Kennung, die. Das Wort ist jetzt nur noch vereinzelt in der Bedeutung Landkennung im Gebrauch, worunter man alles das an Kennzeichen versteht, daraus man als erfahrener Seemann erkennen kann, an welcher Küste man sich befindet: Berge, Kirch- und andere Türme, Mühlen, Baken, Bäume, Häuser etc. etc., also alles was man jetzt Landmarke zu nennen pflegt. — Bei den mittelalterlichen Seefahrern war Kennung ein Maß, und zwar ein ziemlich großes, für Entfernungen. Breusing bemerkt in der nautischen Einleitung zum „Seebuch‟ von 1400: „Das Maß wird von der Entfernung genommen sein, in welcher man auf See bei klarer Luft die Küste, ein Schiff oder dgl. „erkennen‟ kann. Es ist das natürlich sehr relativ und hängt von der Schärfe des Auges ab.‟ Man hatte deshalb auch kleine, gute kleine, und große Kennungen; letztere betrug 18 Seemeilen, die Entfernung von Dover nach Dungeness. — Es fragt sich ob in der unter dwars angeführten Stelle unter Kennung ein Maß oder eine gute Landmarke zu verstehen ist. — Eine der hervorragendsten Landkennungen an der deutschen Nordseeküste war der von Graf Johann XVI. von Oldenburg auf Wangerooge erbaute Turm. Vor undenklichen Zeiten hatte zum Besten der Seefahrer auf dieser damals so viel größeren Insel ein Turm gestanden, der aber längst durch Krieg und Wassersnot zerstört war. Graf Anton I. von Oldenburg hatte sich zwar 1566 bewogen gefunden, den Kirchturm zu Blexen, damit er als ein Pharus diene, vierundzwanzig Fuß höher mauern zu lassen. Allein er ersetzte nicht den Wangerooger Leuchtturm. Nun zeigte Graf Johann, daß das Fräulein Maria von Jever Jeverland und Wangerland keinem Unwürdigen vermacht hatte. Er selbst spricht darüber zu uns durch einen Bericht des Doktors Herrmann Neuwald: „In vergangenen 1597 und 1598 Jahre hat Graff Johan zu Oldenburg etc. etc. auch in der Insel Wangerrohe, so zu Jever gehörig, auff der Elterleute zu Bremen (welche vom allgemeinen Kauffmann dazu vermügt) einstendiges mundt- und schriftliches bitten und ansuchen (inmassen das Wolselige Frewlein Maria zu Jever, von den Bremern zu offt und vielmahlen auch darumb bittlich angelangt) an stat eines alten umbgefallenen Thurms, so vor vielen undenklichen Jahren durch Krieg und sonsten abbruch der saltzen See, zu nichte worden, wiederumb einen newen stattlichen viereckigen hohen Thurm, mit zwo spitzen, und grossen unkosten auffbawen lassen, darbei auch biß an noch gearbeitet wird. Und hat mit demselbigen weiter die Gelegenheit, daß die Breite des Thurms zeigt ins Süden und Norden, und die Lenge ins Osten und Westen, beyde Thurmspitzen kommen die eine ins Norden, die ander ins Süden zu stehen, also die aus dem Westen auff der See, des Eylands oder Thurmbs ansichtig werden, sehen zwischen beyden spitzen durch, so lange sie ins Norden vors Eylandt kommen, und so bald sie so weit umbsegeln, daß sie beide Spitzen gegen einander haben, so seind sie auff der Weser, und können als dann ohne große Gefahr Bremen ablangen. Imgleichen ist es auch mit denen, so aussen Westen auff Hamburg die Elbe einlauffen wollen, welche gleicher Gestalt jhr merckzeichen an dem Thurm haben, und nunmehr auf der Weser die Seetonnen nicht hochnötig, dann ohne das, das Wolseliges Frewlein Maria zu Jever, die Legung dieser Tonnen, als mehrernteils in Jeverscher Iurisdiction, den Bremern nicht allerding verstattet. So ist auch die Norderse bißweilen dermassen ungestüm, daß man für den grossen Wällen ernante Seetonnen nicht sehen kann, oder dieselben wol gar abgestossen werden, dadurch dann offtmahls die Seefahrende Leute grosser gefehrlichkeit, wegen hoher Sande, unterworffen, den jennigen aber, so aus Hispanien, Norwegen und anderen abgelegenen Königreichen, auch Hollandt und Seelandt kommen, dienet der Thurm dazu, weile das Eylandt Wangerohe, das neheste an der See, daß die Schiffer, wann sie den Thurm vernehmen, wissen, wo sie sein, und also nach jhrem gefallen, die Seehafen, dahin sie gedenken, einlauffen können, sonderlich ist hieran auch gelegen, allen Schiffleuten, welche die Harle, Jade, Weser aus- und einfahren, auch die Nordsee auf Bremen, und viele andere Örter, zu jhrem grossen nutz und vorteil gebrauchen wollen, daß also bemelter Thurm vor etzlich viel tausend Thaler, verstendiger erkenntniß nach, jährlichs nicht zu entrathen, hat also Wolbemelter Graff Johann, allen Schiff- und Kauffleuten zu gutem, und steter Gedechtnuß, wie obberürt, den Thurm wiederumb erbawen und aufführen lassen.