2. Der Raum zur Aufbewahrung des Zeugs für die Mannschaft und zwar nur für neues, noch ungebrauchtes, unverausgabtes Zeug, das unter der Obhut eines Kammer-Unteroffiziers steht.
3. Der Raum am Gewehr.
4. Die so wichtigen Pulverkammern.
5. Die Schiffskammer, die ihren Namen davon hat, nicht etwa daß sie auf dem Schiff wäre, denn da ist sie nicht, sondern auf der Werft, sondern davon daß sie für ein bestimmtes, zur Zeit nicht in Dienst gestelltes Schiff die Ausrüstungsgegenstände, Geräte, Möbel, Decken, Matten, Laternen, Besen und dergl. birgt; diese steht unter der Aufsicht eines (Werft-) Kammerverwalters, der die Sache verwaltet und in Ordnung halten und putzen läßt.
In allen diesen Bedeutungen steckt zwar nicht der ursprüngliche engere Sinn von Kammer, griechisch kamara, lateinisch camera, althochdeutsch camara, mittelhochdeutsch kamera, nämlich Gewölbe, gewölbter Raum, sondern der spätere, weitere von Raum überhaupt. — Neuerdings kommt, bei dem mächtigen Aufschwung der Photographie, außer der camera auch noch wohl eine Dunkelkammer in Aufnahme. — In Ostfriesland heißt Kammer zum Unterschied von (heizbarer) Stube nur Schlafstube. Dagegen wird in Groningen Kammer für Haus gebraucht in der Verbindung Armenkammer, und man sagt daher wohl, wenn einer da hinein gesteckt worden ist, er sei „Kammerherr‟ geworden.
Kanal, der, ein Wort das neuerdings mehr als je die Gemüter beschäftigt und die Menschen bewegt, weil der überhandnehmende Eisenbahnverkehr gebieterisch Kanäle fordert. — Das Sprachliche ist unter „Kahn‟ zu ersehen. Wie eine naiv-gottesfürchtige Zeit über die physische Möglichkeit und sittliche Berechtigung solcher „Störung der Natur‟ dachte, geht aus einer Stelle im „Durchläuchtigsten Seehelden‟ hervor, wo von der Entdeckung der Magellanstraße die Rede ist; „... hatten die Spanier mit den Portugiesen wegen derselben Moluccas einige Streitigkeit unter einander gehabt, immassen man, seit des Columbi Reisen, allezeit einen Durch-Zug nach den Osten durch einen oder andern Weg zu finden gesuchet, weil aber das Glück diesem Vorhaben nicht fügen wollen, hat man bereits (d. h. nicht 1681 beim Erscheinen des Buches, sondern 1520 vor dem Antritt von Magellans Reise) den Gedanken gehabt, den Isthmum oder die Landenge von Darien, wo sie am schmälesten, zu durchgraben, daß, wenn also Norden mit dem Süden vereinigt würde, die Wahren und Kauffmannschafften desto leichter aus der einen in die andere See zu bringen wären. Weil aber ihrer viel über dieser Sache die Meinung hatten, daß man die den Wellen der See gesetzte Dämme und Gräntzen, welche die Natur selber gesetzet, nicht leichtsinniger Weise wegnehmen sollte, indem nicht sonder Bedenken, daß wenn die zwo Seeen in eines zusammengebracht würden, und die Norder-Wasser sich erheben sollten, das gantze Land möchte unter Wasser gesetzet werden. Daß eben um dieser Ursache willen vormals der König in Egypten Sosestris und zu unser Zeit der Türkische Kayser Soliman bewogen, die Durchgrabung der Cathabatnischen Land-Enge nicht vorzunehmen; andere konnten auch nicht begreiffen, daß alle harte und schwere Steinfelsen, welche die Natur der See gleichsam zu einen Zaum gegeben, solten können durchboret und viel weniger Weg genommen werden, haltend es für eine Thorheit und Leichtfertigkeit, dasjenige abzubrechen, und nach seinen Sinn wieder aufzurichten, was durch die höchste Weisheit so vorsichtig und füglich verordnet worden, und hielten darfür, daß man die Strafe von Gottes mißfälliger Hand darüber mit Recht zu fürchten hätte, also, daß wegen dieser und andern Ursachen und Absehen beschlossen ward, keine Veränderung in der Gestalt der Natur zu machen.‟
Kanthaken, s. kentern.
