Merk, das, war früher = Landmarke, wird aber jetzt nur selten noch in diesem Sinne, etwa noch in der Verbindung „das ist ein gutes Merk‟ gebraucht. Sonst ist die Bedeutung darauf zusammengeschrumpft, daß es ein Kennzeichen an irgend einer Sache ist, an dem man sich etwas merken will, etwa einen Strich oder einen Streifen bildend. „Etwas mit einem Strich oder Streifen versehen‟, das ist ja die uralte Bedeutung des unserem Mark zu Grunde liegenden Stammes, und Mark heißt zunächst nur Zeichen, dann Kennzeichen, Grenzzeichen, Grenze, davon Markgraf und marquis, spanisch marques, italienisch marchese. — Merk ist die niederdeutsche Form für Mark. Im Seebuch (1400) heißt es merk und merke. — Mark als Münze bedeutet ein bestimmt abgeschätztes und gekennzeichnetes, mit einer Marke versehenes Goldstück.
Messe, die, ist der Raum eines Schiffes, in dem die zu einer solchen Messe Vereinigten sich, besonders zum Zwecke der gemeinschaftlichen Einnahme der Mahlzeiten, zu versammeln pflegen, weshalb auch nicht nur der Raum, sondern auch die Gemeinschaft derer die darinnen heimatberechtigt sind, Messe heißt. Man spricht von einer Offiziermesse, einer Kadettenmesse, einer Deckoffiziermesse. Macht das Offizierkorps eines Schiffes Besuch, so wird eine Karte abgegeben: „Die Offiziermesse S. M. S.‟ ... Ein Mitglied der Messe wird zum Messevorstand erwählt. Nicht als ob dieser dann den Vorsitz bei Tische zu führen hätte, der steht auf Kriegsschiffen stets dem I. Offizier zu, er hat vielmehr die Verwaltung des gemeinschaftlichen Vermögens, die Beschaffung der Vorräte, überhaupt die ganze Verpflegung unter sich. Zum Essen gehört das Trinken. Daher wird ein anderes Mitglied der Messe beauftragt, die nötigen Getränke zu beschaffen und zu verwalten; das ist der Weinvorstand oder Vorstand der Weinmesse. — In den Garnisonen des Königreichs Hannover hatten die Offiziere von der Verbindung mit England her ihre Messen. Sonst ist das Wort, wie es scheint, in Deutschland auf die Seemannssprache beschränkt geblieben. — An Erklärungen fehlt es nicht. Es gibt deren eher zu viele als zu wenige.
1. Von vornherein als ausgeschlossen zu betrachten ist der Gedanke an den katholischen Cultus und seine Messe; wenigstens in Bezug auf die landläufige Deutung dieses Wortes, nach der es von dem Zuruf des Priesters an diejenigen, welche nicht berechtigt waren an dem Hauptstück des Gottesdienstes teilzunehmen: „ite, missa est concio!‟ kommen soll.
2. Weil bei Kirchmessen zahlreiche Andächtige zusammenkamen, so fanden sich auch Leute ein, die etwas zu verkaufen oder zur Schau zu stellen hatten. So entstand ein Markt, der Messe genannt ward und diesen Namen behielt als die Kirchmesse wegfiel; Frankfurter Messe, Leipziger Messe. Daß auch hiermit, trotz des „Zusammenkommens‟ der Leute, unsere Messe nichts zu tun hat, liegt auf der Hand.
