Masut, das, ist Braunkohlenteeröl, das neuerdings anstatt der Kohlen vielfach zum Heizen von Schiffsdampfkesseln gebraucht wird. Die Sache stammt aus Rußland, und dementsprechend auch das Wort, das in den slavischen Sprachen „Fett‟ bedeutet, so daß also das Fettige, Oelige bei der Benennung den Ausschlag gegeben hat.

Mast, der, früher Segelbaum, Baum der die (Rahen und durch sie die) Segel trägt. Ursprünglich hieß Mast überhaupt Baum, Baumstamm, denn das angelsächsische mäst, das das älteste Zeugnis für das Vorkommen des Wortes ist, bedeutet Baumstamm; die Taube nach der Sündflut setze sich auf „treoves telgum torhtum moste‟. Es ist also anzunehmen, daß Mast im seemännischen Sinne ein Wort ist, das die Angelsachsen mit in ihre neue Heimat genommen haben. Mit ihrer Sprache war die der alten Friesen, von denen viele mit übers Meer gezogen sind, nahe verwandt, es darf daher für wahrscheinlich erklärt werden, daß auch sie das Wort Mast besaßen, und daß — schon im Althochdeutschen — von Friesland aus das althochdeutsche segilbaum durch mast wegen seiner Kürze bei den die Einsilbigkeit so sehr liebenden Seeleuten verdrängt worden ist. Segilbaum war aber ein so schönes und bezeichnendes Wort, daß es, wenigstens im Binnenlande, nie ganz außer Uebung gekommen ist; es paßte so schön zu Segelstange = Rahe, ja zu den Zeiten Piet Heyn's kam es vor, daß man für Mast selbst Segelstange sagte, was aber vielleicht Segelstänge lautete und bedeutete, also das was jetzt kurzweg Stenge heißt. „Sobald der Admiral unterdessen die Top-Flagge von seiner vorderen Segelstange wehen ließ, begaben sich die sieben Chalupen in aller eil nach den vier Schiffen‟ ... (durchl. Seehelden II. 64.) Zeitweilig war auch das pleonastische Maßbaum bei Seeleuten in Gebrauch, wie es von Nichtseeleuten heute noch gehört werden kann. Es wird Zeit, daß auch diese sich mit Mast begnügen, da es ja Baum bedeutet. Im Mittelniederländischen und Mittelniederdeutschen kam freilich öfter mastboom, mastbom vor; so nannte man sogar auch einen noch grünenden und wachsenden Baum, nämlich den zur Mast der Schweine dienlichen Baum, die Eiche; Beweis, wie jeder die Welt aus dem Gesichtswinkel seiner eigenen Angelegenheiten ansieht. — Vom Schiff aus hat sich der Mast auch über das feste Land verbreitet als Flaggenmast, Exerziermast, Signalmast. — Natürlich spielt ein so wichtiges Stück der Seemannssprache auch im übertragenen Sinne seine Rolle; man denke nur an das holländische Sprichwort: „Er kunnen geene twee grooten masten in een schip syn‟ d. h. nur einer kann im Hause das Regiment führen. — Über Mastkorb s. Mars.

Matrose, der, ein befahrener Seemann. Vordem hieß ein solcher Schiffsknecht, Schiffsknabe, Schiffskind, im Gegensatz zum Kapitän, dem Schiffer oder Schiffsherrn. Die Gesamtheit der Matrosen hieß Schiffskinder oder Schiffsvolk; ihre Kleidungsstücke und sonstigen Sachen Schiffskindergut. Das Wort Matrose ist erst im 17. Jahrhundert ins Hochdeutsche gekommen, und zwar aus dem Niederländischen; matroos hieß und heißt es da. Und dieses matroos geht wieder auf das Französische zurück, wo uns im 13. Jahrhundert die Formen mathelot, matelot, matenot begegnen. Es fragt sich aber: woher stammen diese? Und was ist die Bedeutung? — Es liegen nicht weniger als vier verschiedeneDeutungen vor.

1. Hat man an das altniederländische maatgenot, Maatgenosse gedacht; aber wenn man sich auch — zumal maatgeselle vorkommt — über die Tautologie hinwegsetzen kann, so erregt der Umstand doch Bedenken, daß weder maat für sich noch genot für sich im Französischen Aufnahme gefunden haben, die Verbindung beider kann also keinesfalls in dieser Sprache sich vollzogen haben.

