Kleid, das, heißt im Munde des Seemanns nicht dasselbe wie im Hochdeutschen, sondern nur Decke, wie im Ostfriesischen und überhaupt im Niederdeutschen und Niederländischen kleed = Decke, Teppich ist. Auch im Althochdeutschen war dem so; da hieß kleit Zeug, Tuch, (wie das englische cloth), banckleit = Bankdecke, (aber nicht Bankkissen, denn das hieß bankphulwe, wie noch jetzt in Hochdeutschland ein Kissen „Pilwe‟ heißt). Mittelhochdeutsch satelkleit = Satteldecke. Seemännisch: Hängemattskleid, Zwischendeckskleid. — Dem entsprechend wird auch kleiden gebraucht, doch siehe in Bezug hierauf Schmarting, Platting, Schladding und Sarving; auch heißt das Wegnehmen nicht entkleiden, sondern abkleiden.
„Klein Holz‟. Die Redensart: „es gibt klein Holz‟ besagt so viel als: es geht etwas entzwei, es wird etwas zertrümmert, es zerbricht etwas (auch wenn es nicht von Holz ist); ja man kann auch, wenn ein ganzes Schiff am Felsen zerschellt, sagen daß es „klein Holz‟ gibt; das bedeutet dann „scheitern‟ in seiner wörtlichen Bedeutung.
Klinkerboot, das, ist ein Boot, das als Außenhaut eine einfache Plankenlage hat, deren einzelne Gänge um einen geringen Teil ihrer Breite über einander greifen, indem jede Planke mit ihrer unteren Kante die Oberkante der unter ihr liegenden Planke bedeckt. Die über einander liegenden Plankenteile werden durch kupferne Gatnägel mit einander verbunden. — In Oldenburg, Ostfriesland und Holland heißen die Ziegelsteine mit denen die Chausseen gepflastert sind Klinker, weil sie so hart gebrannt sind, daß sie klingen wenn man daran klopft. Mit diesem Worte hat jedoch unmittelbar das Klinker in Klinkerboot nichts zu tun, vielmehr kommt zunächst das niederdeutsche klinken = nieten, festmachen, festschlagen ein Etwas auf ein anderes Etwas, fest verbinden mit einander; und zwar ist dabei an das Geräusch gedacht, das bei dem dazu nötigen Klopfen entsteht, indem klinken eine nasalierte Form von kliken ist, das den Ton andeutet der entsteht wenn Eisen auf Eisen schlägt: „klick‟. Englisch clinch, nieten. Dasselbe onomatopoietische Wort wie unser klingen.
Klinsch, eine, ist nichts weiter als das unter dem Einfluß des englischen clinch = Klinke etwas umgebildete deutsche Wort Klinke, entweder im Sinne von „gekrümmtes, umgebogenes Ende eines Dinges‟ oder eines „haftenden, packenden, haltenden Etwas‟; beide Bedeutungen von klinken (s. Klinkerboot) passen auf Klinsch sehr wohl; klinken heißt allerdings „nieten‟; aber das Nieten besteht darin, daß das spitze Ende eines Nagels, der durch das zu Nagelnde durchgedrungen und auf der andern Seite wieder herausgekommen ist, durch Klopfen umgebogen wird; dieses Umbiegen ist die ursprüngliche Art des Nietens, und im Gedanken an Biegung ist Klinke, ist auch Klinsch gebildet, denn eine solche ist ein solcher Knoten oder Stek, bei dem das Ende eines Taues in der Weise umgebogen ist, daß ein Auge entsteht; zunächst ein festes Auge; und dann wird noch einmal gebogen und der Tamp durch das feste Auge so durchgeholt, daß ein laufendes, bewegliches, veränderliches, sich dem zu befestigenden Gegenstand durch Biegen anpassendes Auge entsteht.
Klote, die. Kloten sind kleine Hölzer in Gestalt einer Kugel oder eines Zylinders mit einem Loch in der Richtung der Längsachse, um laufendes Gut zu leiten. Man unterscheidet Wantklote und Rackklote; letztere (nach Dabovich, Naut.-techn. Wörterb.) italienisch bertoccio per trozze (Pater, paternostro); französisch pomme de racage, englisch parrel-truck; erstere italienisch conduttore di manovra (Mandola), französisch margouillet, englisch bull's eye, shroud truck. Die Erklärung ist in dem Begriff Kugel gegeben. Klot heißt in Ostfriesland die Kugel die bei dem berühmten „Klotschießen‟ (einem Werfspiel das im Winter wenn die Graften zugefroren sind mit Leidenschaft als Wettspiel zwischen Dorf und Dorf betrieben wird); heißt niederdeutsch überhaupt Kugel (und Hode), Ball, Klumpen, Kloß; mittelhochdeutsch kloz, Klumpen, Ball; es ist demnach unser hochdeutsches Kloß, entsprechend dem französischen pomme, Apfel; oder auch unser Klotz.
