Koker, der. Bei hölzernen Schiffen wird der Ruderhals, bei eisernen die Ruderspindel in einem Umbau wasserdicht in das Schiffsinnere eingeführt, in der Regel indem an der Spindel eine Stopfbuchse angebracht wird. Diese Einführung, also die Hülle um die Spindel, heißt Koker. Das ist dasselbe Wort wie das ebenso gebräuchliche niederdeutsche kaker = Köcher, Gehäuse, Büchse, Futteral, Behälter, Röhre, Rinne. Verwandt mit Kogge, und Kachel und concha, von einer Grundbedeutung „umschließen,‟ und noch in verschiedenen anderen Verwendungen an Bord, immer aber mit dem Begriff „Umschließendes‟ — Köcher — gebraucht.

Kolderstock, der, eine veraltete Rudervorrichtung, nämlich ein vertikaler Handgriff an der (horizontalen) Ruderpinne, durch das Koldergat, bezw. die Kolderluke nach oben führend. Hildebrand in Grimms Wörterbuch V 1612 hat von Chyträus, M. Kramer und Adelung das Wort übernommen und trotz der Veraltung beibehalten; er meint für Weiteres sei zuerst die allgemeine Bedeutung zu ermitteln. Nun haben bei vielen Benennungen die Geräusche, die die benannten Sachen machen den Ausschlag gegeben. Ich nehme daher an, daß Kolder nach dem Geräusch genannt ist, das durch das Steuern mit dem Kolderstock notwendig verursacht werden muß. Der Stock fährt nämlich der leichteren Beweglichkeit halber durch eine hölzerne Rolle, „Nuß‟ genannt, die sich mit ihm hin und her bewegt. Das kann nicht ohne das eigentümliche kullernde, kollernde Geräusch vor sich gehen, das sich allemal hören läßt wenn Holz auf Holz gerollt wird. So wäre also an kollern zu denken. Nun ist aber aus Holder Holler geworden; warum soll nicht auch aus Koller Kolder werden können? Zumal wenn vielleicht einem hochdeutschen Munde Koller nicht vornehm genug war? Man denke an die scherzhafte Bildung Klopfstock für Klopstock. Auf dem Wege vom Niederdeutschen ins Hochdeutsche haben viele Seemannswörter ähnliche Verdunkelung erfahren, vergl. löschen, Pferd, Maifeld.

Kofferkessel, s. Kessel.

Kolk, der. Grimm, V. 1613. hat viererlei Bedeutung für Kolk: 1. Erdloch, das von Wasser ausgespült oder ausgerissen worden ist. 2. Als Cisterne, Grube mit Wasser, braucht es selbst Luther einmal in der Bibel III. Mose XI. 36. 3. Strudel im fließenden Wasser. 4. Doch die ursprüngliche Bedeutung scheint einfach Erdgrube, Grube überhaupt. — Darnach wäre das Wort eine Weiterbildung des Stammes kul in Kuhle = Loch. Hildebrand weist aber für die unter 1. angegebene Bedeutung selbst auf kolken hin, gleich klucken, kluckern, klangmalend und „strudeln, gurgeln‟ bedeutend, ein dumpfes rollendes Geräusch machen, wie wenn Wasser sich mit Gewalt durch eine enge Bahn bricht. Kolk in der ersten Bedeutung, und nur mit dieser haben es Seeleute zu tun, ist aber, nach Dornkaat, „ein Loch oder eine Vertiefung in der Erde, welches beim Durchbruch oder Riß eines Deiches durch das mit Gewalt einströmende und die Erde herauswühlende Seewasser entsteht (wie z. B. 1825 bei der großen Sturmflut der über hundert Fuß tiefe Kolk bei dem Dorfe Larrelt, oder der Larrelter Kolk)‟. Allerdings ist auch an der Wasserkante Kolk ebenfalls ein mit dem Spaten ausgegrabenes Loch, aber es ist doch anzunehmen, daß die durch kolkendes Wasser entstandenen Kolke eher waren als die von Menschenhand. Denken wir daran, daß der Kolkrabe seinen Namen jedenfalls vom Ton hat, den er von sich gibt, und daß im übertragenen Sinne „kolken‟, „dazwischen kolken‟ doch auch nur „krächzen wie ein Kolkrabe‟ bedeutet, so gewinnt für Kolk unter 1, die Lautmalerei sehr an Wahrscheinlichkeit, und es mögen 2, 3 und 4 Bedeutungserweiterungen bezw. — Verschiebungen sein, vielleicht vom Gedanken an Kuhle beeinflußt. Für die Ableitung von kolken = gurgeln spricht in Sonderheit die Bedeutung unter 3., Strudel, dessen Geräusch gurgelnd ist.

