Krampe, die, seemännisch nur weiblich, ein Eisen in der Form eines U, aber mit zugespitzten Enden, das in irgend ein Holz geschlagen wird um etwas daran befestigen zu können. Wegen der gekrümmten Gestalt verwandt mit Krampf, dem krankhaften Sichkrümmen der Glieder; Ablaut zu krimpfen, niederdeutsch krimpen, intrans, sich krumm zusammenziehen, wenn man Leibschmerzen hat, wenn man friert, vom Hunde, wenn er seine Notdurft verrichtet. Vergl. krimpen.
krängen. Wenn das Schiff sich unter dem Einfluß von Wind, Wellen oder hart gelegtem Ruder auf die Seite neigt, so sagt man: es krängt. Die Größe der Krängung wird in Graden des Winkels angegeben, den das Deck mit dem Wasserspiegel bildet. „Wir krängten‟, (d. h. das Schiff auf dem wir uns befanden krängte:) „25°‟. — Krängt ein Schiff einmal nach der einen und dann nach der andern Seite so nennt man das: es schlingert. — Wegen der „krank‟-haften Bewegung ist das Wort zu krank zu stellen. Die erste und ursprüngliche Bedeutung ist nach Hildebrand (Grimm V 2024) am deutlichsten in dem waidmännischen „krank‟ = verwundet zu finden, weil verwundete Tiere sich krümmen, sich hin und her winden, sich von einer Seite auf die andere werfen. Dem entspricht das im Beowulf vorkommende cringan = fallen im Kampfe, niederstürzen mit der sich windenden Bewegung eines zu Tode Getroffenen. — Früher hieß krank auch krang, so daß die Abstammung des Wortes krängen von krank noch deutlicher in die Augen springt. Es heißt also: sich hin und her werfen wie ein Kranker oder Verwundeter. Im Nordfriesischen ist diese alte Bedeutung von krank noch zu erkennen in krenge = zu Falle bringen. Im Westfriesischen dagegen ist die Bedeutung verallgemeinert; omkrengen heißt da mit dem Wagen umdrehen, zur Seite fahren, ausweichen.
Krawelboot, das, ist von der Lage der Planken zu einander genannt, die seine Bordwand bilden. Es hat nur eine Plankenlage (im Gegensatz zum Diagonalboot) und die Planken stoßen stumpf aufeinander. Sie sind also wie die Schiffsplanken neben einander befestigt und wie diese auch gedichtet oder kalfatert. Krawel ist Versetzung (Metathesis) von Karwel. Wie das englische carve zunächst nicht einschneiden oder ausschneiden, sondern nur schneiden bedeutet, so bedeutet das niederdeutsche karfe, karve nicht bloß „Kerbe‟, sondern auch Schnitt, Abschnitt, Stück; umkarf ein Stück Brot ums ganze Brot herumgeschnitten. Das Schneiden, Abschneiden ist also ausschlaggebend, und zwar nicht nur weil die einzelnen Planken besonders sorgfältig geschnitten, gut auf einander passend geschnitten werden müssen; man darf gewiß auch daran denken, daß die beiden Planken „miteinander abschneiden‟ im Sinne von: „aufeinander oder aneinander genau passen.‟ — Niederländisch karvielwerk; darunter versteht Roeding (1794) „alle Hölzer und Planken, die nicht klinkerweise über einander liegen, sondern mit ihren Kanten dicht an einander schließen.‟ — Die ersten Spuren des Karvielwerks führen nach Hoorn in Holland (nach dem auch das Kap Hoorn den Namen hat) D. Delius in seiner Beschreibung von Hoorn: „In't jaer 1460 werden hier de eerste Carviel-schepen gemaeckt, daar men te vooren niet hadde dan Hulken, Razeilen en kraiers, en die altemal gewracht Crap-schuits wijze met de planken op malkander.‟