Kaper, der, ist ein Schiff, das im Kriege darauf ausgeht, dem Feinde Schiffe wegzunehmen oder sonst Schaden zu tun. In früheren Zeiten nahmen die kriegführenden Parteien Privatkapitäne mit ihren Schiffen als Kaper an und gaben ihnen Vollmacht und Auftrag, dem Feinde Abbruch zu tun. Wer einen Kaper-, mittelniederdeutsch bestel-Brief aufweisen konnte, der wurde als kriegführend angesehen, wer nicht, als Seeräuber. Aber nicht immer hielten sich die Kaper an ihren Brief, sondern verursachten auch Schaden zu dem sie nicht ausgesandt waren, also auf eigene Faust, als Seeräuber. „Dusse seerovers hebben sick eigens gewalts understahn den gemeinen kopman wedder alle recht unde billicheit up der gemeinen apenbaren see tho beschedigende baven ohre eigene bestellbreve‟ (1539). Als Königin Margaretha von Norwegen und Dänemark gegen Albrecht von Mecklenburg als König von Schweden Krieg führte und nach der Schlacht bei Falköping 1389 Stockholm belagerte, entstand in dieser Stadt eine furchtbare Hungersnot. Da erließen die Städte Rostock und Wismar eine Aufforderung an alle Seeleute, mit mecklenburgischen Kaperbriefen ausgerüstet die Küsten Dänemarks und Norwegens zu plündern, zugleich aber auch das bedrängte Stockholm mit Viktualien zu versehen. So strömte eine Menge Freibeuter herzu, die sich wegen dieses Auftrages Viktualienbrüder nannten oder kurzweg Vitalienbrüder. Damit aber war ein Strom entfesselt, der sich Jahrzehnte lang nicht wieder bannen ließ, denn diese Brüder mit ihrem Losungsworte: „Gottes Freund und aller Welt Feind!‟ machten zwischen Freund und Feind keinen Unterschied und fielen über jedes Schiff her, das ihnen in den Weg kam. Auch nach dem Friedensschluß, da jeder Schein einer Berechtigung aufgehört hatte, hörten sie mit ihrer Seeräuberei nicht auf, die sie besonders von der ostfriesischen Küste aus gegen die Hamburger und Bremer Schiffe trieben, ja bis nach Rußland und in den Meerbusen von Biskaya ausdehnten. Klaus Störtebeker, Goedecke Michael, Wichmann und Wigbold waren die namhaften Führer. Leider haben sich die ostfriesischen Häuptlinge dazu hergegeben, ihnen Unterschlupf zu gewähren und gemeinschaftliche Sache mit ihnen zu machen; ja es konnte da heißen: „gleiche Brüder, gleiche Kappen‟, denn der Seeräuberei waren diese Häuptlinge auch ohne die Vitalienbrüder schon eifrig genug ergeben. Überhaupt waren die sittlichen Begriffe in diesem Stücke so verwirrt worden durch die Kaperei und blieben auch das ganze 16. Jahrhundert über noch so verworren, daß alle Anlieger der Nordsee diesem „unerlaubten Nahrungszweig‟ huldigten. Außer den Ostfriesen werden besonders die Engländer und Norweger namhaft gemacht. Der Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken-Veldenz war den Hugenotten mit einem ansehnlichen Heere zu Hilfe gezogen und nach siegreichem Zuge durch ganz Frankreich kurz vor dem Frieden von St. Germain (1570) zu Nessun bei Limoges gestorben. Sein Leichnam sollte in seiner Residenz Meisenheim am Glan beigesetzt werden. Man wagte aber nicht den Landtransport, sondern wählte den Seeweg. In der Hugenottenfestung La Rochelle fand man einen „Schiffsmann‟ aus Lübeck, welcher „sich zur Heimreise anschickte‟, also Rückfracht suchte. Demselben mußte jedoch der Inhalt der an Bord gebrachten Kiste verheimlicht werden, weil nach dem damaligen Aberglauben ein mit einer Leiche segelndes Schiff unrettbar seinem Untergange entgegenging. Zuerst warf ein Sturm das Schiff südwärts an die spanische Küste und nachdem es endlich den Ärmelkanal erreicht, wurde es dort durch heftiges Unwetter hin- und hergeworfen und entging nur mit Not den Überfällen englischer und norwegischer Seeräuber. Endlich wird nach vielen Fährlichkeiten am 11. August 1571 der Hafen von Lübeck erreicht. (Heintz, Schloßkirche zu Meisenheim, S. 32. 33). — Das Wort kommt vom lateinischen capio.