‟ — Das „Seebuch‟ von Manson, aus dem Schwedischen übersetzt von Hans Wittenburgk, Schiffer in Wißmar, Lübeck 1735, beschreibt in einer Segelanweisung den „Einlauf nach Riga‟: „Wenn man aus der See kommt, und man bekommt Kennung von den Rigischen Thürmen, welcher drey seyn, zwene gleicher Höhe, und der dritte etwas niedriger, so soll man so lauffen, daß man den niedrigen zwischen beiden hohen habe‟ ... Waghenaer, 1588, schreibt in seinem „Spiegel‟: „Omme perfectelyk tot de conste ende wetenschappe der Zeevaert te gheraken is de principaelste middele, dat soo wanneer een Stuermann oft Bootsghesel, ut eenighe Landen, Riuiren oft Hauenen, zeylen wil, sal wel scherpelyk moeten letten, wat ghebome, Sloten, Toornen, Kercken, bekende Berghen, Duynen, Molens oft andere mercken daer op staen. Ende alle t' selfde alst nu een kenninghe van v begint te legghen, mette penne ontwerpen oft contrefaicten, ende dit op sekere ende ghewisse streken van den Compasse‟ ...
Kentern.
1. Einen Balken mit der Hand oder mit einem sogenannten Kanthaken so bewegen, daß er sich um seine Kante dreht und auf die andere Seite zu liegen kommt. Wenn das mehrere Male geschieht, so bewegt sich dadurch der Balken von seiner Stelle und man kann in dieser Hinsicht das Kentern als eine Art von Fortbewegungsmittel ansehen. Was den Kanthaken betrifft, so gebraucht der Seemann das Wort auch in übertragener Bedeutung; „jemanden am Kanthaken kriegen‟ heißt ihn gehörig fassen und vornehmen.
2. Ein Schiff oder ein Boot kentert, wenn es sich unter allzugroßem Druck auf die Segel oder sonstigem Zusammentreffen widriger Umstände so auf die Seite legt, daß es seinen Schwerpunkt verliert und „über Kante‟ geht, so daß die Seite die bisher oben war und immer oben sein soll nach unten zu liegen kommt; das Wort müßte eigentlich käntern heißen.
3. Der Strom kentert wenn Ebbestrom gewesen ist und nun Flutstrom einsetzt, der Strom also von der andern Seite oder Kante kommt.
4. Der Anker kentert, indem er sich auf die Seite legt. Kante ist überhaupt ein in seemännischem Munde häufig gehörtes Wort, wo das Hochdeutsche Seite sagen würde, daher die berühmte Zusammensetzung waterkant für Küste, Seeseite.
Kerkedortje, das, s. Schlappgording.
Kessel, der. Das lateinische catinus = Holzschüssel hat sich infolge der großartigen Siege der Dampfkraft zu einem gewaltigen Dampferzeugungsapparat ausgewachsen. Es ist hier nicht der Ort ein Mehreres darüber zu sagen, als daß die verschiedenen Systeme von Kesselanlagen teils nach ihrer Gestaltung, teils nach ihren Erfindern und Verfertigern benannt werden: Kofferkessel, Zylinderkessel, Lokomotivkessel, Wasserrohrkessel; Belleville-, Niclausse-, Dürr-, Thornycroft-, Jarrow-, Normand- und Richard Schulz-Kessel.
Kette, die, vom lateinischen catena, hat auf größeren Schiffen als Ankerkette das früher übliche Ankertau vollständig verdrängt. Sprachlich ist nur die Wendung „Kette stecken‟ zu erwähnen, weil sie in übertragener Bedeutung gebraucht wird. Es heißt eigentlich: „mehr Kette zu den Klüsen hinausstecken‟, was stets zu geschehen hat wenn ein Sturm aufzukommen droht. Das Bild der aus der Klüse herauskommenden Kette schwebt dem Seemann vor, wenn er für das, was man sonst nennt „den heiligen Ulrich anrufen‟ oder „Kotzebues Werke herausgeben‟, sagt: „Kette stecken‟. Schon diese scherzhafte Bezeichnung beweist, daß Jan Maat mit seekranken Leuten nicht allzuviel Mitleiden hat.
Kettenschiffahrt, die, ist eine Flußschiffahrt bei der der betreffende Dampfer sich selbst an einer Kette entlang schleppt, die in den Fluß versenkt ist. Die Kette geht vorn auf das Dampfschiff hinauf und, auf Rollen laufend, hinten wieder herunter. Eine Gesellschaft, die auf der Elbe von Magdeburg nach Hamburg dergleichen Schiffahrt betreibt, heißt „die Kette‟.