Manöver, das, eigentlich Handwerk, Handarbeit, französisch manoevre, italienisch manovra, spanisch maniobra, provençalisch manobra, mittellateinisch manopera, vom lateinischen manus, Hand und opera, Arbeit. — Jetzt im seemännischen Gebrauch jede größere gemeinschaftliche auf Kommando ausgeführte Arbeit zur Bedienung des Schiffes oder zur Ausbildung der Leute. Das erste Kommando dabei heißt: „Klar zum Manöver!‟ sei es, daß ein Teil der Wache, die ganze Wache, alle Mann gewünscht werden, was dann dem Worte klar vorangehend näher bezeichnet wird. Den Höhepunkt aller Einzelmanöver bilden die großen Herbstmanöver, bei denen eine ganze Flotte sich zu gemeinschaftlichen Übungen versammelt.

mannen, ein Boot, ein Schiff bemannen, mit Mannschaft versehen, namentlich auch mit Kriegsmannschaft. Im Mittelniederdeutschen hieß es — natürlich nur für den weiblichen Teil — heiraten: „Dit en secge ic nicht allene van den wiuen, de ghemannet syn, mer oec van den megheden, de noch mannen willen, onde dat schynt, dat eyn gemannet wyf beter is dan eyn maghet, de noch mannen sal.‟ Seemännisch spricht man von mannen im Sinne von: „von Mann zu Mann weiter geben‟; Schiller: „durch der Hände lange Kette, um die Wette, fliegt der Eimer‟ ... daher Geschoßmanner, Pulvermanner etc. etc.

Mannloch, das. Womöglich soll man im Schiff, auch bei den jetzigen labyrintartigen Raumverhältnissen, an jede Stelle, auch an solche, die für gewöhnlich unzugänglich ist, zur Vornahme gewisser Arbeiten wie Malen, Reinigen etc. gelangen können. Dazu sind in den sonst dichten Wänden kleine verschließbare Öffnungen angebracht, grade so groß, daß ein Mann hindurchkriechen kann; sie heißen Mannlöcher.

Mantel, der. Dieses aus dem lateinischen mantellum stammende Lehnwort wird bekanntlich nicht nur zur Bezeichnung eines Kleidungsstückes für Menschen, sondern überhaupt im Sinne von Schutzkleid, Schutzbekleidung, sei sie von Holz, Stein oder Eisen, gebraucht. So hat man an Bord einen Schornsteinmantel und im neuesten Rettungsboot ist am Ruder ein metallener Mantel angebracht, der beweglich ist und bei schwerem Wetter als Verlängerung des Ruders herabgelassen wird, damit auch bei schwerem Wetter und hohem Seegang das Ruder nicht wirkungslos in der Luft schwebe. — Siehe auch „Mantel und Takel.‟

„Mantel und Takel‟. In dieser Verbindung bedeutet Mantel ein feststehendes starkes Tau und Takel einen Block mit Scheibe und Läufer. Breusing im Jahrbuch für niederdeutsche Sprachforschung 1876 S. 5 sagt: „Mantel ist das italienische Wort amanti, das spanische amantillos, das portugiesische amantilhos. Man hatte vergeblich nach der Herkunft desselben gesucht, bis uns Böckh in seinen „Urkunden über das Seewesen des attischen Staates‟ gelehrt hat, daß es im Mittelalter aus dem altgriechischen Worte himantes verderbt sei.‟ Darnach hätten wir in diesem Mantel eine volksetymologische Umbildung vom italienischen amanti und Anlehnung an Mantel zu sehen.

Manntau, siehe Laufstag.

