Kieker, der.

1. Der Mann auf dem Ausguck, hochdeutsch schlechtweg „der Ausguck‟ genannt (und zwar mit etwas größerem Recht als der Soldat auf Posten die Schildwache heißt).

2. Ein Fernrohr, jedes Fernrohr, besonders aber das lange für ein Auge. — Kiken heißt gucken, kucken, sehen, schauen. Wahrscheinlich gehören kiken, sehen und kiken, stechen zu einer Wurzel, wie man auch von einem stechenden Blick und von einem Krimstecher spricht.

Kiel, der. Die Erklärung dieses wichtigen Seemannswortes wird dadurch recht erschwert daß es im Mittelhochdeutschen zwei einander gleich lautende und doch Verschiedenes bedeutende Wörter Kiel und Kil gibt, von denen ersteres Seeschiff, letzteres Kiel in dem uns geläufigen Sinne heißt. Doch auch das möchte noch angehen. Aber da wir gewöhnt sind Kiel als Schiffsteil auch fürs ganze Schiff zu nehmen, so stehen wir in doppelter Gefahr Kil mit Kiel in eins zu verschmelzen. Zunächst ist jedenfalls festzuhalten

1. daß es ein althochdeutsches Wort kiol gibt das Schiff bedeutet, mittelhochdeutsch kiel, altnordisch kioll (kjöll), angelsächsisch ceól, welches nachher im Altenglischen noch für „Schiff‟ gebraucht wurde, wie eine Urkunde des Königs Aethelred (978-1016), (gedruckt bei Höhlbaum, Hans. Urkundenbuch) beweist, wo es heißt: „si adveniat ceol vel hulcus (s. Hulk) et ibi jaceat 4 denarii ad telonum.‟ Das ist das alte Seeschiff, in dem die Angeln und Sachsen über Meer gingen.

2. daß es auch ein altnordisch kiolr gibt, das Kiel bedeutet, alt- und mittelhochdeutsch kil, Federkiel und Schiffskiel, an den sich die Spanten als Rippen ansetzen, wie die einzelnen Rippen an den Federkiel.

So sehr nun diese beiden Wörter auseinander zu halten sind, weil sie nun einmal grammatikalisch auseinander gehen, so stehe ich doch nicht an, zu glauben, daß beide ursprünglich doch aus einer und derselben Wurzel entsprossen sind, als welche Fick ku oder gu, schwellen annimmt. Diese Meinung wird dadurch bestärkt, daß unser Seemann anstatt Kielschwein Kolswin sagt, was doch von König Aethelreds Zeiten her ihm, dem äußerst zäh am Alten hangenden, könnte hängen geblieben sein. — Urverwandt mit gaulos schiff, eigentlich Eimer, also etwas rundlich Anschwellendes. Es kann nicht auffallen, daß die Germanen und die Griechen ein seemännisches Wort urgemeinschaftlich haben, da sie doch stammverwandt und in uralten Zeiten mit einander über den Kaukasus gewandert sind. Indessen ist es nicht einmal unbedingt nötig Urverwandschaft zwischen gaulos und kiol anzunehmen, da ja Bischof Ulfilas, der Übersetzer der Bibel ins Gothische und damit Schöpfer der gothischen Schriftsprache, in Konstantinopel ausgebildet worden war und dort unzweifelhaft Gelegenheit genug hatte, seemännische Wörter kennen zu lernen und sie aus dem Griechischen in gothische Form zu übertragen, von wo aus sie dann ins Althochdeutsche übergingen. (Bei den vielen engen Berührungen der alten Deutschen mit den Römern kann natürlich eine unmittelbare Herübernahme lateinischer Seemannswörter ins Deutsche noch weniger befremden, zumal mit neuen, verbesserten Werkzeugen sich überhaupt leicht der neue Name aus der Fremde einbürgert).

Kielholen.

1. Ein Schiff, es geht natürlich nur bei kleineren, am Gestade oder Ufer so auf die Seite legen, daß man an den Stellen, die sonst unter Wasser sind, arbeiten kann; also eigentlich den Kiel trocken holen. Auch in übertragener Bedeutung „das Unterste zu oberst kehren‟; wenn eine Frau „Rein Schiff‟, d. h. große Frühjahrsreinigung des Hauses vorhat, so sagt wohl der dadurch erschreckte Mann in Holland: „zy zal beginnen te kielhalen‟ (Lüpkes, Seemannssprüche).