kreuzen. Eigentlich (= to cross) durch etwas ein Kreuz machen, durchkreuzen, ausstreichen, zu nichte machen. Im Seemännischen heißt es zunächst: sich aufkreuzen, wegen ungünstigen Windes, bei dem man nicht Kurs steuern kann, so kreuzen, daß man so hoch beim Winde segelt und segelnd hin- und herfährt, daß bei jedem Schlage, bei jedem Hin und bei jedem Her etwas von der eigentlichen Kursrichtung gewonnen wird und so das Schiff, wenn auch recht langsam, doch zu seinem Ziele kommt. Es mag der Gedanke zu Grunde liegen, daß auf diese Weise der eigentliche Kurs immer wieder gekreuzt wird, so daß jeder Schlag mit ihm ein Kreuz bildet; vielleicht hat auch die Redensart „kreuz und quer‟ mitgespielt; gleichbedeutend mit laviren. — Sodann heißt kreuzen auch: sich längere Zeit auf einer und derselben Stelle, an derselben Küste, in demselben Meere, auf derselben Station sich aufhalten und hin- und herfahren um die Flagge zu zeigen und die Interessen seines Landes und seiner Angehörigen wahrzunehmen; im Kriege einen Hafen, eine Küste blockieren, feindliche Schiffe kapern etc. etc. Dabei ist an „Sichaufkreuzen‟ nicht gedacht, sondern nur an das Hin- und Herfahren. Daher der Name „Kreuzer‟ für Schiffe die den angegebenen Zwecken dienen, sich aber von dem „Aufkreuzen‟ immer weiter entfernen, da sie immer mehr auf die Dampfkraft gestellt werden, der man vor fünfzig Jahren, zur Zeit der „Deutschen Flotte‟, noch so wenig für Kriegszwecke zutraute.
Kreuzknoten, der. Im Grunde genommen ist jeder Knoten ein Kreuzknoten, da überhaupt nicht anders als übers Kreuz geknotet werden kann. Ein Kreuzknoten ist aber im Besonderen ein doppelter Ueberhandsknoten; man legt zuerst die beiden Tampen kreuzweise übereinander und nimmt dann den oberen Tampen über den unteren durch: das ist ein Ueberhandsknoten; tut man dasselbe noch einmal und zwar so, daß nachher die Tampen und Buchten neben einander liegen, so ist das ein Kreuzknoten.
Kreuzmast, der, ist bei Vollschiffen der hinterste der drei Masten. Auf spanischen und anderen Schiffen (katholischer Völker) war am Kreuzmast oder in seiner Nähe ein Kruzifix oder ein Kreuz so angebracht, daß es vom Deck aus, namentlich vom Achterdeck aus zu sehen war. Wer auf das Achterdeck kam bezeugte diesem religiösen Symbol seine Achtung indem er es grüßte. Die Sitte dieses Grußes hatte sich so eingebürgert, daß, als, zuerst bei den Protestanten, hernach auch bei den Katholiken, das Kreuz nicht mehr angebracht wurde, der Gruß doch blieb, er wurde nun aus alter Gewohnheit dem nach dem Kreuze genannten Kreuzmast dargebracht. Noch heute grüßen alte Seeoffiziere jedesmal, so oft sie das Achterdeck betreten, nach dem Kreuzmast hin, auch wenn kein Mensch um den Weg ist, dem der Gruß gelten könnte. — Alles was zum Kreuzmast gehört wird als Sammelbegriff auch Kreuztop, genannt. Und die einzelnen Teile werden zur Unterscheidung von denen des Groß- oder des Vortops durch Vorsetzen von Kreuz- bezeichnet. In Grimms Wörterbuch fehlt Kreuzmast. Dafür ist ein Wort aufgenommen, das es nicht gibt: Kreuzraa. Es gibt am Kreuzmast eine Bagienrahe, eine Kreuzmars-, Kreuzbram- und Kreuzoberbram-Rahe, aber keine Kreuzrahe. Und wenn man auch die Bagienrahe Kreuzrahe nennen wollte, etwa nach dem Vorgang von Groß- und Fockrahe, so ist doch die Erklärung, die Hildebrand dem Kampe entnommen hat, keine oder noch weniger als eine Erklärung: „Kreuzraa, auf Schiffen eine Art Raa‟; der Kreuzmast hat keine besondere Art von Rahen, er hat Rahen, wie andere Rahen auch sind, nur daß sie eben am Kreuz- und nicht am Groß-, oder Fockmast festgemacht sind.