Kommodore, der. „1. An officer, generally a captain, holding a temporary commission with a rank between that of captain and admiral, who commands a ship or detachment of ships in the absence of an admiral. 2. A title given by courtesy to the senior captain when three or more ships of war are cruising in Company. 3. The senior captain of a line of merchant vessels. 4. The President of a yachting club. 5. The convoy or leading ship in a fleet of merchantmen, which carries a light in her top to conduct the other ships.‟ Bei uns zeitweilig nur im Sinne von No. 1 in Gebrauch. Vom spanischen comendador.

Kompagnie, die. Der unter diesem Namen bekannte Truppenverband der Armee und der Marine am Lande heißt an Bord Division; nicht zu verwechseln mit anderen, größeren Verbänden dieses Namens. Kompagnie ist ähnlich gebildet wie Kamerad (von Kammer) oder Geselle (von Saal), nämlich von panis und cum; die Leute von einer und derselben Kompagnie sind also Kumpane zusammen, Leute die mit einander gemeinschaftlich ihr Brot essen; daher auch Kumpanie und mit komisch-lateinischer Endung in alten Studentenliedern Kumpaneia.

Kompass, der. Das bekannte Werkzeug zur genauen Bestimmung der Himmelsrichtung. Daß ein so wichtiges Stück der Seemannschaft im Laufe der Jahrhunderte vielerlei Verbesserungen erfahren hat, läßt sich denken. Es gibt gar verschiedene Arten von Kompassen. Hierher gehört nur das Sprachliche. Dieffenbach, „Celtica‟, sucht mit großem Aufwand von Gelehrsamkeit zu beweisen, das Wort komme aus dem Keltischen, und zwar aus dem kymrischen Ast, nämlich von der Wurzel kam, kamp, Krümmung, davon comminus, Weg auf dem man umkehrt und so eine Krümmung macht; Schritt, Weg, Felge am Rad. Das ist doch weit hergeholt. Viel näher liegt und viel einfacher ist auf das Lateinische zurückzugehen, wie denn das Wort doch auf den ersten Blick dahin zurückweist, compassus = com-passus wurde auf dem Wege ins Altfranzösische schon im Provençalischen zu compas = gleicher Schritt, (Mitschritt); daher, wie auch im Spanischen, Takt, Versmaß, Maß und Werkzeug zum Messen. Wie nahe lag es da im Nautischen das wichtigste Maßwerkzeug, als es in den seemännischen Gebrauch kam, einfach schlechthin das Werkzeug zu nennen; der hat dann solches Übergewicht erlangt, daß es nur in dieser einen Bedeutung ins Deutsche (und viele andere Sprachen) überging. Das Italienische nennt zwar den Kompaß selbst bussola, (und demgemäß liest man in älteren deutschen Schriftstellern das Wort wohl auch einmal), aber es hat doch compasso für Zirkel als Meßinstrument, und es wäre kein Schade gewesen, wenn es die Weiterbildung dieses Wortes, die die Franzosen vornahmen mitgemacht hätte, denn Kompaß gibt doch eine viel sinngemäßere Bezeichnung ab als bussola, das nichts weiter als eine Büchse bedeutet, oder vielmehr ein Büchschen, lateinisch buxula von buxus, der Buchs, die Büchse; Arzneigefäß aus Buchsbaum. Der Begriff des Messens liegt so sehr in Kompaß, daß man lange Zeit im 16. Jahrhundert eine Vorrichtung zum Messen der Zeit, ein solarium, horologium, ein Sonnawer — Sonnenuhr — einen Kompaß nannte; noch Schönsleder 1618 hat compasz oder Sonnenuhrlin.