Kapitän, der, ist der Führer, bezw. Befehlshaber eines Schiffes, der Oberste, „das Haupt‟, denn vom lateinischen caput kommt das Wort. Von demselben kommt auch Kadett, Korporal, Kapital, Kapitel, Kapitularien, kapitulieren, Kapitell, Kap, Kappes, Kappzaum, Kapuze, da capo, Chef, Kataster etc. Kapitän hieß mittellateinisch capitaneus, altfranzösisch chevetaine und chataine, daher das englische chieftain. — Noch zu den Zeiten des achtzigjährigen Krieges war an Bord der Kriegsschiffe der Hauptmann nicht derjenige Mann an Bord, der das Schiff, sondern derjenige, der die eingeschifften Soldaten unter sich hatte. Dieser letztere war der eigentliche Kapitän und hieß auch so, während jener Schiffer, Steuermann, Bootsmann hieß und nur die seemännischen Manöver und überhaupt das Nautische zu besorgen hatte. Wandte man ja auch auf ihn einmal das Wort Kapitän an, so sagt man, um Verwechslungen vorzubeugen, Seekapitän. In der Marine gibt es gegenwärtig folgende Kapitäne: 1. Kapitän zur See = Oberst. 2. Fregattenkapitän = Oberstleutnant. 3. Korvettenkapitän = Major. Diese werden alle drei angeredet: „Herr Kapitän!‟ Aus Höflichkeit, ohne daß er einen Anspruch darauf hätte, wird wohl auch hie und da einmal so genannt: 4. Der Kapitänleutnant = Hauptmann. — Im Mittelalter war Kapitän gleichbedeutend mit Häuptling. „1355 is Edo Wimkenn van den Richteren der Rüstring, Oistring und Wangers, nomtlik van Hillert van Laurens, Tanno Iben tho Sandell, Mester Olrick tho Kniphusen, Junge Hedde tho Welens etc erwelet und angenhamen mit synen Nakomelinge tho ein Capitain und Hovet de lande und luide vorthostaen und tho regeren, wente de Richter weren des amptes moede und averdratich.‟ Das erste und älteste Zeugnis für das Vorkommen des Wortes Kapitänleutnant finde ich in einem Briefe, der im Jahre 1623 aus seinem Schlosse Lützburg an den nachmaligen Feldmarschall Dodo von Knyphausen geschrieben worden ist: „Der obrist Syton hatt vor 3 tagen jegen den abendt, alß man die pforten zuschließen wollen, einen anschlagh uff dieß Hauß gemachet, indem er etzliche mußquettier bewerter Handt geschickett, alß nun aber solches mißgelungen und der captain leutenambt vom Heren Ryngrawen, so im Kruege gewesen, auß dem schatthause angerufen worden‟ ... Auf einem Grabdenkmal in der Schloßkirche zu Meisenheim (Heintz S. 106) lesen wir von einem Kapitän-Lieutenant Schmidtmann, der 31 Jahre alt im Jahre 1688 gestorben ist: „Gedachtnuß Herren Carl Ludwig Schmitmans Herren Johan Daniel Schmidtmanns, Hiesigen Pfarrers Und Inspectoris In Gott Ruhenden Lieben Sohnes Gewesenen Kapidain Lieutenants Unter Dem Löblichen Schweizer Regiment Von Salis‟ ... 1747 erschien zu Regensburg ein Buch „Auxilia historica oder Historischer Behulff‟, in dem werden „die Offizier und Personen in einem einzigen Schiff‟ folgendermaßen aufgeführt: 1. Capitain ist in einem Schiff der Höchste, so das ganze Kommando darüber, und sehr streng, führet. Er hat einen Lieutenant. 2. Commandeur hat in einem Schiff nur das Commando über die Soldaten. 3. Schiffprediger ist ein Feld-Pater. 4. Schiffer ist über die Segel, und die ganze Equipage. Wird auf dem Mittelländischen Meer Patron genennet. 5. Steuermann, Pilote, ist, der das Schiff mit dem Steuer-Ruder nach dem Compaß lencket, wohin es soll. Er muß in Geometria, Astronomia, Geographia, der Karten u. s. w. wohl erfahren sein. Es seynd zwei auf einem Schiff, und beobachten mit dem Schiffer die Einrichtung der Segel, bestellen die Wachten auf den Masten und beratschlagen sich immer wegen der Seekarten, davon sie dem Capitain Rapport geben. 6. Bosseman, der die Ancker beobachtet. 7. Weiteres ist darauf ein Schreiber oder Secretari: Zwey Barbier: Ein Schiffszimmermann oder Baumeister: ein Haupt-Constabler, und andere zwölff. Esquiman oder Schiemann, hat Aufsicht über die Pompe, ist sonst Quartier-Meister. Ein Buddelier mit seinen Gehülffen: Ein Mund-Koch: Ein Schiff-Koch mit Bedienten: Lotsmann oder Wegweiser: Segelmacher: Tischler: Schmied: Feuerwerker: Profos u. s. w. und Boots-Leuth, Matrosen, Matelots, sind die gemeine Bediente und Schiff-Volck, so alles, was in der See-Fahrt selbst von nöthen, verrichten, mit tawen, anckern, seeglen, wachen. Seynd in drey Wachten oder Compagnien, jede zu 100 Mann abgetheilt, darüber der Schiffer und die zwey Steuermänner commandiren. Insgemein ein verwegenes Volck: Und hat es theils vonnöthen, massen sie in höchsten Stürmen auf den Bäumen und Stricken wie die Mucken herum fahren müssen.‟
kappen heißt im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet schneiden, durchschneiden, durchhauen. Den Mast kappen bedeutet nicht sowohl diesen selbst durchhauen, sondern vielmehr die ihn haltenden Hofttaue der Wanten, damit er abbreche und über Bord gehe. Die Ankertaue wurden gekappt, wenn man keine Zeit zum Ankerlichten hatte. Niederländisch kappen, die Haare schneiden, Kapper: der Friseur, französisch couper. Von diesem kommt unser Fremdwort coupon und das Zeitwort coupieren; auch Coupé. — Ein Kapaun ist ein Kaphan, ein „geschnittener‟ Hahn; stammt zwar vom lateinischen capo, griechisch kapon, aber diese haben mit kappen dieselbe Wurzel, sodaß Kaphan ausnahmsweise einmal eine auch sprachlich zutreffende Volksetymologie ist.