2. Hat man versucht, das Wort mit Mast in Verbindung zu bringen, so daß ein Matrose als ein Mann zu denken wäre, der am Mast seine Hauptarbeit hat. Ein an sich anziehender Gedanke, aber schon Dietz hat darauf aufmerksam gemacht, daß dann im Französischen des 13. Jahrhunderts mastelot stehen müßte. Darum ist Dietz 3. auf das lateinische matta = Binsenmatte verfallen und erklärt das Wort aus mattarius, was einen Mattenmann bedeuten soll, einen der mit einem anderen auf oder unter einer Matte schläft, oder einen der sich überhaupt auf einer Matte sein Lager zurecht macht. Hier müßte vor allen Dingen der Gedanke an eine Hängematte ausgeschieden werden, die einmal gar keine Matte ist und die es überdies erst seit der Entdeckung Amerikas gibt. Die Erklärung hat dann insofern etwas Verlockendes als man annehmen könnte, das auf dem Wege vom Mittellateinischen ins Französische verloren gegangene r sei auf dem Wege vom Französischen ins Niederländische, vielleicht in Folge einer alten Erinnerung, wieder zu seinem Rechte gelangt. Ob aber das Schlafen auf einer Matte etwas dem Seemann so Eigentümliches ist, daß er davon sollte den Namen empfangen haben? Es schlafen sicher an den Küsten des Mittelmeers noch andere Leute auf Matten, wie sollte gerade der Seemann ein besonderer Mattenmensch sein?

4. Müllenhoff ist der Meinung, der alten französischen Form liege das altnordische mötunautr zu Grunde, auch matunautr. Ihm stimmt Kluge bei unter Annahme normannischer Vermittelung. Das käme dem Sinne nach auf Nr. 1 hinaus, nur daß dann die Verbindung geschehen war, ehe die Nordmänner das Wort nach Frankreich getragen haben, so daß auf diese Weise die unter 1. erwähnte Schwierigkeit beseitigt wäre. Matunautr heißt ins Niederländische übersetzt allerdings maatgenot und bedeutet, maat in seinem ursprünglichen Sinne (von gimazo) genommen, Eßgenosse; eigentlich Tischgesellschaftsgenosse. Der dreifache Ausdruck desselben Gedankens darf dabei nicht stören, ein solcher kann eintreten, wenn einer der drei nicht mehr als solcher empfunden wird oder gar, wie hier, wo das gi (= cum) von gimazo bereits geschwunden war, für das Sprachgefühl des Volkes gar nicht mehr in Betracht kommt. (So steckt z. B. auch in dem alten kymryschen Namen für Ostsee morimarusa ein dreifacher Pleonasmus, Meermeersee, wobei sa nicht als See, sondern wohl nur als Endung empfunden ward.) Matunautr ist offenbar die Form aus der matenot entstanden ist, welche Form sich, wie erwähnt, bereits im 13. Jahrhundert in matelot umgebildet hatte. Welche Einflüsse nun bei der Übernahme ins Niederländische die Verschiebung in matroos verursacht oder gefördert haben ist unschwer zu erkennen. Man hat zunächst an den Plural matelots zu denken und daran, daß die Holländer heute noch gerne das stumme Schluß-s der Franzosen mit aussprechen. So war matlos gegeben; l und r aber wechseln so häufig mit einander, daß ganze Völkerschaften gar nicht wissen, ob sie l oder r sagen. So war die Form matros, matroos ein Plural, was aber bald vergessen ward, so daß schon im Niederländischen und erst recht bei der Aufnahme ins Deutsche ein neuer Plural auf en gebildet werden konnte. — Daß aber eher vom gemeinsamen Essen der Name kommen konnte als vom gemeinsamen Schlafen, ist — trotz Kamerad und Geselle — dem nicht zweifelhaft, der bedenkt, eine wie große Rolle das Essen überhaupt im Leben — man denke an Genosse, Kumpan, Kompagnie, Maat und Messe — so auch besonders im Bordleben spielt, und der weiß, daß an Bord heute noch die Leute in Backschaften d. h. Eßgenossenschaften eingeteilt sind. So ist es unzweifelhaft, daß auch auf den Schiffen der Nordmänner die Männer in mötuneyti, in Eßgenossenschaften, besser in Genossenschaften eingeteilt waren. Ein solcher „Genosse‟ hieß matunautr, Backsgenosse, Backskamerad. — Im 17. Jahrhundert wurde zwar schon Matrose gesagt, aber daneben auch noch von Bootsleuten und Bootsgesellen in ganz gleicher Bedeutung gesprochen. Zu einer Flotte Piet Heyn's gehörte z. B. nach den „Durchläuchtigsten Seehelden‟ II. 71: „das Schiff Harlem, von zweyhundert und achtzig Lasten, mit zwey Metallinen, zwey und zwanzig eisernen, und acht Steinstücken, und achtzig Bootsleuten bemannt; das Schiff Leiden zweyhundert und dreyssig Last groß, worauf zwey Metallene und zwey und zwantzig eiserne und 8. Steinstücken und fünff und siebenzig Matrosen; der schwarze Löw, hundert und achtzig Last groß, mit vier und zwantzig Stücken Geschütz (oder Götelingen) vier Stein Stücken, und siebentzig Bootsgesellen.‟ Bemerkenswert ist, daß nach Halbertsma im Friesischen der Matrose auch siler heißt (englisch sailor). — Ein altes gutes deutsches Wort für Matrose, ja noch besser und bedeutungsvoller als dieses ist Seemann. Es deutet mehr den dauernden seemännischen (Lebens-)Beruf an. Wenn ein Binnenländer freiwillig bei der Marine eintritt und von dieser zum Kriegsdienst an Bord ausgebildet wird, so heißt er zwar auch Matrose, aber Seemann ist er darum doch noch nicht, das ist nur der, der auch in seinem Zivilverhältniß die Seefahrt als Beruf betreibt.