Marine, die, das Seewesen, besonders das Seekriegswesen. Es ist zwar unter Marine auch die Handelsschiffahrt mit einbegriffen, doch muß dies besonders kenntlich gemacht werden, „Handelsmarine‟; wenn keine besondere Unterscheidung hinzugefügt wird, so ist Kriegsmarine zu verstehen, („Mein Sohn will zur Marine‟, d. h. er will Seeoffizier werden) was schon aus der Bezeichnung „Reichs-Marine-Amt‟, Marine-Offizier hervorgeht. Was dieses letzte Wort betrifft, so ist Marine-Offizier der weitere Begriff, auch die Offiziere der Marine-Infanterie, die Sanitäts-Offiziere, Ingenieure u. s. w. umfassend, während diejenigen Offiziere die man im Binnenlande Marine-Offiziere nennt, sich selbst als „See-Offiziere‟ bezeichnen. Unkundige Leute, die einen Bootsmannsmaaten nicht von einem Matrosen, geschweige denn von einem Feuerwerksmaaten, unterscheiden können, helfen sich in unseren Seestädten mit der allgemeinen Bezeichnung „Mariner‟; im Binnenlande sagt man im gleichen Falle, zum Unterschied von einem Matrosen, bei dem man zunächst an einen Handelsmatrosen denkt, „Marinesoldat‟. — Während bereits im Altenglischen die Form mariner vorkommt, ist Marine bei uns zum ersten Male 1728 von Sperander à la mode-Sprache der Teutschen gebucht. — Vom lateinischen Adjektivum marinus, das Meer betreffend. — (Marinieren heißt eigentlich „Seegeschmack geben‟.) — Von diesem ward im Mittellateinischen marinarius gebildet, woraus das italienische marinaro, das französische marinier, das englische marine entstand und auch das mittelhochdeutsche marinaere und abgekürzt marner. — Das sae-man im Beówulf bedeutet nur: „Krieger zur See‟.

marlen heißt zwei Dinge durch Marlschläge mit Marlleine mit Hilfe des Marlspiekers mit einander verbinden, z. B. das Segel an sein Liek festnähen. Ein Marlschlag entsteht, wenn man die Marlleine so um ein Tau etc. etc. legt, daß der Schlag das lose Ende festhält, so daß es sich nicht aufwickeln kann; was den Vorteil hat, daß, wenn einmal die Marlleine irgendwo bricht, nicht die ganze Leine aufgeht, sondern nur die Bruchstelle. Marlen nennt man auch das Verbinden von Tauwerk mit (altem) Segeltuch zum Schutz vor Nässe, doch ist dieses nicht mit Trensen oder Schmarten zu verwechseln. Der Marlspieker wird, weil r vor l für viele Zungen allzuschwer ist, so daß mancher Karl seinen eigenen Namen nicht aussprechen kann, meist Malspieker ausgesprochen und in Marlleine wird wohl das eine l als überflüssig ausgelassen, „marlin‟. — Marlen ist Iterativum (marrelen) zu marren, merren = festbinden, binden, befestigen; Teuthonista: merren; im Niederländischen wird der Mistelzweig marrentakken genannt, „dewyl men met de plant, om hare taaiheid maren, dat is binden kan.‟ Französisch heißt die Marlleine merlin, und davon ist das Zeitwort merliner = marlen gebildet, also ein recht unnötiger Umweg. Übrigens hieß die Marlleine im Mittelniederdeutschen marling und sogar marlink. „Item so scholen ock nene segelmaker to Kope hebben marlinge, husenge segelgarne to der schipper behuff, sundern scholen dat halen van den repern.‟ Lübecker Zunftrecht. Insonderheit hieß auch der Strick, an dem einer gehenkt wurde marling. Der alte Chronist Eggerik Beninga erzählt, daß zu König Radbods Zeiten ein Jüngling, der bereits tot am Galgen hing, durch des Missionars Wulfram Gebet wieder erweckt wurde, „und de Ketting und Marling sinnen tho bracken, de jungeling is thor erden gefallen.‟