3. Weit eher könnte man an Herkunft von dem lateinischen mensa, der Tisch, denken, weil die Hauptsache bei der Messe in der Tat der gemeinsame „Tisch‟ ist. Wirklich heißt im Gothischen der Tisch auch mes; man könnte auch das spanische meza zu Hilfe nehmen. Diese Deutung wäre denkbar auch für den Fall, daß die ältesten Messen gar keine Tische gehabt hätten, da das gotische mes nicht nur Tisch, sondern auch Schüssel heißt. Aber es fehlen für das Wort die Zwischenglieder vom Gotischen zum Niederdeutschen, und hier ist Messe doch ausschließlich heimisch. — Zeugnisse für die Herkunft aus dem Spanischen liegen nicht vor, im Gegenteil, das Wort ist im niederdeutschen Sprachgebiete gezeugt, ehe Spanien in Betracht kam. Überhaupt dürfen wir nicht in die Ferne schweifen, solange eine näherliegende Erklärung im Deutschen sich darbietet. Aus diesem Grunde muß auch
4. Eine Deutung aus dem Französischen beanstandet werden, nach der das Wort Messe von mets, altfranzösisch mes kommen soll. Diese beiden heißen „Gericht, Speise‟, nämlich im Sinne von „Aufgetragenes‟, (aus der Küche in den Speisesaal) „Geschicktes‟, von mitto ich schicke. Die ziemlich alte Schreibung mets für mes erklärt Dietz für eine etymologische, um das Wort an das Zeitwort mettre zu knüpfen.
5. Man könnte auch an das althochdeutsche massenie, messeni denken, welches Hofstaat, Gefolge eines Fürsten bedeutet, so daß die Messe als „Stab‟ des Kommandanten gedacht wäre. Dieses messenie kommt von mansio, die Behausung. Und sprachlich könnte Messe um so eher davon abstammen, als Meßner = Küster davon herkommt, althochdeutsch mesinari, mittelhochdeutsch messenaere, mittellateinisch mesenarius, mansionarius; es könnte sogar mansio als Behausung in Messe stecken. — Doch wir wenden uns zum germanischen Sprachgebiet.
6. Hier tritt uns zunächst ein Zeitwort entgegen, das „zusammenkommen‟ bedeutet und deswegen vielleicht in Betracht kommen könnte, weil die Messe ein Zusammenkunftsort ist. Altfriesisch meta, angelsächsisch metan, altenglisch meten, altniedersächsisch motian, englisch meet. Aber gerade der Umstand, daß dieses meet sein t unverschoben bewahrt hat und nicht zu s werden ließ, verbietet uns mess mit meet zusammenzubringen.
7. In unseren fortgeschrittenen Zeiten, in denen namentlich auch die Ernährung an Bord so viel besser geworden ist, wird in der Messe nicht jedem sein Teil zugemessen. Zu Zeiten aber, wo das Essen oft recht knapp war und wo mancher vielleicht bei dem Worte Messe an das altfriesische Zeitwort missa = entbehren zu denken geneigt war, da mag wohl ein Einteilen und Zumessen nötig gewesen sein. Man könnte daher an das althochdeutsche Zeitwort mezzan, messen, denken, angelsächsisch metan. Dann wäre Messe eines Stammes mit „Mutter‟, denn Mutter bedeutet die Abmesserin, die Zuteilerin, „die Spendende‟, neben dem Vater als dem „Beschützenden‟. In der Tat kommt dieses Wort in Betracht. Doch nicht so, daß Messe unmittelbar von messen käme, es kommt vielmehr noch ein Mittelglied in Betracht und es liegt noch ein weiter Weg dazwischen.