Maus, die. Man sollte annehmen, daß dieses Substantivum in seiner Bedeutung nahe verwandt wäre mit einem ebenfalls seemännischen Zeitwort mausen. Es gehen jedoch die Begriffe zunächst sehr weit auseinander. Eine Maus ist eine knotenförmige Verdickung eines Taus an einer Stelle, wo ein um das Tau gehendes Auge am Zuschlieren verhindert werden soll oder einer Zeising fester Halt soll verliehen werden, daß sie nicht rutschen kann; diese Maus wird auf die Kabelaring gesetzt, jene auf das obere Ende des Stags, wo das Stagauge aufzuliegen kommt. Mausen aber heißt die offene Seite eines Blocks so schließen, daß er nicht aushaken kann; es geschieht mit Kabelgarn, das mit einem Schnitt leicht wieder zu entfernen ist. — Beide Wörter haben mit Maus und mausen im hochdeutschen Sinne gar nichts zu tun, sie stellen vielmehr eine sehr irreführende hochdeutsche Verdunkelung eines sonst ganz klaren niederdeutschen Wortes dar, wobei es lehrreich ist zu sehen, wie Maus und mausen je eine besondere Seite der beiden in dem niederdeutschen Worte möten liegenden Begriffe entwickelt haben; möten heißt nämlich zunächst einfach „zusammenkommen‟, zusammentreffen, begegnen, aber es ist eine vox media, das Zusammentreffen kann im günstigen, es kann auch im ungünstigen Sinne gemeint sein und im letzteren Falle „Widerstand leisten‟, hemmen, hindern bedeuten. Und nun bedeutet das niederdeutsche Zeitwort möten — mausen — das Zusammenkommen der beiden Teile eines Hakens, das Zusammentreffen des offenen Teiles mit dem anderen Teil in der Kabelgarnzeising. Das niederdeutsche Hauptwort möte aber bedeutet Hemmung, Hinderung. Dadurch, daß ein Block gemaust wird, wird er auch gehemmt und gehindert, nämlich am Aushaken, aber deutlicher wird doch das Bild, wenn wir den Begriff „zusammenkommen, sich vereinigen‟ festhalten, zumal alle Sprache Bildersprache war. — Es ist also anzunehmen, daß die Maus ursprünglich, als das Hochdeutsche noch nicht dazwischen gekommen war, möte hieß, mausen aber möten. Daß man überhaupt auf eine „Uebersetzung‟ durch Maus kommen konnte, mag seine Erklärung, also seine Entschuldigung darin finden, daß möte altsächsisch muot, mittelhochdeutsch muot, auch muoz und moz hieß.

