Knickstag, das, ist ein Sicherheitsstag, das in Tätigkeit zu treten hat, wenn das eigentliche Stag gebrochen ist. Es heißt darum auch wohl im Deutschen wie in den anderen Seemannssprachen der Nordsee Borgstag. Es ist also ein Reservestag, das seinen Namen vom niederdeutschen knick hat = Bruch, Sprung, Riß, weil es, wenn das betreffende Stag knickt, d. h. bricht — ein Tau „reißt‟ nie, es „bricht‟ in der Seemannssprache — als Knickstag an seine Stelle tritt.

Knoten, der. 1. s. splissen und knoten. 2. s. Log. „das Schiff segelt sechs Knoten‟, d. h. es segelt sechs Seemeilen in der Stunde. Die Meilen entsprechen den in bestimmten Entfernungen von einander befindlichen Knoten der beim Loggen abrollenden Logleine. Ein Schiff fährt so viele Seemeilen in der Stunde als Knoten der abrollenden Logleine in der Zeit eines ablaufenden Logglases (Sanduhr) gezählt werden.

knoten s. splissen und knoten.

kockpit, die. „An apartment under the lower gun-deck of a ship of war, ordinarily forming quarters for junior officers (and in action devoted to the surgeon and his assistents and patients).‟ Eigentlich der Kampfplatz für einen Hahnenkampf. Da nun „junior officers‟ manchmal etwas Kampfhahnartiges an sich haben, namentlich wenn sie allzulange zusammen an Bord desselben Schiffes bleiben, so hat man ihren Raum nach jener Arena genannt, wie man auch denselben Namen gegeben hat, „to the room in Westminster in which her majesty's privy-council hold their sittings‟; es wird zwar behauptet, der Name käme, „from its having been the side of what was formerly the cock-pit belonging to the palace of Whitehall‟ ... aber wenn das wahr ist, so wird es doch höchstens die äussere Veranlassung gewesen sein, der innere Grund für die dauernde Herrschaft des Namens liegt wohl tiefer. — Der Name ist für einen entsprechenden Raum wohl auch auf deutschen Kriegsschiffen gehört worden, vor 20 — 30 Jahren häufiger wie heute.

Kofferdamm, der, und Korkdamm sind neumodische Wörter für neumodische Dinge, nämlich für bei der Panzerung notwendig gewordene Vorsichtsmaßregeln gegen Überflutungen durch über das Panzerdeck tretende Wassermassen. Sie haben also beide den Zweck eines Dammes, der eine in Gestalt von kofferartigen wasserdichten Zellen, der andere gleicht diesem in Gestalt, doch sind die Zellen mit Kork, Cellulose, Pflanzenmark oder dergl. angefüllt. Wenn ein Schuß durch ein eisernes oder stählernes Schiff geht, so ist das für das Schiff, und wie sich neuerdings vor Taku herausgestellt hat, auch für die Mannschaft gefährlich. Durch den Kork etc. etc. soll dann wenigstens bewirkt werden, daß das Loch sich einigermaßen wieder zuzieht, wie früher beim Holzschiffbau, zu dessen Zeiten manchmal ein Schiff ungezählte Schüsse bekam ohne zu sinken.