8. Das Essen, die Speise heißt gotisch mats, althochdeutsch maz, altniederdeutsch meti, angelsächsisch mete, altenglisch mete. (Weil das Fleisch ein so wichtiges Essen ist, so hat sich im Englischen und Niederdeutschen meat, met für eßbares Fleisch eingebürgert.) Altfriesisch mede, met, mat und meyt = Speise: Essen und Trinken. Hierzu ist zu vergleichen der altdeutsche mesiban, d. h. der Eßbann, das Speiseverbot, ein scharfes Verbot, einem Verbrecher Speise zu reichen. — In der Mainzer Beichte, einer Handschrift aus dem X. Jahrhundert in Wien, heißt es: „Ih gihun gode almahdigen unde allen godes engilon‟ ... gesündigt zu haben „in uncîdin sclâphun, uncîdin uuachun, in uncîdigimo mazze, uncîdigimo dranche‟ ... Unser neuhochdeutsches Wort Messer hieß althochdeutsch messisahs, also eigentlich „Eßschwert.‟ — Dementsprechend erhielt sich im Mittelniederdeutschen sehr lange das Wort mess für Speise. Im Lübecker Zunftrecht steht die Bestimmung: „Men schall nener hande kramgued vthsetten des sondages vnd aposteldages, vthgenahmer koken unde messwerk.‟ Doch hatte sich damals mess, dessen ursprünglicher Vokal a war, schon daneben über moes in mos, ja in mus verschoben. Letztere Form ist besonders bekannt aus der Verbindung musdel, Musteil; so nannte man den Teil an Lebensmitteln der beim Todes Mannes der Witwe zufiel; erstere in der Verbindung moshus = Speisehaus, Speisesaal. Hernach hat sich mus als breiartige Speise weite Verbreitung verschafft, und wenn unser Sammelwort Gemüse auch jetzt auf Pflanzenspeisen eingeschränkt ist, so hat es in diesem Sinnedesto unbestrittener Geltung erlangt. Natürlich ist auch Mast damit verwandt, denn Mast heißt auch nichts weiter als Speise, Futter, Fütterung, Mästung und dieses hat erst in weiterer begrifflicher Entwickelung die Bedeutung „Fettmachung‟ erhalten; wovon mästen, das heute noch in Ostfriesland messen heißt. — Vom angelsächsischen Hauptwort mete dagegen hat sich das angelsächsische Zeitwort metsian, mesan, altenglisch metsien = essen, gebildet; wobei in Betracht zu ziehen ist, daß heute noch im Englischen to mess = zusammen essen ist, so daß also der Begriff des gemeinschaftlichen Essens sich bis auf diesen Tag erhalten hat. Das ist aber ursprünglich nicht, oder doch nicht immer geschehen, denn schon im Altsächsischen hieß mesa der Speisekorb, der Futterkorb; desgleichen im Altnordischen meis. Man saß also von Alters her an Bord um Futter- oder vielmehr Speise-Behälter herum, also um „Backen‟ im ursprünglichen Sinne. Die Gemeinschaft derer die dergestalt zusammen aßen hieß „Meßgesinde‟. Das wird uns zum ersten Male durch die Freiheiten der Stadt Brügge für deutsche Kaufleute vom Jahre 1309 bezeugt: „Vord dat die vorseide coopmanne moghen hebben alrehande vitaelge ende alle maniere van dranke, die si bringhen bi der zee, ute ghesteken wyn onder hem ende hare maisniede te verteerne, binnen haren herberghen zonder assise daer of te ghevene, up dat sy 't niet vort verkopen‟. Für maisniede kommt im Flämischen auch meyssenye, messniede, maysinede vor. Das altnordische meis klingt hier deutlich durch. Der germanische Ursprung ist also unzweifelhaft, und auch dieses Wort ist im seemännischen Sinne nicht in England, sondern in den Niederlanden zuerst gebraucht worden. — Es hat eine ähnliche Bedeutungsentwicklung wie Bursche, spätmittelhochdeutsch hieß burse Geldbeutel, Börse, Kasse; dann gemeinschaftliches Wohn- und Kosthaus der Studenten, wo sie aus gemeinschaftlicher bursa lebten; dann zuletzt studentische Genossenschaft, deren einzelnes Mitglied ebenfalls Bursche genannt wurde. — Unter 7. ist gesagt worden, Messe ist mit Mutter verwandt. Das Mittelglied ist maz, Speise; dieses hieß nämlich ursprünglich ebensowenig Essen im Allgemeinen wie Fleisch im Besonderen, kommt auch wohl nicht von einem Stamme der „kochen,‟ sondern — wie Mutter — von einem der teilen, zuteilen, zumessen bedeutet, so daß maz also das (einem Menschen zum Verzehren) Zugemessene ist, woher dann Messe als der Ort wo, und die Versammlung, worin jedem Mitgliede das Seine zugeteilt wird.