Klumpblock, der, unterscheidet sich von einem gewöhnlichen einscheibigen Block durch den geringeren Scheibendurchmesser und die kürzere, gedrungenere Gestalt, hat also seinen Namen von Klumpen, wie auch der dicke, wenig zierliche Holzschuh der Ostfriesen und Holländer klump oder klumpe heißt.
Klüse, die. Die Klüsen sind zwei Löcher an jeder Seite des Vorstevens durch die das Ankertau oder jetzt vielmehr die Kette fährt; mit Blei oder Kupfer ausgefüttert, damit das Wasser nicht zwischen die Inhölzer laufe. — Es lag nahe, diese beiden Löcher mit zwei Nasenlöchern oder auch zwei Augen zu vergleichen, und dieser Vergleich ist denn auch in ausgiebiger Weise gemacht worden, namentlich in wenig vornehmer Rede, manchmal in recht vulgärer Art, so daß das Wort Klüse einen etwas knotigen Beigeschmack empfangen hat, ähnlich wie Panse, („ich haue Dir eins in die Klüsen‟). Klüse ist die niederdeutsche Form für Klause, althochdeutsch clusa, mittelhochdeutsch kluse = einsamer, abgeschlossener, (clusum von cludere, clausum von claudere) enger Raum (eines Einsiedlers, Klausners): abgeschlossener Behälter, Gebirgspaß, Engpaß, („durch diese hohle Gasse muß er kommen‟). Dieser letztere Begriff hat das Wort bei den Seeleuten in Aufnahme gebracht. Es kommt auch, wie (1702) im Niederländischen dafür die Form kluisgaaten bezeugt ist, die Verbindung klusgat = Klüsenloch vor, was aber ein tautologischer und volksetymologischer Verdeutlichungsversuch ist.
Knagge, die, auch der („ich schneide mir einen tüchtigen Knaggen Brot ab‟) Dick und Kretschmer, Seemannschaft I 444: „Mitunter hat das Ruder noch eine Einrichtung, welche den Zweck hat, besonders beim Rückwärtsgang des Schiffes den Maximalausschlag des Ruders zu begrenzen. Zu dem Ende ist an jeder Seite des Ruders, etwa etwas höher als die obere Wasserlinie, ein eiserner oder metallener Knaggen oder Ansatz angebracht, der sich bei ganz hart gelegtem Ruder gegen den Steven legt und so ein weiteres Drehen des Ruders über den Maximalwinkel hinaus verhindert.‟ Das niederdeutsche Knagge, auch Knag, bedeutet dickes, unförmliches Stück, Brocken, Klumpen, Knorren, harter Ast im Holze, Baumstumpf, Wurzelstock; dann weiter Leiste, Zapfen, Pflock, hölzerner Wirbel.
Knecht, der. Die Knechte sind aufwärts stehende Hölzer bei den Masten mit Querstücken an ihren oberen Enden und drehbaren Scheiben für die Führung schweren laufenden Gutes. In den Querstücken stecken die Nägel zum Belegen der durch die Scheibe geholten Enden. Das Wort Knecht ist nach dem Muster von „Stiefelknecht‟, „stummer Diener‟ etc. gebraucht.
Kneifsteck, der, ist ein Stek, der den Vorteil hat, leicht gelöst werden zu können; er ist nämlich so eingesteckt, daß das Ende, wenn Kraft darauf kommt, bekniffen ist; hört aber die Kraft auf, so kann man das bisher bekniffene Ende bequem herausziehen und den ganzen Stek leicht lösen; und selbst wenn Kraft darauf steht kann das bekniffene Ende ohne große Mühe dem Zustande des Bekniffenseins entzogen werden. „Bekniffen‟ sein in übertragenem Sinne ist ein wenig angenehmes Gefühl, nämlich eine Art von moralischem Katzenjammer, eine Lähmung und Hinderung fröhlicher Tatkraft in Folge eines gemachten Fehlers. — Weil ein Kneifsteck, sobald man an dem bekniffenen Ende zieht, aufgeht, „schlippt‟, so heißt er auch (s. d.) Schlippsteck.