Korrespondentreeder, der. Wenn mehrere Kauf- oder Geldleute zusammen einen Reedereivertrag machen, gemeinschaftlich ein Schiff zu befrachten, so führt einer von ihnen die Geschäfte mit dem Kapitän und anderen in Betracht kommenden Personen. Weil das mancherlei Schreibwerk mit sich bringt, so heißt dieser eine, der Geschäftsführer und bevollmächtigter Vertreter der andern ist, Korrespondentreeder.

Korsar, der, der Seeräuber. Das lateinische cursus = der Lauf, die schnelle Bewegung zu Pferde, zu Wagen u. s. w., die Fahrt, Reise, der Weg, insbesondere zu Schiffe = der Kurs, heißt spanisch corsa. Dieser Form entsprechen das italienische corsare und corsale, spanisch corsario, cosario, provençalisch corsare, französisch corsaire, mittellateinisch corsarius. In der eigentlichen Bedeutung des Wortes liegt also nichts Seeräuberisches; das ist erst im Mittelalter hinzugekommen, doch wohl weil die Seeräuber ihren corsa besonders schneidig verfolgen mußten.

Korvette, die. Ein neuerdings amtlich auf den Aussterbe-Etat gesetzter Name für ein größeres Kriegsschiff, der lange im Gebrauch der Marine war; man unterschied „Glattdeckskorvetten‟ mit den Kanonen an Deck und „Gedeckte Korvetten‟ die ein Deck mehr, das sogen. Batteriedeck, besaßen. Der Name stammt aus dem Lateinischen, wie schon Weigand richtig erkannt hat: „1721 die Courvette, aus lat. corbita = Lastschiff, von lat. corbis = Korb.‟ Offenbar hat ein Lastschiff bei den Römern eine etwas plumpe korbartige Gestalt, vielleicht war es sogar ursprünglich eine Art wirklichen Korbgeflechtes. In No. 28, Jahrgang 1895 der Wochenschrift „Nach dem Dienst‟ befindet sich ein Bild, „Schiffe auf dem Euphrat‟, das uns die Herkunft von Korvette aus Korb deutlich vor die Augen stellt. Diese Schiffe sind wirklich nichts weiter als Körbe. Im Texte heißt es: „Die innerasiatischen Völkerschaften hassen nichts mehr als Änderung und Fortschritt, und auch die unter das Joch der Türken gekommenen Völker Kleinasiens zeigen denselben Charakterzug. Haus- und Feldgeräte sind noch von derselben urwüchsigen Form, welche nach den Erzählungen der Bibel und der alten Schriftsteller vor 3000 Jahren üblich war. Über den Euphrat führen fast keine Brücken; aber man bläst einfach die abgezogenen Felle von Ziegen auf, bindet sie zusammen, legt eine geflochtene Matte darüber, und das Schiff ist fertig. Ähnlich sind die Frachtkähne, welche wir auf unserm Bilde sehen. Sie sind von starkem Schilf geflochten und in ihrer Form dem Kürbis nachgebildet. Sie haben zwar eine große Tragfähigkeit, sind aber sehr schwer lenkbar, da sie sich zu leicht um sich selber drehen; auch sind sie fast nur stromabwärts zu benutzen und müssen stromaufwärts leer gezogen werden.‟ — Ein geflochtener, oben offener, kürbisförmiger Korb verglichen mit unserem „Fürst Bismarck‟ zeigt uns einen bewundernswerten Fortschritt der Schiffsbaukunst. — Corbita wurde im Spanischen zu corbeta, im Portugiesischen corveta, französisch corvette, früher courvette; so bei Aubin 1702, welcher schreibt: „C'est une espéce de barque longue, qui n'a qu'un mât et un petit trinquet et qui va à voile et à rames. Les Courvettes sont frequentés à Calais et à Dunquerque. D'ordinaire on en tient à la suite d'une armée navale pour aller à la découverte et pour porter des nouvelles.‟ Korvette war also vor 200 Jahren zwar bereits Kriegsschiff, hatte es aber damals noch nicht weiter als bis zum Aviso gebracht. — Der Name Korvette ist in der deutschen Marine abgeschafft und durch „Kreuzer‟ ersetzt; die Rangstufe eines Majors der Armee nennt man noch immer mit dem Worte Korvettenkapitän.

Krabben fangen wird scherzweise gesagt, wenn ein mit anderen zusammen im Takte rudernder Matrose einen Streich, „Pull‟ genannt, ausläßt, indem er mit dem Riemen nicht tief genug ins Wasser kommt, so daß, wenn er nun anzieht, das Wasser keinen Widerstand bietet und der Ruderer rückwärts zu fallen droht.

Kragen, der.

1. Des Mastes, ist ein Stück Presenning oder geteerten Segeltuches, das, wie ein Kragen um den Hals, um den Fuß des Mastes gelegt wird, da wo er durch das Deck geht, damit an dieser Stelle kein Wasser in das Schiff eindringt.

2. Des Stags, ist ein Stropp oder ein Auge mit dem der unterste Teil eines Stags befestigt wird; auch dieser Stropp, dieses Auge, wird wie ein Kragen umgelegt, z. B. der Kragen des Fockstags um das Bugspriet.