Kriegsschiff, das. Ursprünglich war es im niederdeutschen Sprachgebrauch ein solches, das bestimmt war, Frieden und Sicherheit auf dem Meere zu schaffen und dem unerlaubten Nahrungszweig der Seeräuber zu wehren. Sie hießen daher nicht Kriegsschiffe, sondern vredeschepe. Lübecker Chronik: „De rad van Lubeck makede uth vredeschepe up de se tighen de Prusen, wente de nemen wat se krighen konden‟. — Althochdeutsch herikocho, eine Heer-Kogge, eine Kogge, die ein (kleines) „Heer‟ von Kriegsleuten führte. Mittelhochdeutsch herschif. Mittelniederdeutsch orlogschepe; orlog, orloge, orlage, orlege, orloch, orlech, orlich, orlinch hieß Krieg; altsächsisch urlag, althochdeutsch urlac, nicht etwa exlex, sondern Bestimmung, Schicksal, höhere Entscheidung, Gerichtskampf vor Gott. Lübecker Chronik: „scepe de to dem orleg vte weren.‟ — Niederländisch oorlogschip. Englisch man-of-war, eigentlich Kriegsmann, aber mit so ausschließlicher Bedeutung von Kriegschiff, daß ein Kriegsschiffsmatrose genannt wird „a man-of-war's-man.‟
krimpen heißt das Sichdrehen des Windes oder, wie der Seemann sagt, das Herumgehen des Windes, besonders in unwillkommener Richtung und außerdem manchmal mit der Nebenbedeutung des Sichdrehens gegen die Sonne, was alte Seeleute als ein Zeichen kommenden Sturmes ansehen. Krumpen ist das niederdeutsche Zeitwort für das hochdeutsche krümmen, winden, einziehen, zusammenziehen, althochdeutsch krimpfen, mittelhochdeutsch krimpfen; davon das in Ostfriesland gebräuchliche krimper = Geburtswehe. — Die Angabe Hildebrands in Grimms Wörterbuch V 2312 „der Wind krimpt (ein), wird schwächer, schrumpft ein gleichsam‟, muß auf einem Mißverständnis beruhen, da beim Krimpen der Wind nicht schwächer sondern nur schraler wird, ja er wird dabei eher stärker. An sich heißt also jede Windrichtungsänderung krimpen, besonders aber diejenige, bei der man den gewünschten Kurs nicht mehr steuern kann und die schlechtes Wetter erwarten läßt; eine Änderung auf die der besonders achten muß, dem sie besonders bedeutsam und wichtig sein muß wegen der zu treffenden Vorsichtsmaßregeln. Ehrentraut, Fries. Archiv II. 72: „Wenn der Wind nördlich ist und dann westlich wird und dann wieder nördlich, dann sagt der Schiffer: „de win krimpet oder es krumpen. Darauf folgt leicht ein Sturm.‟ Und Röding bemerkt zu krimpen: „der Wind läuft gegen die Sonne rund, welches gewöhnlich schlechtes Wetter mit sich bringt.‟ Französisch: „se ranger contre le soleil.‟ — Man weiß, was man von dergleichen Meteorologie zu halten hat.
Kronlin, die, (Kronleine) nennt man auf Wangerooge und sonst an der Nordseeküste „das Tau womit das Hauptsegel aufgezogen wird.‟ Krone hat hier die Bedeutung von Kopf, Spitze, Oberstes, wie in Baumkrone oder dem Ausdruck: „es ist ihm etwas in die Krone gestiegen‟; in Ostfriesland heißt eine Garnwinde, die auf einer aufrechtstehenden Stange läuft, Garnkrone. Um den angegebenen Zweck zu erfüllen muß das Tau durch einen Block an der Krone, am obersten Teil des Mastes der das Segel trägt fahren. Doch kann man es auch so erklären, daß diese Leine die „Haupt‟-Leine bedeuten soll, wie man von einem „Haupt und Kronenstück‟ als etwas besonders Wichtigem redet.
Krulle, die, ist das Schneckenhaus- oder lockenförmige Auslaufen des Gallions, oder vielmehr des Vorstevens in einer Verzierung, die man bei jonischen Säulenkapitellen voluta nennt, wegen des in sich selbst Zurückkehrens, volvere. Eine krulle heißt niederdeutsch ein gekrümmtes Etwas, Ringel, Locke, Schnörkel, geringelter Hobelspan, Schnecke; dergleichen Verzierungen können wenn sie künstlerisch ausgeführt sind, dem Bug ein sehr gefälliges Ansehen geben.