2. Ein früher gebräuchliches sehr empfindliches Verfahren, das teils bei der Linientaufe als grausamer Scherz, teils von Rechts wegen als bitterer Ernst geübt wurde, darin bestehend, daß einer an einem Tau von der Nock der einen Seite der Großrahe unter dem Kiel durch zur Nock der andern Seite der Großrahe geholt wurde. Wenn man in Deutschland und Holland auch nicht, wie anfänglich bei großen Seeunternehmungen in England, die Gefängnisse entleerte um die Schiffe zu bemannen, so waren die Männer, die in früheren Zeiten ihren Handel in großen Wassern trieben, doch nicht grade die allersanftesten Brüder und mußten in strenger Zucht gehalten werden. Aubin beschreibt das Kielholen so: „C'est une sorte de punition qu'on pratique parmi les Hollandais, en cette maniére. On mène le coupable au bord du vaisseau, et on y atache une corde, au milieu de laquelle il est lié par le milieu du corps; ou-bien, on amène la vergue sur le vibord, et aïant mis le coupable sur le bout, on y atache la corde. Autour de son corps on met quelque chose de pesant, ou-bien l'atache à ses piés. La corde est aussi longue qu'il faut pour passer sous la quille du vaisseau. Un des bouts en est tenu de l'autre coté, par quelques-uns des plus forts matelos de l'équipage; et l'autre bout est celui qui est ataché au vibord, ou à la vergue. Le coupable, à lordre qu'en donne le Quartier-maitre, étant jetté à la mer, ceux qui tiennent la corde à l'autre bord du vaisseau, la tirent le plus vite qu'ils peuvent, de sorte qu'il passe avec une grande rapidité, dans l'eau, sous la quille. On recommence même quelquefois, et on le jette autant de fois que la Sentance le porte. Ce châtiment est rude et dangereux, car le moindre defaut de diligence ou d'adresse, de la part de ceux qui tirent la corde, ou quelque autre petit accident, peut être cause, que celui qu'on tire, se rompe ou bras, ou jambes, et même le cou, ou quelque autre parti du corps; si-bien qu'on le met au rang des peines capitales.‟ — Der „Artykelbrief‟ der Generalstaaten, das Reglement der Marine der Niederlande, die Grundlage der Disziplin an Bord, hält strenge auf Zucht, Ordnung und Gottesfurcht. Es mögen hier einige Bestimmungen in Aubin's Übersetzung Raum finden. I. L'Amiral, le vice-amiral, le Capitaine, Lieutenant, ou tout autre qui commandera un vaisseau, prendra soin qu'on fasse tous les matins et tous les soirs la priére sur son bord, ou tout le mionde se tiendra prêt pour y assister, sur peine, en cas de défaut, de quatre sous d'amende pour la premiére fois; du duble pour la seconde fois; et d'être huit jours aux fers, au pain et à l'eau, pour la troisiême fois. II. Ceux qui ne se comporteront pas comme il faut, pendant qu'on lira la Parole de Dieu, ou qu'on fera la priére; qui riront, qui feront du bruit, et qui, de quelque maniére que ce soit, ne se tiendront pas dans un êtat modeste, seront conduits devant le mât, y recevront des coups de corde de tour de tout leur Quart, et paieront six sous d'amende au profit du Prévôt. III. Quiconque prendra le nom de Dieu en vain, ou jurera, sera aussi mené devant le mât, et battu de coups de corde par son Quart, et paiera deux sous d'amende, aplicable aux pauvres, et six sous au Prévôt. XXIX. Ceux qui demeureront endormis lors-que le siflet se fait entendre, et lors-qu'il faut venir faire le quart, seront punis pour la premiére fois arbitrairement, par l'ordre du Capitaine, et de l'avis des Oficiers; pour la seconde fois ils seront battus de bouts de corde par tout l'équipage; et la troisiéme fois ils auront la cale par-desous la quille.‟