Liderung, die, im Maschinenwesen ein Verschluß, ein Verschließen oder Verpacken irgend einer Öffnung, die man dicht haben will. Es ist das niederdeutsche Wort lid = Deckel, Verschluß, Tür, und dasselbe wie Lid in Augenlid, Altsächsisch hlidan, angelsächsisch hlidan, altenglisch hliden = bedecken, schließen; altfriesisch hlidia. — Von lid auch das Zeitwort lidern, schließen, verpacken.
Lieger, der, ist ein Mann von der Brabank, der auf einem nicht in Dienst befindlichen, auf der Werft liegenden Kriegsschiffe wohnt, d. h. nicht bloß am Tage da weilt, sondern auch nachts da schläft (liegt). Er hat das Schiff in Bezug auf Feuer etc. zu bewachen, für richtigen Verschluß aller Räume zu sorgen. Früher war ein Lieger ein ganz anderer Mann, nämlich wie Hirsch, Danzig, S. 227 berichtet, ein dispositionsfähiger Handlungsgehilfe im Unterschied von nichtdispositionsfähigen Handlungsknechten. — Lieger heißt auch das Bauchstück der Bodenwrange.
Lik, Liek, das. Das Tau, mit dem ein Segel eingefaßt ist. Bei einem Rahsegel unterscheidet man viererlei Lieke: Das Rahliek oben, das Unterliek und die beiden stehenden Lieke rechts und links. — Unser deutsches Wort „gleich‟ bestand ursprünglich aus der Vorsilbe ga und lika. Lika heißt Körper. Unser „Leiche‟ hatte nämlich noch im Mittelhochdeutschen nicht die Bedeutung „toter Leib‟ sondern galt auch für den lebendigen Leib, für die Körpergestalt, (so wie stinken früher eine vox media war und auch von Rosen und Veilchen und der köstlichen Nardensalbe der Maria zu Bethanien gesagt wurde). Wir sprechen aber täglich unzählige Male ahnungslos das Wort aus in dem Suffix = lich; männlich ist einer der die Gestalt, Form und Art eines Mannes hat; königlich ist einer der die Haltung und Gestaltung eines Königs besitzt, gleich einem Könige ist. Im Niederländischen und überhaupt im Niederdeutschen hat sich g nicht eingebürgert, da hält man sich mit der Vorsilbe auch in ihrer abgekürzten Gestalt nicht auf, sondern sagt liek, wie denn in Ostfriesland in früheren Zeiten eine politische Partei liekedeler hießen, Gleichteiler. — In der Bedeutung Gestalt hat sich dieses Wort allein im Seemännischen erhalten, denn unser Liek ist ja das Tau, das die Umrisse der Gestalt des Segels genau darstellt. Eine beachtungswerte Verwendung hat unser Liek im Französischen gefunden in dem Worte ralingue, aus Rahliek entstanden. Das -liek hatte man aber nicht in seinem Werte erkannt, sondern für eine Art Endung gehalten, etwa für die niederdeutsche Endung -ing, und so wurde ralingue aus einem Worte, das eigentlich ralique hätte werden müssen.
Linie = Aequator, s. Leine.
Linienschiff, das, ist das größte und stärkste Panzerschiff, ein Schlachtschiff erster Ordnung, Hochseeschlachtschiff; müßte eigentlich Schlachtlinienschiff heißen, denn es ist ein solches, das stark genug ist, in einer Seeschlacht in der Schlachtlinie zu kämpfen.
Lloyd, der. In der ganzen Welt, besonders in der seemännischen, ist dieser Name bekannt, weil ihn eine ganze Reihe großer Schiffahrtsgesellschaften tragen. Es gibt einen österreichisch-ungarischen, einen russischen, einen germanischen Lloyd, einen Lloyd francais und vor allen Dingen denken wir an den „Norddeutschen Lloyd.‟ Von Bremerhaven nach Lehe geht es erst durch die „Bürgermeister Smidt-Straße‟, dann durch die „Lloydstraße‟. Wer Bürgermeister Smidt war, das steht deutlich genug an seinem Denkmal auf dem Bremerhavener Marktplatze zu lesen. Aber wer war Lloyd? — Es gab bereits zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts in London eine Matrosenkneipe die „Lloyds coffee-house‟ hieß. Was dieser Mr. Lloyd sonst für ein Mann war wissen wir nicht, aber die Verpflegung bei ihm muß gut gewesen sein, denn es verkehrten nicht bloß Matrosen bei ihm, es fanden sich nach und nach auch Steuerleute, Schiffskapitäne, Makler, Kaufleute, Reeder bei ihm ein. Da gab denn ein Wort das andere, und weil es lauter Leute waren, die mit dem Seewesen zu tun hatten, so kann man sich denken, daß sich die Unterhaltung meist um Schiffe und Schiffahrt gedreht hat. Und besonders lag ihnen die Schiffsversicherung am Herzen. Aus diesen Besprechungszusammenkünften entstand 1716 eine Gesellschaft, die nach dem Orte ihres Beisammenseins den Namen „Lloyds‟ führte und heute noch besteht. Ihre Aufgabe ist: „The collection and diffusion of marine intelligence, the insurance, classification, and certification of vessels and the transaction of business of various kinds connected with shipping.‟ Bei der Übernahme des Wortes ins Deutsche ist das Genetiv-s in Lloyds, das man in England bis heute treu bewahrt hat, verloren gegangen. Dieses vielen schon so befremdlich vorgekommene s, oft für eine Pluralform gehalten, ist als eine Erinnerung an jenes Kaffehaus geschichtlich berechtigt.
