Leguan, der, ein dicker bekleideter, beschmarteter, betakelter Kranz von Tauwerk, ein Stropp von besonderer Art, den man an besonders gefährdeten Stellen der Takelage zur Sicherung oder Schonung anlegt. So legte man zur Zeit der Segelschiffahrt vor dem Gefecht einen Leguan um Mast und Rahe, die beiden zusammenzuhalten wenn etwa Rack, Fall oder Toppnant zerschossen würden. Auch zur Verhütung des Schamfilens von stehendem Gut durch laufendes legte man wohl einen Leguan an, und oben um den etwas vorragenden Vorsteven eines Bootes kann man ihn heute noch gelegt sehen zur Milderung des Stoßes und Verhinderung von Schaden beim Anlegen. Wie kommt dieser Stropp zu dem Namen der großen Eidechse Iguana, iguana tuberculata, die auf deutsch Leguan heißt, jenes freundlichen und nützlichen, zum Fangen von Fliegen als Haustier gehaltenen munteren Tieres, das jedem Seemann bekannt ist, der einmal an den Küsten des tropischen Amerika weilte? Die Bezeichnung war offenbar zuerst scherzhaft. Der Stropp war ein Legan, weil er angelegt ward; weil das aber so sehr ähnlich wie Leguan klang, so lag für einen scherzhaft angelegten Seemann eine absichtliche Verwechslung nahe und die ist dann zur stehenden Bezeichnung geworden; also ähnlich wie ammer zu ammeral und Admiral wurde, so daß jetzt ein Eimer den Namen „Admiral‟ führt. Doch hat sich neben Leguan auch die ursprüngliche Form Legan bis auf diesen Tag erhalten, ja sie scheint sogar Leguan wieder etwas in den Hintergrund gedrängt zu haben.
Leibknoten, der, ist ein Knoten, der nicht zuschliert, dessen Auge also stets offen bleibt, auch wenn Kraft darauf wirkt. Er wird besonders dazu verwandt, einen Menschen in die Höhe zu winden, der sich mit seinem Leibe in das offene Auge gesetzt hat. Leibknoten können auf verschiedene Weisen gesteckt werden, doch bleibt stets das Auge für den Leib eines Menschen offen.
Leichtmatrose, s. Jungmann.
Leichter, der, auch Leichterfahrzeug, ein kleines Schiff, das einem größeren die Ladung teilweise abnimmt, damit es nicht mehr so viel Tiefgang hat und in einen seichten Hafen einsegeln kann. Man hört und liest manchmal auch Lichter und Lichterfahrzeug, doch ist diese Form geeignet Verwechslungen herbeizuführen, s. Anker lichten, und daher ist, wiewohl lichten die richtige niederdeutsche Form für leichter machen ist, doch Leichter vorzuziehen. Das Mittelniederdeutsche sagte luchteschute. 1368: „Vortmer moghen si hebben eghene prame unde luchteschuten‟. 1369 ... „und geven van dem prame ene mark vnd van der luchteschuten ene halve mark, darmede mogen se up unde ut schepen.‟ Ein luchteschute war also kleiner als ein prame.
Leine, die. Eine der zahlreichen Bezeichnungen die der Seemann für das Erzeugnis des Reepschlägers oder Seilers anwendet. Roeding sagt: „Dünne Taue von verschiedener Dicke, die zu mannigfaltigem Gebrauch auf Schiffen dienen.‟ — Altfriesisch lina, neuniederdeutsch lin, angelsächsisch line. Kommt vom lateinischen linum, das nicht nur Lein, Flachs bedeutet, sondern auch alles was daraus hergestellt wird: Faden, Schnur, Leinwand, Linnen, Segel, Netz, Seil, Tau. — In übertragenem Sinne, da die Leine als Leitseil diente, directorium, disciplina, also ein sittlicher Begriff. — Auch unser Lineal stammt von linus, von der Leine mit der die Zimmerleute sich auf das zu behauende Holz eine Linie — daher der Name — ziehen (daher die ganze Wendung „Linien ziehen‟), indem sie die geschwärzte Leine anziehen und dann auf das Holz schnellen lassen, wo es abfärbt. — Von den vielen Linien, die man auf Kartenblätter zog um die Grade zu bezeichnen war Eine so die Hauptlinie, daß man sie schlechthin „die Linie‟ nannte (Äquator.) Wer diese zum ersten Male passiert, muß sich gefallen lassen, daß allerlei „Hänselei‟ (von Hansa, denn wer in eine solche eintrat mußte allerlei über sich ergehen lassen) mit ihm getrieben wird; Linientaufe. Die Hauptsache dabei ist das (Unter-)Tauchen. Da taufen und tauchen ein und dasselbe Wort ist, so ist der Name treffend (s. Schiffstaufe.)
Leitblock, der, ist ein Block, der den Zweck hat, das durch ihn fahrende Tau in eine andere Richtung zu leiten. Es kommt z. B. ein Läufer in senkrechter Richtung zur Verwendung, geholt soll er aber in wagrechter Richtung werden; dann muß ein Leitblock die senkrechte in die wagerechte Richtung überleiten.
Leiter, der, ein ganz anderes Wort als die von lehnen stammende Leiter, die an die Wand etc. gelehnt wird zum Steigen, nämlich ein Tau an dem etwas geführt, von dem etwas geleitet wird, also ein schönes, kurzes Wort für Leitseil. Bei Stagsegeln etc. laufen sie, wie Roeding es passend vergleicht, wie eine Gardinenstange auf der sich die Lägel als Ringe bewegen.
