Kardeel, ein, ist einer der einzelnen Teile aus denen ein Tau zusammengeschlagen wird, also ähnlicher Bedeutung wie Ducht, nur daß das Kardeel stärker und in sich schon geschlagen, aus einzelnen Teilen zusammengedreht ist. Niederdeutsch kordeel und karteel, auch kordel, wird nicht nur für den einzelnen Strang eines Taues, sondern auch für dieses selbst gebraucht: „idt is ock ein iderer schipper schüldich, gode starke kordell unde windtakel in dem schepe tho holdende, dar man des Kopmans goder mede in unde vth setten kann.‟ (Dän. Seerecht). (Nicht zu verwechseln mit einem anderen kartel, karteel, welches Quart bedeutet, ein Quartteil als Maß oder Gewichtsbezeichnung.) Französisch heißen cordage „toutes les cordes qui sont emploiées dans les agrés d'un vaisseau‟. Dieser corde stammt aus dem italischen corda, vom lateinischen chorda, entlehnt aus dem griechischen chorde, Darm, Darmsaite, was an sehr alte Kulturzeit erinnert und an das altnordische garnir, Eingeweide, Gedärme, mit Garn zu einer Wurzel gehörig, so daß also Garn und Kardeel entfernte Vettern sind. In oberdeutschen Mundarten heißt das, was in der hochdeutschen Schriftsprache Bindfaden genannt wird, Kordel mit kurzem e. — Ostfriesisch korde, zusammengezogen kore und kor; man liebt daselbst das Einsilbige. Niederländisch koord, koorde. — Zu bemerken ist, daß es auch Tauwerk gibt, das aus vier Kardeelen zusammengeschlagen ist, und daß also doch die Ableitung Quartdeel nicht ganz undenkbar ist. Dann wäre kardeel als Teil eines Taues, als Quartteil, ein ganz anderes Wort wie kardeel als Tau selbst. Doch spricht hiergegen die Seltenheit vierschäftigen Tauwerks und vor allen Dingen die Tatsache, daß die Teile dreischäftigen Tauwerks hauptsächlich und vor allen Dingen Kardeele heißen.
Kartusche, die, ein zylinderförmiger Beutel mit dem zum Laden einer Kanone nötigen Pulver. Ehedem war der Beutel, wie heute noch bei den Jagdgewehrpatronen, eine Papierrolle. Daher ward vom lateinischen charta für Papier im Italienischen cartoccio gebildet, altfranzösisch cartoche, französisch cartouche, niederländisch kardoese. — Auch in der Bedeutung Umrahmung kommt das Wort vor, in der Architektur ein Ornament bezeichnend.
Karake, die, niederländisch kraak, dänisch, schwedisch karake, englisch carack, französisch caraque, italienisch, spanisch, portugiesisch caraca; altfranzösisch carraque, vom spätlateinischen carraca, carrica, Lastschiff, lateinisch carrus, die Karre; wahrscheinlich keltischen Ursprungs. Nach Roeding die größte Art der ehemals gebräuchlichen Schiffe. Sie hatten zuweilen 7 bis 8 Stockwerk, worunter auch noch eines auf der Back war. Sie konnten 2000 französische Tonnen tragen und führten 2000 Mann Besatzung. Schon im Jahre 1350 schlugen die Spanier gegen die Engländer auf Karaken. Nun längst veraltet.
Karavele, die. So hießen die Schiffe der Spanier und Portugiesen, die im Zeitalter der Entdeckungen nach fernen Küsten fuhren. Kolumbus hatte bei der ersten Fahrt nach Amerika drei solcher Karavelen unter seinem Kommando. „A caravel was narrow at the poop, wide at the bow, and carried a double tower at its stern and a single one at its bows. It had four masts and a bowsprit, and the principal sails were lateen sails.‟ Spanisch und italienisch caravela, Diminutivum des lateinischen carabus, griechisch carabos, ein leichtes Schiff, ein Boot und eine Krabbe.
