Kiellinie, die. Wenn das Signal: „Im Kielwasser des Admirals folgen!‟ befolgt wird, dann segeln, oder vielmehr dampfen die Schiffe eines Geschwaders in Kiellinie, eines hinter dem andern, in genau abgemachten und inne zu haltenden gleichen Abständen, so daß also die Verlängerung der Linie des Kiels aller Schiffe in einer graden Linie verläuft.
Kielwasser, das, der Streifen schäumend bewegten Wassers, den das Schiff bei seiner Fahrt hinter sich läßt. Der Winkel, den die Linie des Kielwassers mit der Richtung des Kiels macht, zeigt die Größe der Abtrift an. Doch wird Kielwasser wohl auch gleichbedeutend mit Kurs genommen, was z. B. geschieht, wenn der Befehl an die Schiffe eines Geschwaders ergeht, daß sie im Kielwasser des Admirals folgen sollen.
Kielschwein, das. Verstärkung des Kiels. Mit Schwein hat das Wort aber nichts zu tun. Das hat Reinhold Werner „Schule des Seewesens‟ sehr wohl erkannt und sagt darum durchgängig anstatt Kielschwein Kielschweif. Das ist aber nur ein Verlegenheitsgriff und bringt uns nicht weiter. Wir müssen einen andern Weg der Erklärung einschlagen. Der niederdeutsche Seemann sagt Kielswin (eigentlich Kolswin s. Kiel). Swin heißt nun freilich auch Schwein, aber das Swin in Kielswin ist eben ein ganz anderes Ding als das Borstentier, das seinen Namen von der Diminutivform oder vielmehr Femininumform von Sau hat. Unser — swin hat von der Verstärkung den Namen. Das mittelniederdeutsche Wort swin hieß stark. Es ist zwar dasselbe wie das Hochdeutsche geschwind, früher mundartlich und auch jetzt noch manchmal ohne die Vorsilbe einfach schwind, aberes hieß anfänglich weiter nichts als groß, heftig, stark. „Do bouweden se en slot, unde is ein swinde vast hus.‟ (Lübecker Chronik.) „Dar weren sulen van glaze, de weren swynde grot‟ (Lübecker Passional.) Der Wechsel oder vielmehr die Erweiterung liegt nahe. Von swind in der Bedeutung stark kann man leicht zu geswind in der Bedeutung schnell kommen, man braucht nur an einen starken, kühnen, kräftigen, unternehmenden Menschen zu denken, der wird allemal auch ein schneller Mensch sein. Schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts hatte sich diese Erweiterung bereits vollzogen und im Seegebrauch festgesetzt, wie wir aus dem niederdeutschen Fastnachtsspiel „Scriba‟, das 1616 in Hamburg aufgeführt ward, erfahren. Da will eine Bäuerin ihren Sohn gern Latein lernen lassen und sagt zu dem Schreiber: „Herr Schryver, he haft suss en schwinden vorstand, he schol dat Lackyn wol grypen mit der hand.‟ Ja schon 1498 ist sie nachzuweisen. In diesem Jahre erschien die erste Ausgabe des Reineke de vos in niederdeutscher Sprache. Da heißt es: „Reinke log ser und swinde. Brun folgede en na alse ein blinde.‟
Kill, die, auch Kille, die, ist, ähnlich wie Priel, eine natürliche Wasserrinne, ein natürlicher Wasserlauf, namentlich auf dem Watt; niederländisch kil; altnordisch, isländisch kyll; nordfriesisch kiel = Brunnen, Quelle. Mit diesem letzteren Worte ist es eins, wie denn das Stammverbum zu Quelle auch ein i anstatt des e hat; gothisch qillan.
Kikebuse, die, ein kleines, über Reifen gespanntes, tonnenförmiges Netz, worin das sich allmählich verengende und spitz zulaufende Ende des Stellnetzes oder der Fuke hineingesteckt wird, damit sich die in dem Stellnetze gefangenen Fische darin sammeln. Verbindung von kike = Gefäß (Feuerkike) und bus = Stall, Viehstall. — Am Dollart werden diese Kikebuse noch jetzt aus Weiden geflochten und für sich allein zum Fangen von Aal und Granat gebraucht.
killen. Die Segel killen, wenn sie hin- und herschlagen oder wappern, weil der Wind aus Versehen des Steuernden oder wegen plötzlicher Richtungsveränderung weder von vorne noch von hinten kommt, sondern grade aus der Richtung in der die Rahe gebraßt ist; killen = schwappern, flattern, hin- und herschlagen, und zwar kurz und kräftig, nicht lahm und langsam wie wenn überhaupt kein Wind geht. Trotzdem ist es dasselbe Wort wie niederländisch killen, englisch kill = töten, d. h. schlaff machen, der treibenden Kraft berauben; althochdeutsch quellan, chellen, chelen, mittelhochdeutsch quellen, quälen, töten, altenglisch quell, sterben, langsam hinsterben, hinschwinden, abnehmen, sich vermindern, nachlassen, was der Bedeutung wegen beachtenswert ist, weil die Fahrt des Schiffes durch das Killen vermindert wird und nachläßt. Neuenglisch chill, das Zittern und Beben der Hände vor Frost in oberdeutschen Mundarten kellen oder gellen, „o Mutter die Hände gellen mir so!‟ sagt ein Kind, wenn die Hände so kalt sind, daß die Fingerspitzen sich anfühlen als bohre ein Wurm darin. — So wenig das Killen eines ganzen Segels gewünscht wird, so ist es doch das Kennzeichen eines guten Rudergasten, daß er, wenn er hoch beim Winde steuern soll, so nahe an den Wind geht, daß wohl die Luvschot der Oberbramsegels, aber nicht das ganze Segel killt; das ist dann der Beweis, daß er nicht höher steuern kann, aber auch nicht voller steuern will.
