlreichen Landstellen für die Dampfer es auch noch viele „Kahnstationen‟ gibt, auf denen ein Kahn längsseit des stoppenden Dampfschiffs kommt). Das würde aber an sich noch kein Beweis gegen die behauptete Abstammung von dem westindischen Worte canoe sein, da das Wort doch in allen Küstenländern der Nordsee zu Hause ist, wenn nicht das Wort schon vor der Entdeckung Amerikas bekannt gewesen wäre. Nun kommt aber in einer Lübecker Urkunde vom Jahre 1342 die Stelle vor: „nemen enen kanen gheladen mit vser borgher gude.‟ — Mittelniederländisch kaen, neuniederländisch kaan, auf Wangerooge kunne; altnordisch kani und wohl von hier aus durch die Normannen ins Altfranzösische getragen als cane, neufranzösisch canot, denn wenn es dahin direkt aus dem Lateinischen gekommen wäre, so würde von canna die altfranzösische Form canne lauten. Wir müssen daher für die Erklärung im Germanischen bleiben. Da nun im Isländischen kaena sowohl Fischerboot als auch Schöpfgefäß genannt wird, diese beiden aber in ihrer einfachsten, ursprünglichen Gestalt aus ausgehöhltem Holz bestanden, der Kahn aus einem hohlen Stamm, und das Schöpfgefäß (die Kanne) aus einem hohlen Ast, so ist als gemeinschaftlicher und ursprünglicher Begriff der von „ausgehöhlt, hohl‟ anzunehmen, und die Wurzel khan, von der dann doch auch lateinisch canna und canalis kommen, so daß also, wenn auch auf Umwegen, Kanal und Kanone und Kanne und Kahn verwandtschaftlich zusammenkommen, mit dem Familienmerkmal des Hohlen, des mit Kunst Ausgehöhlten, Ausgegrabenen.

Kaje (Kai), die. Nicht bloß eine Küste oder ein Gestade, auch nicht bloß Ufer und Ladeplatz an sich, sondern eine von Menschenhand durch ein Bollwerk oder eine Mauer befestigte und für seemännische Zwecke bequem gemachte Wasserkante. — Spanisch cayo, altfranzösisch caye, französisch quai, Damm an Flüssen, Deich. Niederländisch kaai, englisch kay, niederdeutsch Kaje, welche Form als die beste, bequemste und brauchbarste wieder eingeführt zu werden verdiente, wenn nicht überhaupt „der Staden‟ (s. d.) den Vorzug verdient. Das „Bremer Wörterbuch‟ gebraucht ausschließlich die Form Kaje, sie ist also vor hundert Jahren schriftdeutsch gewesen, und aus dem Munde unserer Seeleute ist sie ohnehin nie durch „Quai‟ verdrängt worden. Kilian hat die ähnliche Form, in der Aussprache aber wie Kaje lautend, Kaeye = litus, ora; es ist also ein altes, gutes, deutsches Wort. Wenn es auch aus dem Keltischen stammt, so ist es doch unserem Seemann schon vor unvordenklichen Zeiten in Fleisch und Blut übergegangen. Dietz nimmt an das kymrische Wort cae, Zaun, Umzäunung, bretonisch kae, auch Deich, sei die Grundbedeutung, und Diefenbach (Celtica 116) bestätigt das. Und zwar kommt das Wort von einem keltischen Namen, der ursprünglich Jagd bedeutet (daher italienisch und rätisch caccia, spanisch, portugiesisch caça, französisch chasse), dann Jagdgehege, hernach überhaupt einen durch einen Zaun eingeschlossenen Raum, einen Haag; bald auch Zaun überhaupt; so im Kymrischen cae = hedge, im Breizonek kae = Haag. Daraus wird dann im Breizonek Wallmauer, also schon ganz unser Fall. Kaje war also anfangs keine Mauer, sondern ein Zaun, der nach und nach von immer stärkeren Pfählen gebildet wurde, bis allmählich unser Bollwerk daraus wurde. Daß eine Mauer nicht notwendig zu einer Kaje gehört wird bewiesen dadurch, daß man ausdrücklich von einer Kai-Mauer spricht, wenn man eine solche bezeichnen will. — Der Übersetzer der „Durchlauchtigsten Seehelden‟ 1681 hat im Hochdeutschen durchgängig die Form „die Kay‟, z. B. wo er von der mißlungenen Unternehmung der Franzosen auf Ostende spricht (1628): „In dieser Gestalt kamen sie an die Kay, ausserhalb der Stadt, allda stiegen sie über die Fehr und andere Schiffe, die in den Haven lagen‟ ...

Kaien. Die Rahen nach der Länge des Schiffes, also parallel mit dem Kiel brassen und zugleich auftoppen; ein Manöver das auf Kriegsschiffen hauptsächlich beim Andecknehmen der Rahen ausgeführt wird, bei Handelsschiffen aber, die oft eng zusammen in einem Hafen liegen, vorgenommen wird, damit die Rahen andern Schiffen nicht im Wege sind. Weiland: „Kaaijen een seewoord, ook toppen genannt‟ geschieht „waneer het schip te veel slingert, of door eene engte moet.‟ Die nächste Bedeutung ist also die: Ein Schiff in Bezug auf seine Rahen in den Stand bringen in dem es für sich und andere am bequemsten an der Kaje liegen kann. Von dieser ersten Bedeutung (nicht nach der Zeit, sondern nach der seemännischen Schätzung ersten) kommt dann der Begriff: eine Rahe aus einer Lage in die andere bringen, auch wenn das Schiff nicht an der Kaje liegt oder durch eine Enge hindurch will, also bei dem vorher erwähnten Manöver, oder in dem Sinne wie 1699 das holländische Kaayen mit changer l'artimon übersetzt und mit „de besaan doorkaijen, of van d'eene sy tot d'andere brengen.‟ — Die weitere Bedeutung von Kajen ist aber — und hierbei kommt der eigentliche Sinn von Kaje als Schutzding zur Geltung — schließen, dämmen, einschließen, eindämmen, mit einem Damm umgeben, abschließen, ostfriesisch inkajen, bekajen, ofkajen, umkajen. — Mittelniederländisch kaeijen, appelere, intrare portum (also erste Bedeutung) altfriesisch aber kaya, schließen (zweite Bedeutung), wovon kay, Schlüssel („mith fif keien te undslutane‟); englisch key.