Mars, der: „Mastkorb.‟ Oft genug sind Binnenländer, die von einem Mastkorb sprachen, mitleidig über die Achsel angesehen worden, „als ob der Mars ein Korb wäre, damit hat er ja nicht die geringste Ähnlichkeit‟! Und doch hat Mastkorb seine volle Berechtigung. Früher ist er wirklich ein Korb gewesen, ein einfacher schlichter Korb, der mächtige Bau den wir jetzt Mars nennen. Der niederdeutsche Seemann sagt Märs oder Mers und beweist auch hier wieder sein zähes Festhalten am Ursprünglichen. Daß er „die‟ Mers sagt hängt nicht nur mit der niederdeutschen Unbestimmtheit des bestimmten Artikels zusammen, sondern mag noch eine ferne Erinnerung an merx, die Ware, Kaufmannsware sein, aus der Mers sich entwickelt hat. — Im Mittelalter hatte das aus Italien nach Deutschland gekommene Institut des Feilbietens im Umherziehen, des Klein- und Hausierhandels, eine große und wichtige Bedeutung; es war „Handel und Wandel‟. Wie so manches andere Kaufmannswort brachte der wandernde deutsche Händler das Wort merx aus Italien mit über die Alpen und gebrauchte es in der Form meersse, mersse, mers. Heißt doch heute noch im Französischen und im Munde und auf den Schildern deutscher Ladeninhaber Kramhandel mercerie, oft in Verbindung mit quincaillerie, das, so französisch es auch aussieht, doch deutsch ist. Die mers nun, die zum Hausieren bestimmte oder auch an den Straßenecken ausgebotene Ware ward in Körben herumgetragen und feil gehalten. So nannte man bald den Korb nach seinem Inhalte mers. Schon Kilianus sagt meersse, meers heiße „Korf‟, corbis institutoris, canistrum institutorium, und zwar ist institutor ein Mann, der irgendwo steht, um Sachen zu verkaufen, bei uns hat er aber mehr gehockt als gestanden, denn wir nennen ihn Höcker. Meersmann aber übersetzt Kilian mit circitor, circuitor, das ist einer, der keinen festen Stand hat, sondern mit seinem Korbe umherzieht; meers-schiip aber mit corbita, siehe unter Korvette. — Erst hieß also Mers nur die Ware im Korb; dann Ware und Korb; zuletzt Korb allein. In diesem Sinne, als Korb, wurde dann der Mers am Mast befestigt für den Mann am Ausguck. Mit dem Wachsen der Takelage und der damit verbundenen Notwendigkeit, Leute nach oben zu ihrer Bedienung zu schicken, ergab sich dann nach und nach das Bedürfnis, den Mars als Korb fallen zu lassen und ein Holzgestell mit einem Korbgeflecht oder Netzwerk als Schutz gegen Absturz zu errichten, aber der einmal angenommene Name blieb. Und wir sollten der größeren Deutlichkeit wegen lieber auch so schreiben wie der Seemann spricht, schon damit keiner auf den Gedanken komme, das Wort habe mit dem Kriegsgotte Mars (Mavors) etwas zu tun. Auch würden wir uns damit wieder in Übereinstimmung mit dem Sprachgebrauch der großen, herrlichen Seemannszeit der Hansa setzen. Denn daß die Mers sagte, dafür noch einige Beispiele. „Also halp en got, dat sie den Koggen behelden myt werhafter hant onde skoten dar mit haghelscote onde worpen mit stenen vte der mersen‟ („Bremische Geschichtsquellen‟). „Na mennighen daghen horden se bulderinghe der bulghen, alze eft se yegen eyn land floeghen onde lethen enen op styghen in de mersch, eft he yennich lant vernehme‟ („Dänische Chronik‟). Die im 15. Jahrhundert erschienene Chronik des Lübecker Dominikaners Hermann Korner erzählt von „66 schepe mit merssen vnde vorkastelen.‟

Maschine, die, lateinisch machina, griechisch mechane; es gibt neuerdings auf einem großen Linienschiffe so viele Dampf-und elektrische Maschinen, daß es sich von selbst verbietet, sie hier auch nur dem Namen nach aufzuzählen. Doch muß festgestellt werden, daß, wo einfach von Maschine die Rede ist, ohne nähere Bezeichnung die Schiffsmaschine gemeint ist. Der weiten Ausdehnung ihres Berufes wegen heißen die Leiter des Maschinenwesens an Bord neuerdings nicht mehr Maschinen-Ingenieure, sondern schlechtweg Ingenieure — Ingenieur, Oberingenieur, Stabsingenieur, Oberstabsingenieur.