Kogge, die, war das altfriesische Seeschiff von breiter und plumper Bauart, vorne und hinten rund und stumpf zulaufend, das nachher, etwas verbessert, in der Geschichte der Hanse eine große Bedeutung gewonnen hat. Die Koggen waren sowohl Handels- als Kriegsschiffe und werden in der friesischen Geschichte zur Zeit der Kreuzzüge oft erwähnt, da die Friesen in diesen Schiffen die Fahrt nach Palästina machten. Von der letzten, recht unglücklichen, die 1269 unter König Ludwig dem Heiligen unternommen wurde, erzählt Klopp, Ostfriesische Geschichte, I 136: „Also wurden wieder in allen Kirchen die eisenbeschlagenen Blöcke errichtet und Reiche und Arme brachten ihre Beisteuern dar. Aber durch die Erfahrung der früheren Züge konnten viele Fehler vermieden werden. Den Weibern ward die Teilnahme am Zuge völlig untersagt, damit die auf früheren Fahrten häufig vorgekommenen Ärgernisse das Mal unterblieben. Es wurde eingeschärft, daß nur diejenigen am Zuge Teil nehmen möchten, die sich mit Lebensmitteln genügend selbst versorgen könnten. Deshalb sollte jeder einzelne Pilger mindestens mitnehmen: sieben Mark Sterling, ferner ausreichende Kleidung, Waffen, sechs Fäßchen Butter, einen Schinken, eine und eine halbe Rindsseite oder zwei Scheffel Mehl. Am Freitage nach Ostern 1269 war alles bereit. Die Schiffe wurden von den Priestern geweiht und gesegnet und dann stiegen die Pilger andächtig hinein, viele von ihnen mit Blutschulden beladen, die sie durch tapfere Taten an den Türken zu sühnen gedachten. Aber bei Borkum wurden sie durch niedrigen Wind drei Wochen lang aufgehalten. Man zählte in Allem aus Friesland 50 Koggen ... Der König Ludwig war schon vorausgesegelt und kämpfte in Afrika. Dort vereinigten sich die Friesen mit seinem Heere, vollbrachten mit demselben wackere Taten und starben durch die Anstrengung und die Einwirkungen des ungewohnten warmen Klimas haufenweise dahin. Nach dem Tode des Königs schwand die Aussicht auf Erfolg. Zwar segelten die Friesen weiter nach dem gelobten Lande, aber nur, um nach Darbringung reichlicher Beisteuern von da aus wieder heimzukehren. Auf der Rückkehr trennten sie sich, wurden hierhin und dorthin verschlagen, geplündert und beraubt und wenige gelangten nach vielen ausgestandenen Drangsalen arm und entblößt ins Vaterland wieder heim‟; doch wohl kaum ohne etwas von der Seemannssprache des Mittelmeeres mitgebracht zu haben. Man hat oft verwundert gefragt, wie denn schon so früh ein arabisches, griechisches, lateinisches Seemannswort solle ins Niederdeutsche gekommen sein. Die rege Beteiligung der Friesen an den Kreuzzügen mag einen der Wege andeuten. — Die älteste Erwähnung einer Kogge finde ich in einer, bei Friedländer, Ostfries. Urkundenbuch I. 12, abgedruckten Urkunde des Königs (Heinrichs III.) von England, d. d. Bedford, 13. Juli 1224: „Mandatum est maiori et vicecomitibus Londonensibus, quod, non obstante mandato domini regis eis facto de navibus arestandis, cogam Lamberti de Brema et cogam Bracheri de Amethis apud Londonum arestatas occasione predicta permittant sine inpedimento ad partes suas abire‟. In den Urkunden, Recessen und Schraen aus der Hansazeit kommt das Wort unzählige Male vor, da es die damals gangbare Art von Schiffen bezeichnet, auch Kriegsschiffen. Der Name oorlogschip ist aber niederländisch. Die Hansa nannte ihre Kriegsschiffe Friedeschiffe, vredekoggen, weil sie eben als Kriegsschiffe für den Frieden und die „Befriedigung‟ des Handels zu sorgen hatten. Nach Hirsch, Handels- und Gewerbsgeschichte Danzigs 263, wird unter Kogge das Seeschiff im Gegensatz zum Flußschiff verstanden und sind holk, krever, barse und schute nur verschiedene Arten von Koggen. Doch sind bekanntlich dergleichen Schiffsnamen schwer auseinander zu halten; ihrer viele sind auch, weil die Formen und Größenverhältnisse zu unbestimmt sind, schwer zu bestimmten „Typen‟ zusammen zu bringen, wie denn z. B. in folgender Urkunde vom Jahre 1368 aus Lübeck schute doch nur ein Beiboot zu einer Kogge ist. „de stede ... schollen vthmaken teyn cogghen ghemanned mit ghuden wepeneren, dat is tho vorstande hunderd wapende man in enen giwelken kogghen onde tho giwelken koggen schollen wesen een schute onde een snykke.‟ — Auch im Altnordischen kommt das Wort schon früh vor, doch bemerkt Müllenhoff, daß es nur von hanseatischen, sächsischen Seeschiffen gebraucht wird; was also auf südlichen, romanischen Ursprung schließen läßt, so daß vielleicht grade die Kogge durch die erwähnten Kreuzzüge, in Gemeinschaft mit französischen Schiffen unternommen, das Wort in Aufnahme gebracht haben: altfranzösisch coque (neufranzösisch coche), spanisch, italienisch coca, cocca, vom lateinischen concha, Muschelschale, muschelartiges, muschelförmiges Gefäß, dann überhaupt Gefäß. Daher auch italienisch cocchio, Personenwagen, unsere Kutsche.