Meer, das. Ein gemeingermanisches Wort, dessen uns bekannte älteste Form mari ist. Es ist behauptet worden, daß es aus der indogermanischen Wurzel mar, sterben, entsprossen, also mit morior und Mord verwandt sei, weil das Meer im Gegensatz zum Festlande mit seinem reichen Leben, Grünen und Blühen als tot anzusehen ist. Nun hat man zwar in grausamem Scherz die Nordsee wohl Mordsee genannt und kennt auch ein „totes Meer‟, aber das Meer als solches ist keineswegs tot, sondern in mehr als einer Beziehung sehr lebendig. Wer je mit ihm in nähere Verbindung gekommen ist, und wie innig haben die alten Naturvölker sich mit dem Meere vertraut gemacht, der weiß auch, welch ein unendliches Leben und Weben, welch ein Sichregen und Sichbewegen, welch eine Fülle von Mannigfaltigkeit und Abwechslung das Meer bietet, das niemals dasselbe ist, nie einförmig, nie „tot.‟ Die Bezeichnung „totes Meer‟ hätte ja auch gar keinen Sinn, wenn für das Volksbewußtsein jedes Meer ein totes Meer wäre. Im Gegenteil, gerade im Lande des toten Meeres hat der Dichter des 104. Psalms gesungen: „Das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt's ohne Zahl, beide, große und kleine Tiere‟. — Wir müssen nach einem anderen Etymon suchen. Nun gibt es noch eine andere Wurzel, die zwar mit jener den gleichen Laut und die gleichen Buchstaben hat, aber einen ganz anderen Sinn: mar, glänzen, schimmern, leuchten, strahlen. Davon kommt das griechische Zeitwort marmairo, flimmern, funkeln, und Marmor, ein glänzender Stein. Nun braucht einer noch gar nicht das zauberische Meerleuchten einer Nacht im karaibischen Meere gesehen zu haben, er braucht nur einmal gegen Abend „am einsamen Fischerhause‟ gesessen und die Augen aufgetan zu haben, wie „das Meer erglänzte weit hinaus‟, so wird er nicht mehr an den Tod, sondern an das Leben, an ein reiches glänzendes Leben denken. — Man bedenke auch das andere Wort für Meer: See. Das ist doch nahe verwandt mit Seele, von derselben Wurzel su, bewegen, regen, beleben. Da haben wir das Gegenteil von Tod. Sollte das Meer einmal vom Tode, das andere Mal vom Leben den Namen empfangen haben? — Ist unsere Deutung von Meer richtig, so ist Meer mit Mähr und Mährchen verwandt; mari als etwas von der Sonne beschienenes ist nicht nur leuchtend sondern auch berühmt und bekannt; daher althochdeutsch mari, mittelhochdeutsch maere = Kunde, Bericht, Erzählung. — Der Name Margarete kommt ohnehin von Meer, denn „Perle‟ ist eigentlich Meergries, Korn des Meersandes; also ein echt seemännischer Name. — Ein namhafter Erforscher des Keltischen nahm keltischen Ursprung von Meer an. Er verglich die keltischen Ortsnamen uralter Herkunft: Morini, Amorica, Morimarusa (Ostsee), Morbihan und führte die Formen an: kymrisch, kornisch und Breizonek (Mündung der Loire) mor; gadhelisch (d. h. dem Gälischen [Hochschottischen] und Irischen gemeinsam) muir, Genetiv mara. Uns genügt das althochdeutsche meri, mere (gotisch marei, angelsächsisch mere).

Meile, die. Wenn der Seemann von Meile spricht, so meint er natürlich Seemeile, einer Gradminute entsprechend. Eigentlich bedeutet es aber 1000, nämlich 1000 Schritte, milia passuum; italienisch der miglio, Plural miglia, milia ausgesprochen; es mag eine dunkle Erinnerung an die Herkunft sein, die den Seemann veranlaßt, niemals Meile, sondern immer „Mill‟ zu sagen.

Meridian, der, oder Mittagskreis, von meridies, der Mittag, heißt am Himmel derjenige gedachte größte Kreis der Sphäre, welcher durch beide Weltpole und den Scheitelpunkt eines bestimmten Ortes geht.