klabastern, eigentlich klabautern, wie man auf Wangeroog sagt, („dat is 'n ewig klabautern‟, wenn lange gekreuzt werden muß). Es heißt schlagen, purzeln, polternd laufen, neckend jemand nachlaufen, sich dabei überstürzen („Kobold schießen‟) wie ein Kobold. Da dieses Wort zum Scherz herausfordert, so ist klabastern offenbar auch eine scherzhaft gebildete Form für klabautern. Um das Holländische als einen ans Lächerliche grenzenden deutschen Dialekt darzustellen behaupten Unkundige immer wieder, es heiße „und seine Jünger folgten ihm nach‟ in der holländischen Bibel „en sijne jongelingen klabasterten achter hem naa‟; das ist eine böswillige Herabsetzung der kräftigen, klangvollen, für die öffentliche Rede wie für die zarte Lyrik gleich geeigneten holländischen Sprache, in der es kein Zeitwort klabastern gibt und in der die Jünger Jesu discipelen genannt werden. Wohl gibt es ein Zeitwort klauteren = klimmen, klettern, aber das könnte auch von klaauw = Klaue kommen, käme es aber auch von Klabautermann, so hat es dennoch nichts Lächerliches an sich.

Klafter, das, vergl. Faden, kommt auch männlich, ja nach Kluge, sogar in allen drei Geschlechtern vor. Althochdeutsch klaftra. Die romanischen Wörter für Klafter braza, brasse sind bedeutungsverwandt, denn es ist das Maß der ausgespannten Arme; seemännisch nur Längenmaß von verschiedener Ausdehnung, (wie Fuß auch). Sonst auch als Kubikmaß gebraucht, „ein Klafter Holz‟, ursprünglich so viel man mit den Armen umklaftern kann. Der Teuthonista sagt: clafter, clater, later, vadem, dat is eyns menschen lenghd, weil angenommen wird, daß ein Mensch so groß ist wie die Entfernung von Fingerspitze zu Fingerspitze bei ausgebreiteten Armen. — Apostelgeschichte 27, 28 in der Uebersetzung Luthers: „Und sie senkten den Bleiwurf ein und fanden zwanzig Klafter tief‟; das griechische Wort heißt orgyia und kommt von orego, ich strecke aus; es ist also hier der Raum zwischen den ausgestreckten Armen gemeint.

klameien, s. kalfatern.

Klampe, die

1. die einfachsten Klampen sind weiter nichts als Stücke Holz, Klötze oder Kloben, dazu dienend, einer anderen Sache Festigkeit zu verleihen, z. B. Klampen der Mastspuren, Klampen auf denen die Wasserfässer fest liegen, Bugspriet-Wuhlings-Klampen, Treppenklampen an der Außenbordwand (Fallreepstreppe) für die Füße zum Treten und für die Hände zum Festhalten, Betingsklampen, Nockklampen u. s. w.

2. Eine Vorrichtung zum Belegen, d. h. Festmachen des Endes eines Taues; hierbei hat das unter 1. erwähnte Stück Holz ungefähr die Gestalt eines Ambosses bekommen, dessen Mitte an der Bordwand befestigt ist, dessen beide Seitenarme aber frei stehen, so daß man das betreffende Tau mehrmals um sie schlagen und zuletzt mit einem Kopfschlag befestigen kann; diese heißen Belegklampen.

3. Verholklampen haben lediglich den Zweck beim Holen oder Verholen dem Tau als Führung zu dienen.

Niederdeutsch klump oder klampe bedeutet etwas womit man einem andern Dinge Haft, Halt, Festigkeit, Verbindung, Zusammenhalt gibt, Querholz, Kloben, Klotz, Querriegel, auch einen Steg über einen Graben. Niederländisch klamp = Klammer, Zapfen, Band; englisch clamp, Balken, Latte, Leiste, Stück Holz zur Verstärkung und Befestigung; norwegisch und schwedisch klamp, Klotz, Baumstumpf, Holzkloben. Es stecken also zwei Bedeutungen in dem Wort: Klammer und Klumpen. Beide liegen auch schon in dem Zeitwort klimpan, von dem Klampe abstammt und dessen Grundbedeutung nicht nur spalten (Klumpen also = gespaltenes Stück Holz) sondern auch klammern = anhangen, verbinden, haften ist; sie kommen beide in Klampe zusammen: „Stück Holz zum Befestigen.‟