Von einem solchen Stagkragen ist in der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, Lübeck 1673, zu lesen: ... begegnete mir ein grosser Nordwesten Sturm, so daß ich mit kleinen Segeln mußte bey halten: weil nun das Gewitter länger anhielte, ward das Wasser deswegen sehr holl, so daß das Schiff dadurch sehr arbeitet, könte auch bißweilen nichtes mehr dann ein Siegel führen, biß endlich daß Bochspret die Vorsteve loß machte, es war aber ein Stück, so daroben war aufgesetzet und biß an die Klüsen hinunter lieff (also nicht der eigentliche Steven, sondern das Gallion); Weil es aber Nacht war, und wir kein Mohnschein hatten, auch sobald kein Mittel finden konten, daß wir es fäst machten, so waren wir entschlossen daß Bockspret weg zu hauen; Ging derowegen mit dem Zimmermann vor auff die Pflicht (der zweite Teil jener „Beschriving‟ ist hochdeutsch; im ersten Teile, der „in unser Saxsischen Sprack‟ geschrieben ist, würde das Wort Plicht gelautet haben; es sagt der Verfasser aber ausdrücklich: „Ick heb mi nicht gebunden an de Wörde und Nahmen, offt se wor nicht recht na dem Saxsischen luden; Sundern mi reguleret nor de Manner, alß idt by unsen Seefahrenden wert gespracken, up dat idt desto besser van ehm kan verstahn werden‟), und hielt mich mit der einen Hand an den grossen Kragen vons Stag, mit der andern Hand den Zimmermann, daß er das Bochspret weghauen sollte; Indem kam eine See und nahm das Bockspret gantz mit sampt der Steve und Pflicht, welche unter drey Balcken hatte, und war die Focke-Mast darein gefüget mit Bretter und allem Uberbort: Ich und der Zimmermann wurden zu unserm Glücke inwerts geworffen, kamen hinters Both zu liegen, daß Bochspret aber schlug mit dem vor Ende hinterwerts, und holete die Focken-Mast mit daß Focken Stach hinten über, so daß das Focken Spar ins Raum brechen mußte, also mußten wir die Mast auch weghauen. Daß grosse Stach aber, weil es auff die Vorsteve fäst war, und dieselbe nun abgebrochen, so kam dasselbe Stach auch loß zu liegen, kontens auch in der finstern Nacht so bald nicht wieder fäst bekommen, also fiel die grosse Mast auch über Bort.‟

Krahn, der, eine Hebevorrichtung für schwere Lasten. Man unterscheidet feste Krähne, am Lande, und schwimmende oder Schwimmkrähne, die längsseit eines Schiffes fahren und Lasten an oder von Bord geben. — Dasselbe Wort wie Kranich, weil nach Beinen, Hals und Schnabel dieses Tieres ursprünglich der Krahn hergestellt worden ist. So schon im Griechischen: geranos = Kranich und Hebezeug; vergl. Bock, Widder. An Bord der Schiffe gibt es Krahnbalken zum Heben von Lasten, Ankern etc. Krahnbalksweise steht etwas, das steht wie ein Krahnbalken, nicht grade von vorn, nicht grade von der Seite, sondern zwischen beiden Richtungen. Französisch (1702) gruan. Dasselbe Wort bedeutet auch Grütze, aliment ordinaire parmi les Hollandois qui en font leur potages sur les vaisseaux et qui même en quelque vaisseaux en servent jusqu' à vingt et une fois par semaine. Nach Diefenbach heißt in den keltischen Sprachen garan der Kranich, der „Langbeinige.‟

Kraier, der, ein Ostseeschiff mit Pfahltakelage (s. Polacker). In Ostfriesland heißt kreier, kreuer, kroier, krojer eine Art von Schlitten, die auf dem Watt gebraucht werden um die gefangenen Fische aus den Reusen zu holen; sie werden auf dem glatten Schlick des Watts von einem Mann, der krei-jager genannt wird, geschoben, und sind also die eigentlichen „Schlickrutscher‟. Das ostfriesische Zeitwort kroien, krojen bedeutet schieben, wegschieben, verschieben, nach dem Winde drehen, umdrehen, versetzen; niederländisch kruijen, in einem Schiebkarren schieben, treiben, in Fluß und Bewegung kommen, namentlich von Eisschollen, mittelniederdeutsch kruijen und kroden; westfriesisch krodjen schwer tragen, ziehen, schleppen. In kroier ist also ein d ausgefallen, und erst dieser Schwund hat, wie öfters im Niederdeutschen, das i oder j bedingt. Demnach entspricht das Wort einem der neuhochdeutschen Schriftsprache abhanden gekommenen mittelhochdeutschen krod, das nach Grimm V 2412 Mühe, Belästigung bedeutet. Die Mühe ist eben ein Ziehen, ein Schieben, ein Schleppen von Lasten. Ein Kraier ist also ein Lastenschieber, Lastenschlepper, kurz ein Lastschiff. — Die Kraier sind indessen nicht ausschließliche Eigentümlichkeit der Ostsee, man kannte sie schon im Mittelalter in Holland, vergl. das unter Krawelboot angeführte holländische Citat über Hoorn.