Log, das, ein flaches Brettchen wie ein Quadrant gestaltet dessen Radius etwa 15 cm mißt; es ist eine Leine daran befestigt, die Logleine, die über eine Rolle, Logrolle, läuft. Loggen heißt mit Hilfe dieses Logs, dieser Loggvorrichtung, die Fahrt des Schiffes messen, indem man das Log ins Wasser wirft, das Logglas, eigentlich Loggglas, d. i. eine kleine Sanduhr, umdreht, die Leine eine von dem Glase angegebene bestimmte Zeit ablaufen läßt von der Rolle und dann an den Knoten der Leine abliest, wie viel Knoten das Schiff läuft, d. h. wie viele den Knoten entsprechende Seemeilen in der Stunde. — Edward Wright hat zu London 1599 ein Werk unter dem Titel: „the Haven-finding art‟ herausgegeben, in dem die erste Beschreibung, in dem auch zum ersten Male der Name Log zu finden ist. Darüber schreibt Roeding (1794): „Der Verfasser dieser Beschreibung, oder der Erfinder dieses Instrumentes ist nicht bekannt; auch findet man nicht eher wieder davon Erwähnung, als in der Beschreibung einer Reise nach Ostindien, vom Jahr 1607, welche Purchas herausgab, nach dieser Zeit aber wird in mehreren Reisebeschreibungen davon geredet, und es scheint auch von Ausländern allgemein angenommen worden zu sein; es erwähnt dessen z. E. Günter 1623, Snellius 1624, Metius 1631, Oughtred 1633, Herigone 1634, Saltonstall 1636, Norwood 1637, Fournier 1643, und fast alle neueren Schriftsteller, die von der Navigation geschrieben haben. Es ist dieses Instrument jetzt noch eben so beschaffen, als wie es erfunden wurde, ungeachtet man verschiedene Versuche gemacht hat, dasselbe zu verbessern, oder es durch andere Erfindungen ganz zu entbehren.‟ — Die Erfindung dürfte also in England gemacht sein; dahin deutet auch der Name, denn Log ist das englische log, das einfach ein Stück Holz heißt. Ursprünglich war also von der Form eines Kreisausschnittes für das Brettchen keine Rede, es war das Log überhaupt kein (weil unten beschwert aufrechtstehendes) Brettchen, sondern ein beliebiges Stück Holz an das die Leine befestigt war. — Das Loggbuch ist das Schiffstagebuch, in welches der Offizier der Wache alles Bemerkenswerte einträgt sobald die Wache vorüber ist. Die Benennung geschieht a potiore, weil die richtige Eintragung der richtig geloggten Fahrt, d. h. der während der Wache zurückgelegten Strecke, eine sehr wichtige Sache ist. In der „Beschriving von der Kunst der Seefahrt‟, Lübeck 1673 wird das ursprüngliche Stück Holz schon „ein hölzernes Schiffchen oder dreieckig Brettchen‟ genannt: „By etliken wert de wech, so dat schip aver see maket, mit ein gemarckede Lin, welckes dorch ein holten schepigen offt drehuckig bretien wert utgedreven, gefunden und affgemeten, welckes averst veel belemmeringe an sich heft und by nacht nicht wol tho dohnde ys.‟ Es ist aber trotz der Belemmerung heute auch noch nichts Besseres erfunden. — Lucas Janszoon Waghenaer im „Spiegel der Zeevaerdt‟ empfiehlt schon damals, 1588, die Einrichtung einer Art Loggbuches: „Item tis oock goet dat een Stuerman alle morghens ende auonts by gheschrifte stelle oft dve stellen, wat coursen hy ghezeyelt ende behouden heeft, op datmen daer nae inde Caerte af steecken ende ouerslaen mach, hoe de hoecken ende canalen van hem syn legghende.‟
Logger, der, englisch Lugger, und so auch öfters in neuerer Zeit bei uns, wo es dann aber nur ein offenes Boot oder kleine Jacht bedeutet mit Luggersegel, d. h. Segel das nach chinesischer Art (doch ohne die Querlatten) so angeordnet ist, daß beim Wenden und Halsen kein Dippen erforderlich ist. — Sonst war Logger ein „zum Kriege ausgerüstetes schnellsegelndes Fahrzeug‟ mit zwei Masten, sehr starkem Ausleger und einem Treiber („Brodgewinner‟). Der Ausleger ermöglichte das Führen mehrerer Stagsegel. Weil die Stagsegel nicht treibend, sondern ziehend gedacht werden, so ist als Etymon zu Logger und Lugger das Zeitwort luken, ziehen, zerren, reißen, zupfen in Betracht zu ziehen; englisch lug.
Logis, das, ist der Ort an Bord wo die Matrosen wohnen und schlafen. Bemerkenswert ist an diesem Fremdworte die Aussprache. Unsere Seeleute sprechen das s deutlich mit aus. Daran kann man merken, daß das Wort über Holland zu uns gekommen ist, wo auch in Commis und anderen französischen Wörtern das stumme s als nicht stumm angesehen wird. Auf Wangerooge ist das Logis wenn kein Raum an Deck dazu da ist ein farunner (s. d.)
Lohen, die Segel, heißt sie mit Lohe tränken um sie dichter und haltbarer zu machen; sie empfangen dadurch das bekannte braune Aussehen der Segel auf unseren Küsten- und Kanalfahrern; die Eichenrinde heißt englisch tan, to tan heißt dementsprechend gerben, aber auch braun machen, dann übertragen bräunen, von den Sonnenstrahlen, von Wind und Wetter.