klar. Dieses vielgebrauchte Seemannswort ist und bleibt in allen seinen Verwendungen immer das lateinische clarus = rein. Ob es nun klar, hell, deutlich, durchsichtig, unvermischt, schier, abgeklärt, gahr, fertig, bereit bedeutet, immer ist der Begriff rein das Ausschlaggebende. Sogar wenn das Kommando „Klar Schiff zum Gefecht!‟ kommt, ist die Bedeutung zunächst nur: rein das Schiff von allem was im Gefecht hinderlich sein könnte, fort mit allem was im Wege ist (und dann: her mit allem was zur Schlacht gebraucht wird, was man haben muß um zum Kampfe bereit zu sein). So sehr also „Rein Schiff‟ und „Klar Schiff‟ begrifflich von einander verschieden sind, sprachlich stehen sich die beiden Kommandos sehr nahe, nur daß bei „Rein Schiff‟ der Schmutz, bei „Klar Schiff‟ was sonst im Wege ist, entfernt wird. — Mittelniederdeutsch: klar = klar, hell, strahlend, herrlich, schön. Ein Hansareceß von 1386 spricht von einem „klare vorste unde dorluchtige here;‟ auch von einer claren eddelen vorstinne, von einer claren edelen juncvrouwen ist in jenen Tagen die Rede. Aber auch schon damals ward das Wort seemännisch gebraucht für „in guter Ordnung sein‟: „und haelden beyde schepe tho hope und hadden unse dynck klaer‟ (zum Gefecht); „als wy nu menden, dat wy it klaer hadden, so horde wy, dat dar noch folk under der luken was.‟ — „Wache klar zum Manöver!‟ „Alle Mann auf, klar zum Manöver!‟ „Klar zum Wenden!‟ etc. etc. „Klar beim Bolzen, klar beim Fall, klar bei der Schot‟ ... sind alles Befehle an die Leute die es angeht, sich bereit zu halten zu dem Kommenden und ihre Aufmerksamkeit auf das zu richten, was dabei zunächst zu geschehen hat. „Klar machen zur Musterung!‟ bedeutet noch nicht die Musterung selbst, sondern den Befehl, sich dazu fertig zu machen. „Klar machen zur Kirche!‟ heißt den Altar aufstellen, Stühle und Bänke zurechtsetzen, den Kirchenwimpel anstecken, fertig zum Hissen etc. etc. „Gig klar, Kutter klar!‟ lautet der Befehl, das betreffende Boot zu Wasser zu lassen, zu bemannen und fertig zum Einsteigen an die Fallreepstreppe zu legen, was, wenn es alles geschehen ist, dem ersten Offizier gemeldet wird: „Kutter klar!‟ (ist klar), „Klar Deck‟, „klar Deck überall!‟ heißt das Deck nach einem Manöver wieder in den vorigen Stand versetzen, so daß alles wieder für ein neues Manöver gebrauchsfähig bereit ist. Ein „klarer Anker‟ ein von seinem Tau, seiner Kette freier, d. h. wohl an dieselbe befestigter, aber von ihr frei d. h. ungehindert sich bewegender Anker, in seiner Verwendung von Tau oder Kette nicht gehemmt. Daher tragen die Unteroffiziere der Marine, die nicht direkt etwas mit der Seemannschaft zu tun haben, einen klaren Anker, ohne Tau, die seemännischen Unteroffiziere einen unklaren, von einem Tau umschlungenen, in ein Tau verwickelten Anker, weil angenommen wird, daß sie in der Lage sind, einen unklaren Anker zu „klariren‟ d. h. klar zu machen. Klariren ist etwas anderes als aufklaren, indem letzteres ganz allgemein aufräumen bedeutet, ersteres aber gesagt wird, wenn eine Sache nicht so ist wie sie sein soll, um ihren Zweck zu erfüllen, wenn z. B. ein Tau einen Kink hat und man diesen beseitigt. — Das von klar kommende hochdeutsche erklären heißt niederdeutsch-seemännisch verklaren; daher Verklarung vor Gericht (s. d.) Das mittelniederdeutsche Zeitwort klaren bedeutet hell machen, ins Reine bringen, eine Rechnung bezahlen; intransitiv: erhellen. — Ein so häufig gebrauchtes Wort wird selbstverständlich auch in übertragenem Sinne angewandt. So heißt z. B. „klar beim Bolzen‟ überhaupt bereit sein zu irgend einem Werke, und „klar Deck machen‟ irgendwo aufräumen, dazwischenfahren, Ordnung schaffen; wie denn im Mittelniederdeutschen unklar sogar in moralischem Sinne gebraucht ward für unehrlich; Lübecker Totentanz: „hefet unklar gewest in talle, mate, wichte, rekenschop und ok in kope‟, sagt der Tod zum Kaufmann. — Eine ganz auffallende Bedeutungsverschiebung hat sich mit dem Wort klar im Englischen vollzogen. Da nennt man heutzutage allgemein Rotwein claret. Klaret war aber im Mittelniederdeutschen weißer Wein, weißer Gewürzwein, nämlich über Gewürz abgezogen und dann geklärter Wein. Schiller und Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch II. 473: „In dem Catal. med. (Lübeck 1784) wird vinum claretum als weißer, vinum hippocraticum als roter Gewürzwein aufgeführt, und letzterer doppelt so hoch angesetzt als ersterer. Die Bereitung beider beschreibt Gwaltherus Ryff in seiner kleinen Apoteck oder Konfektbüchlein, Straßburg 1552. — „Ein kostlick klareth edder czuckerwater; wenn men czucker int water werpet, so isset nicht mehr water, sunder ein köstlich klareth edder czuckerwater.‟

Klau, die. Die Gaffeln sind zwar gabelförmig gestaltet aber die Gabelung daran heißt merkwürdigerweise nicht Gabel, sondern Klau = Klaue, weil sie wie eine Tierklaue den Schnaumast umklammert. Es heißt aber auch, nach einer auch anderweitig durch Seeleute mündlich bestätigten Angabe des Kapitänleutnants Frhrn. von Strombeck in der Marine-Rundschau (Übersetzung eines Kapitels über Jacht-Seemannschaft) der Teil des Segels, der sich zunächst der Klau befindet, Klau; in dieser Klau des Segels befindet sich eine Kausch zum Befestigen desselben.