Kontre-Admiral, der. Was eigentlich unter diesem Dienstgrade ursprünglich zu verstehen war als das Wort noch keinen titelhaften Dienstgrad, sondern eine vorübergehende „Funktion‟ anzeigte, erhellt aus einer Verbindung der englischen mit der holländischen Bezeichnung, Rear Admiral und Schout by nacht. Rear ist die Nachhut, der Teil des Geschwaders which is behind the rest; Rear Admiral also der Befehlshaber der Nachhut. Unter Umständen war er auch der Stellvertreter des Flotten-Admirals. Während dieser nämlich am Tage von dem Vize-Admiral sich vertreten ließ, vertrat ihn des Nachts der Schulze bei Nacht, der Kontre- oder Gegenadmiral, wie man zu sagen pflegt „mein Gegenpart‟, oder „ein Gegenstück.‟ Aubin, 1702: Contre-Amiral. C'est un Officier qui commande l'arriére garde, ou la derniére division d'une armée navale. Cette charge n'est qu'une simple qualité en France, car il n'y a point de Contre-Amiral fixe: il ne subsiste que pendant un armement considérable, ou les Officiers Généraux sont emploïez. Dans ces occasions le plus ancien des Chefs d'escadre porte le pavillon de Contre-amiral, qui est blanc, de figure quarrée et qui s'arbore à l'artimon. Mais en Hollande la qualité de schout-by-nagt est fixe comme les autres; aussi les fonctions de cet Oficier ne sontelles pas les mêmes en tout, que celles d'un Contre-amiral. Cependant comme elles en aprochent plus que des fonctions d'aucun autre Oficier en rang, on ne peut traduire plus convenablement le terme de Contre-amiral en Hollandois, que par celui de Schout-by-nagt. „Le Contre-amiral, ou Schout-by-nagt, est le troisiême Oficier des armees navales. Ses principales fonctions sont avoir l'oeil, pendant la nuit, à-ce-que tous les vaisseux gardent leur rang en naviguant, afin-qu'ils ne s'abordent pas, et qu'il n'y ait point de confusion; et c'est à lui de dénoncer ceux qui ne font pas leur devoir à cet égard.‟ — Über die verschiedenen Befehlshaber lesen wir im „Durchläuchtigsten Seehelden‟ (1631): „Im Jahre 1585 ward Drak mit einer Flotte von fünff und zwantzig Segeln, und 2300. so Soldaten, als Boots-Leuten ausgesandt, und gieng den 22. Septembris von Pleymouth in die See, sein General-Stadthalter war Christoph Carlile; Antonius Pocoel sein Sergeant-Major. Capitain Mattheus Morgan, und John Samschon Corporale zu Felde. Die Land-capitaine waren ... Capitain Martin Forbischer, der gleichfalls seiner gethanen Reisen halber berühmt, war Vice-Admiral in der Primerose, capitain Franciscus Knolles war Rere-Admiral oder Schultz bey der Nacht, in dem Gallion Leicester.‟ Im Jahre 1607 setzten die Hochmögenden Herren Staaten den Jakob von Heemskerck zum Admiral und sandten ihn mit einer Flotte aus, „den schlaffenden Geist der Spanier aufzuwecken.‟. „Diese Schiffe fuhren den 25. Martii auß dem Texel, und kamen den 27. an bey der Insul Wiht, allda sie vier Schiffe auß Seeland, unter den Capitainen Laurentz Jacobs Alceras, als Vice-Admiral, auf dem rothen Löwen, Martinus Hollart, Cornelius Faes, und Peter Cales antraffen, dessen letztern Schiff an den Grund gesegelt und geblieben war, aber die Gereitschafft und Vorrath samt dem Volck (außgenommen eylff Boots-Gesellen und fünff Soldaten, die zuerst mit dem Boot davon fahren wollen, und ertrunken) seyn auf die andern Schiff übergenommen worden. Von Rotterdam waren auch unter der Wiht ankommen, Capitain Lambert Hendricks, sonsten der schöne Lambert, Schaut bei Nacht, mit dem Schiffe der Tiger.‟ — In der Kaiserlichen Marine ist Kontre-Admiral jetzt ein Dienstgrad, „une qualité fixe‟, den ein im Range eines Generalmajors stehender Flaggoffizier bekleidet, einerlei was für einen Dienst er tut, einerlei auch, ob er ihn an Bord oder am Lande tut.

Kontrebande, die. Zahllos sind die deutschen Wörter, die mit dem fremden Kontre verbunden sind. Kontrebande bedeutet eine Ladung oder Waren, die zu laden und zu führen verboten ist, die geführt wird contra bando, d. h. gegen öffentliches, gesetzlich verkündetes Verbot. Das bando ist deutscher Herkunft, mit Bann verwandt, vergl. abandonnieren.

Kopfschlag, der. Wenn man mit mehreren Schlägen um eine Klampe, oder einen Knecht oder sonstwie ein Tau belegt, so heißt der oberste Schlag, der so gelegt ist, daß er sich selbst bekneift und nicht aufgehen kann, Kopfschlag. Soll eine Spier getaut oder aufgehißt werden, so nimmt man, nachdem man um sie einen Zimmer- oder Balkenstek gelegt hat, mit der Bucht der Jolle noch einen Kopfschlag; Kopf bedeutet hier also etwas das über einem anderen ist.