Kimm, die, auch Kimmung, die. 1. Der Horizont, der äußerste Gesichtskreis auf freiem Felde, besonders auf See; der äußerste Rand, da wo Erde und Himmel, besonders wo Meer und Himmel sich zu berühren scheinen, sich scheinbar mit einander verbinden. Mittelniederdeutsch kimme, niederländisch kim, englisch chimb, chime = Zarge, Rand einer Türe oder eines Tisches. Es liegt ein Thema zu Grunde mit der Bedeutung Zusammenfügung, Verbindung, Fuge, Verbindungsstelle. Im Angelsächsischen heißt cimbing commissura, Naht, wo zwei Dinge zusammentreffen. Niederdeutsch der äußerste Rand eines Dinges, nach dem Bremer Wörterbuch die über den Boden hinausspringenden Enden der Faßdauben. — Da die Stelle, wo Himmel und Erde sich verbinden, das äußerste Ende der Erde darstellt, so konnte sich, wie Doornkaat bemerkt, von selbst die Bedeutung des Äußersten oder Entferntesten in Bezug auf ein Land und seine Bewohner entwickeln, und demgemäß der Volksname der Kimbern und der Landsname Kimmerien oder Kimbrien. — 2. Im Schiffbau derjenige Teil der Außenbordwand wo die größte Krümmung ist, wo der Boden in die Seite übergeht, wo also eine Verbindung des Bodens mit der Seite stattfindet, wie die Erde sich mit dem Himmel verbindet. — Wenn ein Schiff bei einer Strandung auf die Seite fällt, so kommt es nach dem Gesetz der Schwere auf diese Kimmung zu liegen; etliche Planken ober- und unterhalb dieserStelle heißen Kimmplanken, und die Weger oder Wäger (s. Wägerung) heißen Kimmwäger.
Kinbacksblock, der. Jeder Block der eine Scheibe hat, hat auch eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Kinbacke, oder vielmehr mit zweien, da die beiden Backen zu den Seiten der Scheiben sich damit sehr wohl vergleichen lassen. Kinbacksblock heißt einer aber besonders, weil er neben den Kinbacken auch gleichsam noch einen Mund hat, nämlich einen Ausschnitt, durch den man das Tau über die Scheibe legen kann ohne erst das Ende einstecken und ganz durchholen zu müssen, was oft gar nicht angängig wäre, weil beide Enden mit irgend einem umfangreichen Gegenstande verbunden sind und nicht von ihm gelöst werden können.
Kinke, eine, ist eine Windung, eine Falte, ein Auge, eine Drehung in einem Tau, die sich leicht bildet, wenn es neu und zu hart gedreht ist; eine sehr gefährliche Sache, wenn das Tau durch einen Block laufen soll; es ist dann „unklar‟ und muß schleunigst klariert werden. Auch nennt man wohl die Biegungen eines aufgeschossenen Taues Kinken und warnt bei schnellem Ablaufen derselben: „Die Beine aus den Kinken bergen!‟ damit die Gewalt des abrollenden Taues sie nicht breche. „Sich aus den Kinken bergen‟ heißt auch allgemein in übertragenem Sinne sich vor irgend einer Gefahr in Sicherheit bringen. Die Benennung ist von kinke, einem niederdeutschen Worte für „gewundene Schnecke‟, entnommen, das von conchile kommt; kinken niederländisch krumm liegen, verwirren; auch niederdeutsch verwickelt; das Bremer Wörterbuch sagt: „Auch die Schneider brauchen dies Wort, wenn der Faden im Nähen sich selbst verwickelt und einen Knoten macht.‟ Auf Wangerooge kink.
Klabautermann, der, kommt von dem mittelhochdeutschen Kobold (und Mann, Koboldermann), lächerliche aus Holz oder Wachs gebildete Figur eines neckischen Hausgeistes (ursprünglich Götzenbild, Bildnis eines Hausgeistes, das über dem Herde angebracht wurde. Nachher in der christlichen Zeit wurden dergleichen Bilder nur noch zum Scherz oder zur Zierde auf den Kaminsims gestellt, aber ursprünglich hatten sie tiefere, religiöse Bedeutung, Simrock, Mythologie S. 450, 6. Aufl. Bonn 1887). Griechisch Kobalos, verschnittener Possenreißer, mittelniederländisch coubout, neuniederländisch Kabout, flämisch Kabot, Kabotermanneken. In dem immer mehr verschwindenden Aberglauben der Seeleute ein guter Schiffsgeist, der unten und oben, im Schiff und in der Takelage sein munteres Wesen treibt.