Leutnant zur See. So sehr man auch versucht hat das Wort Leutnant als deutsches in Anspruch zu nehmen, so wird es doch bei der französischen Abstammung sein Bewenden haben müssen. Es ist sonst an ambacht, Ambt, Amt gedacht worden, weil das Volk in manchen Gegenden Leutnamt sagt, als ob ein Leutnant ein Mann wäre der ein Amt über Leute hätte. Allerdings findet sich schon ums Jahr 1500 die Form Leutenamt und so hieß das Wort auch während des 30jährigen Krieges, aber das sind höchstens Versuche, das Wort mundgerecht zu machen und dem Deutschen anzubequemen. Die ältesten Spuren führen nach Frankreich, wo das Wort schon im 15. Jahrhundert im Gebrauch war, bestehend aus lieu und tenant und ursprünglich demgemäß für eine Statthalterwürde gebraucht. „Des Königs Lieutenant‟ ist der Mann, der „anstatt‟ des Königs das Kommando führt. — Noch vor Kurzem bedeutete Lieutenant zur See den jetzigen Oberleutnant zur See, der jetzige Leutnant zur See aber mußte sich mit Unterlieutenant zur See begnügen.
Leuchtturm, s. Blüse.
Leuwagen, der, ist ein Stock mit einer Bürste daran zum Waschen des Schiffes, ein Schrubber. In diesem Worte ist nicht wie bei Leiwagen ein t ausgefallen, denn hier wird keine Bewegung geleitet. Allerdings deutet das -wagen auch eine Bewegung an, aber man wird annehmen dürfen, daß das Geschäft des Schiff- bezw. Deckwaschens als ein wenig angenehmes nicht gerade mit besonders fleißigen Bewegungen geschah und geschieht. Leu heißt aber im Niederdeutschen faul, träge, unlustig zur Arbeit, insonderheit wird es auch von einem Menschen gebraucht, der faul in seinen Bewegungen ist; also auch einen, der sich nicht gern bückt. Ein solcher mag den Stiel an der Bürste erfunden haben, die ursprünglich sicher ohne ein solchen gebraucht wurde, also beschwerliches Bücken erforderte. Ganz peinliche und reinliche Hausfrauen halten heute noch darauf, daß ihre Dienstmädchen die Arbeit der Stubenreinigung nicht im Stehen abmachen. Ihnen mag die Anbringung eines Stabes an den Scheuerbürsten als eine „faule‟ Sache erschienen sein, so daß sie das Arbeiten mit dem ihnen unlieben Instrument als eine „leue Bewegung‟ zu brandmarken versuchen. Es hat sich aber doch Bahn gebrochen.
levendig, werden die Segel gebraßt, wenn der Wind sie so fassen soll, daß sie killen, d. h. sich bewegen, nicht tot und steif stehen wie ein Brett, sondern flattern wie ein lebendiges Wesen. Lebendig ist Weiterbildung des Participiums lebend, und levendig ist niederdeutsche Form dafür. So weit wäre die Sache richtig. Aber es wird nicht, lebendig entsprechend, levéndig, sondern lévendig ausgesprochen. Doch hieß lebéndig früher auch lébendig, der Ton lag also auf der Stammsilbe, was im 17. Jahrhundert noch vorkommt, bei Gryphius: „Man hat ein zartes Kind noch lebendig geschunden.‟ „Das dauert landschaftlich in vielen Gegenden von Deutschland noch jetzt, die Rückung des Tones auf lebéndig ist aber auch schon im 14. Jahrhundert nachzuweisen‟ (Heyne).
„Do he en sag liggen also,
Ward he wedder unfro
Darumme, dat Brûn noch levendig was.‟
Reinke de Fos.
Wegen der Betonung weist Kluge auf Holunder hin, dem es ebenso wie lebendig gegangen ist.
lichten ist besonders in der Verbindung „Anker lichten‟ bekannt. Es ist von lichten = leicht machen, gänzlich verschieden, denn es heißt eigentlich lüften, nicht im Sinne von „frische Luft in eine Stube lassen‟, sondern von „in die Luft erheben‟. Man hört auch hie und da — in Stade z. B. — Anker lüften. Die niederdeutsche Form ist aber liften; englisch lift. Im Niederdeutschen nun, und je mehr es nach dem Niederländischen zugeht, desto leichter wird f in ch umgewandelt: gracht für Graft, kracht für Kraft, lucht für Luft etc. So hat sich auch liften in lichten verschoben.