Kohlenbunker s. Bunker.

Kohlenstander s. Stander und Kohlenwippe.

Kohlenwippe, die. Dick und Kretschmer, Seemannschaft 1. 314: „An einem Strecktau aus Stahldraht, welches je nach der Takelage oder der sonstigen Einrichtung des Schiffes zwischen den Unterrahen, den Ladebäumen, den Bootsdavits oder zwischen besonders vorgesehenen und im Bedarfsfalle aufzubringenden Spieren ausgeholt wird, werden in passenden und nach der Lage der Kohlenlöcher oder Kohlenpforten berechneten Abständen einfache Jollentaue angenäht, deren Läufer an dem einen Ende mit Haken versehen sind und deren holende Parten durch auf Deck befestigte Leitblöcke geschoren werden. In die Haken werden die gefüllten Kohlenkörbe gehängt, die holenden Parten werden entweder durch Menschenkraft oder durch Maschinenkraft durchgeholt. Die Jollentaue führen speziell den Namen „Kohlenwippen‟, während das Strecktau auch mit dem Namen „Kohlenstander‟? bezeichnet wird.‟ — Diese Bezeichnungen müssen als treffend anerkannt werden, denn das Strecktau steht zwar nicht, woran man gewöhnlich bei Stehen denkt, „auf und nieder,‟ sondern horizontal, aber es ist doch ein stehendes, festes, möglichst unbewegliches Tau; das Jollentau aber muß wegen der Ortsveränderung, die mit dem Korbe voll Kohlen vor sich zu gehen hat, eine wippende d. h. schaukelnde Bewegung machen; wippen niederdeutsch: auf- und niederschweben machen, in's Schwingen und Schweben bringen; auch sich selbst schwingen, tanzen, hüpfen. Althochdeutsch wifan = winden; gothisch veipan, umwinden; Wurzel wip, winden.

Koje, die. Im Sprachgebrauch der Kriegsmarine nur Bett, niemals Kammer, wiewohl es mit Kabine, Kambüse und Kajüte verwandt ist. Die bei Erklärung dieser Worte angeführte Stammsilbe kab heißt niederdeutsch nicht nur kave, sondern auch kove und kowe. Da damit immer nur ein sehr bescheidener Raum bezeichnet wurde so lag es nahe, dem kowe die Diminutivendung je anzuhängen; bei der Aussprache fiel dann das w von selbst aus und Koje war gebildet. Derselbe Vorgang wäre anzunehmen, wenn man etwa das Wort vom lateinischen cuba, Schlafgemach, ableiten wollte. Das wäre nur noch etwas umständlicher und weitläufiger; und warum in die Ferne schweifen? Beachtenswert ist, daß schon zu Kilians Zeiten Koje nicht Kammer sondern Bett hieß. „Koye int schip: cubile nauticum, lectulus nautae.‟ — Eine einfache hölzerne Bettstelle, wie sie an Bord gebraucht wird, führte früher den Namen Setkoje, Setzkoje, weil sie — im Gegensatz zu fest eingebauten Kojen — beweglich ist und von einem Ort an den anderen gesetzt werden kann. Zwei von dieser Art haben dem Verfasser der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ im J. 1647 das Leben gerettet (s. Schönfahrsegel und Luv am Ende): „Mir war auch unter dem Wasser nicht allzuwol zu muthe, so, daß ich bald wieder oben kann, fühlete auch indem neue Krafft, und kam eine See die hub mich auff, so, daß ich biß unter die Arme aus dem Wasser kam, mir lieff auch kein Wasser über das Haupt wie zuvor geschehen, so, daß ich etwas von mir sehen konte, ward auch indem zwo Setkoyen oder kleine Betsteten, so man auff Schiffen gebrauchet gewahr, die von der See alsobald zu mir geworfen worden, also legte ich auff jeder Koje einen Arm und hing so in der Mitte, biß die Türken kamen und holten mich aus dem Wasser.‟