Leiwagen, der. Es ist ein t ausgefallen, das Wort heißt eigentlich Leitwagen, wie Dabovich es auch schreibt und schon Roeding gekannt hat. Es ist ja auch ein Leiwagen eine Vorrichtung auf der die Ruderpinne hin und her geleitet wird. Bei -wagen ist aber nicht an einen wirklichen Wagen zu denken, sondern an das niederdeutsche wege, welches zwar dasselbe Wort wie Wagen, Wage und Wiege ist, aber noch allgemeiner den Begriff des Bewegens darstellt: ein Gerät zum Hin- und Herbewegen. Nun ist zwar Leiwagen kein Gerät, sondern eine am Deck befestigte Vorrichtung, auf der sich die Pinne bewegt, aber er trägt seinen Namen doch mit Recht, denn er dient dazu, die Bewegung der Pinne zu leiten. Und auch wo der Leiwagen nicht für die Pinne, sondern für eine Schot bestimmt ist, dient er doch demselben Zwecke: die Bewegung der Schot zu leiten. — Das Wort wird öfters auch Leuwagen geschrieben, diese Form gebührt aber einem ganz anderen Dinge, s. Leuwagen.
lenz, als Adjektivum und Adverbium in häufigem Gebrauch; es bedeutet leer. Das Bremer Wörterbuch sagt: lens = trocken, da keine Nässe mehr ist. De Pumpe geit lens: die Pumpe will nicht mehr ziehen, kein Wasser mehr geben (weil keins mehr da ist); de kann is lens: die Kanne ist ausgetrunken. Enen lens maken, einen so lange beschmausen, bis das Getränk alle ist. Niederländisch lens = zonder vocht. Mit dem Lenz, der Frühling bedeutet und seinen Namen vom Längerwerden der Tage hat, hat dieses lenz nichts zu tun, es soll vielmehr mit dem lateinischen lentus zusammenhängen. Dieses hat aber dreierlei Bedeutungen, von denen sich jeder die ihm einleuchtende aussuchen kann: 1. die von „erschöpft‟. 2. langsam, träge (so wie das Letzte aus einem Gefäß ausfließt). 3. zäh, klebrig, (so wie das Unterste bei vielen Flüssigkeiten zu sein pflegt). So recht will keine von den dreien, will überhaupt das ganze lentus nicht einleuchten, aber noch ist nichts Besseres gefunden. Übertragen: „ich bin lenz‟, ich habe kein Geld mehr.
lenzen. 1. vollständig leer und trocken machen, den Inhalt eines Fasses, einer Cisterne, eines Brunnens, einer Kanne, einer Flasche, eines Tänks, der Bilge erschöpfen; übertragen: jemanden ausplündern bei Spiel. 2. vor einem Sturme fahren, so daß der Sturm das Schiff mit nur wenigen und kleinen Segeln oder auch ganz ohne solche („vor Top und Takel‟) vor sich hertreibt. — Die Erklärung wird etwas erschwert dadurch, daß manchmal ohne Berechtigung und ohne Verständnis für den eigentlichen Hergang lenzen einfach mit „vor dem Winde segeln‟ gleichgesetzt wird. Die Wahrheit ist die, daß lenzen einen Sturm voraussetzt, der so stark ist, daß ein Segel nach dem andern weggenommen werden muß. Nun haben wir unter „lenz‟ gesehen, daß es leer bedeutet; lenzen also heißt leeren, zunächst von Flüssigkeiten; es kann aber auch im übertragenen Sinne gebraucht werden und in ganz allgemeiner Bedeutung von leeren; und so werden wir es hier anzusehen haben: die Rahen, den Mast, die Takelage leer machen von Segeln, so daß das Schiff schließlich nicht nur keine vollen Segel, sondern überhaupt keine Segel mehr führt. Von dem transitiven Gebrauch zum intransitiven war nur ein Schritt, und die Bedeutungsentwicklung von: „die Segel entfernen‟ bis zu: „das Schiff lenzt‟ lag nahe. Daß „lenzen‟ einen Sturm voraussetzt, beweist auch die Bezeichnung Lenzsack; den führt ein Rettungsboot im Inventar und gebraucht ihn bei hohem Seegang. Bei Dick und Kretschmer (II. 315) ist er anschaulich beschrieben: „ein trichterförmiger Sack aus starkem Segeltuch, dient dazu, das Boot der Länge nach vor der See zu halten und damit zu steuern, wenn durch hohe See das Hinterteil des Bootes so gehoben wird, daß Steuerriemen oder Steuerruder aus dem Wasser kommen. Hätte man dann keinen Lenzsack, so würde das Boot von der See quer geworfen und übergerollt werden. Der Lenzsack wird, mit der Öffnung nach vorn, an einem starken Tau geschleppt, während eine dünne Leine an dem spitzen Ende befestigt ist. Da beim Schleppen die Mündung nach vorn ist, so füllt sich der Sack mit Wasser, leistet einen beträchtlichen Widerstand und hält dadurch das Boot vor der See. Wirft man das stärkere Tau an der Mündung los und holt die dünne Leine an dem spitzen Ende ein, so wird der Sack umgekehrt, klappt zusammen und kann mit leichter Mühe ins Boot geholt werden.‟