Kasemattschiff, das. Der Kampf zwischen Geschütz und Panzer ist noch nicht beendet. Es werden fortwährend neue Versuche angestellt, wie er am zweckmäßigsten zu führen sei, ohne daß Größe und Schwere ins Ungemessene gehen. Einer derselben ist die Einführung von Kasemattschiffen, bei denen die mittschiffs gelegene Batterie besonders gepanzert und als Kasematte behandelt ist. Dieses Wort hat eine große Zahl von Erklärungen gefunden, aber es geht ihnen wie den Gründen, wenn einer daran zu viele beibringt, so will keiner recht einleuchten. Es soll aus dem griechischen chasma, Mehrzahl chasmata = Grube, Höhlung kommen; aus casa mata, niedriges Haus; aus casa matta, mattes, totes, verstecktes Haus; aus casa und matar = schlachten, töten, also zu deutsch Mordkeller; andere denken an das italienische mattone, also Backstein- (aus Backsteinen gewölbtes, geschütztes) Haus, was am sinngemäßesten erscheint.
Kasteel, das, ein erhöhter (turmartiger) Aufbau auf Deck, vom italienischen castello, spanisch castillo = Turm. Ist der Aufbau vorn auf der Back so heißt er Voor-Kasteel; hinten auf der Schanze: Achter-Kasteel.
Katten, den Anker, heißt ihn, nachdem er an der Kette durch das Spill so weit gelichtet ist, daß der Ring über dem Wasser erscheint, bis unter den Krahnbalken aufwinden. Dazu gebraucht man einen Block, den Katblock, mit dem Kathaken daran; und ein Gien, das Katgien mit dem Läufer daran, dem Katläufer. Kat heißt niederdeutsch Katze; wie auch Bock, Widder, Kranich haben herhalten müssen, so ist dieser Name zunächst dem Block gegeben worden, offenbar wegen des katzenkrallenartigen Zugreifens seines Hakens, das an der Katze mit der auf der Werft schwere Lasten gefaßt und gehoben werden, noch deutlicher zu sehen ist. — In der mittelalterlichen Belagerungskunst war katte der Name eines auf Rädern stehenden Sturmwerkes, in einer Hansa-Urkunde von 1363 heißt es: „Duo instrumenta machinalia, unum dictum un driuende werk, aliud dictum een katte;‟ woher noch heute der Name Kattenstrasse; dürfte aber eine Abkürzung von Katapult sein.
Kausch, die, eine eiserne Hülse, bez. ein Füllring eines Tau-Oehrs oder Segel-Oehrs, womit dieses zur Verstärkung ausgefüttert ist. Der äußere Umkreis dieses Ringes hat eine Rinne in die das ihn umfassende Tau paßt. Neuhochdeutsch Kausche und Kauße. Niederländisch kous, schwedisch kausa, dänisch kause, französisch cosse, Hülse, Schale, Schote. Der Grundbegriff scheint Schale zu sein. Wie nun bei uns Schale auch ein Trinkgefäß (Kaffe-Schale, Sektschale) bedeutet, so weist Hildebrand in Grimms Wörterbuch im Deutsch-Litauischen ein kausche nach, das Kanne, Krug, Trinkgefäß bedeutet und bis nach Asien hin zu verfolgen ist.
Kavielnagel, der. Die hölzernen oder eisernen „Nägel‟, (wenn man ein so stumpfes Ding einen Nagel nennen kann) an denen die verschiedenen laufenden Taue „belegt‟ werden, heißen Kavielnagel. Wohl kein Wort der Seemannssprache kommt in so vielen verschiedenen Formen vor, wie dieses, das sich schon dadurch als Fremdwort verdächtig macht: Koveinnagel, Koveljennagel, Kovejennagel, Karvielnagel, Karveilnagel, Karveinnagel, Kobiliennagel, Koveiljennagel, Kaveinnagel, Koviennagel, ja nach Breusing sogar Koffernagel. Die Form Kavielnagel kommt dem Ursprung aus dem italienischen caviglia am nächsten, das Holznagel, Bolzen bedeutet. Nagel ist im Deutschen also nur für solche hinzugefügt, denen unbewußt ist, daß Kaviel allein schon Nagel bedeutet.
Keep, die, ist die in einen Block eingeschnittene rings herumlaufende Vertiefung, in die der Stropp, der um den Block gelegt wird, paßt, der dadurch vor dem Abrutschen bewahrt wird. Der Bedeutung nach dasselbe Wort wie Kerb, Kerbe, ohne daß es, wie man denken könnte, sprachlich mit ihm verwandt wäre. Denn keep, kep, kepe, kap, käpe kommt von kappen, schneiden, wie es ja auch einen Schnitt, Einschnitt bedeutet. Niederländisch keep; keep houden heißt Kurs halten, Strich halten, da der Strich am Kompaß ja nicht bloß ein Strich, sondern ein Einschnitt ist.