M.
Maat, der. Bei der Kaiserlichen Marine heißen die Männer, die man bei der Armee Unteroffiziere nennt Maate, die Sergeanten Obermaate, und werden je nach ihrem Dienstzweig noch näher bestimmt als Bootsmannsmaat, Feuerwerksmaat, Steuermannsmaat, Wachtmeistersmaat, Maschinistenmaat, Feuermeistersmaat, Meistersmaat, Materialienverwaltersmaat, Artilleristenmaat u. s. w., das sind dienstliche Titel. Eine vorübergehende Beschäftigung hat der Stewardsmaat, ein Matrose, der zur Unterstützung des Stewards befohlen ist. Dieser letztere Maat ist aber der eigentlichen allgemeinen Bedeutung des Wortes nach der richtige Maat, denn das Wort bedeutet einen Gehilfen, Gesellen, Genossen, „Assistenten‟. Kilian übersetzt maet mit socius, collega, hat auch die überflüssigerweise erweiterte Form med-maet, wie man im Mittelniederdeutschen die pleonastische Form mategeselle hatte. Niederländisch maat, maatschappy, Gesellschaft. Englisch mate, Genosse, Gefährte in so allgemeinem Sinne, daß es sogar husband oder wife bezeichnen kann; auf Handelsschiffen der Steuermann, auf Kriegsschiffen wie bei uns. Nach dem Bremer Wörterbuch heißt dorten ein Kamerad maat; es nennt auch ein Mädchen das andere das neben ihm in einem Hause dient maatske. Maat ist Verkürzung des althochdeutschen gimazo, das ist einer, der mit einem anderen zusammen die Speise, maz, verzehrt, ein Mitspeisender, Mitesser, Tischgenosse, und zwar Genosse in seiner ursprünglichen Bedeutung von „zusammen etwas genießen‟, d. h. essen. Das alt- und mittelhochdeutsche maz, gothisch maths, altnordisch matr, englisch meat heißt Speise, Nahrung, Essen, besonders zum Essen bestimmtes, zartes, schieres, weiches, gehacktes Schweinefleisch; niederdeutsch met, so daß also Maat und Mettwurst zusammengehören. — Alle in Nowgorod sich aufhaltenden fremden Kaufleute waren in Haus- und Tischgenossenschaften abgeteilt; eine solche wird in einer Hansa-Urkunde des 14. Jahrhunderts mascop genannt; sonst heißt aber dieses Wort in jener Zeit matscop und matschop, also ähnlich dem angeführten maatschappy. In einer Lübecker Urkunde von 1347 heißt es: „Laten jo sere dancken, dat gy osen vrent onde osen math, heren W. hebbet vrentliken wedderdan sinen schaden.‟ In der Lübecker Chronik lesen wir: „Biscop Engelbert van Colne wart dot gheslaghen van greven Vrederike van Altena, de syn man was unde sin maath.‟ Doch war schon immer, so lange wir schriftliche Aufzeichnungen niederdeutscher Seemannssprache besitzen, das Wort maat in besonderem seemännischen Gebrauch. 1379: „Jtem dat B. syn knape sluch to der Sluus opt dat lant enen maten schipmann vor de noeze, dat he bloede.‟ 1564: „Darna Jacob geropen: mathe, wor syn ghy? helpet uns pumpen.‟ 1580: „Gerth sy houetbossmann unde Erasmus houetbossmanns mate gewesen.‟ 1580 also begegnet uns zum ersten Male der Bootsmannsmaat.
machen wird im seemännischen Sinne nicht nur für „zurücklegen einer Strecke‟ gebraucht, z. B. wir machen neun Knoten oder Meilen, es heißt auch erreichen, in Sicht bekommen, anlaufen; z. B. wir machen Rio, sie machten Cap Skagen; genau wie im Englischen, „they that sail in the middle can make no land of either side.‟ Es ist hier ganz allgemein „etwas zu Stande bringen‟, ähnlich wie in dem vor einigen Jahren wie eine Krankheit grassierenden „m. w.‟ = „machen wir.‟
macklig, richtiger macklich, denn es kommt von machen, niederdeutsch maken und bedeutet etwas, das so gemacht ist wie es gemacht sein muß um recht gemacht zu sein und damit man etwas Rechtes damit machen kann; also etwas Zweckentsprechendes, Brauchbares, Bequemes, Handliches wird man macklich nennen. „Der Hammer ist macklich‟, d. h. er liegt gut in der Hand, man kann bequem damit arbeiten, „der Riemen ist macklich‟, man kann bequem damit rudern. Macklich ist besonders im seemännischen Sinne auch das „was seemännisch gut gehalten ist‟, vor dem Auge eines Seemannes Gnade findet. Ein echtes, rechtes nach Salzwasser riechendes Seemannswort, das aber bei neumodischen Seeleuten anfängt zu veralten. Vielleicht vom althochdeutschen Substantivum gimah (= Gemach, Bequemlichkeit, Annehmlichkeit, Behaglichkeit, Gemächlichkeit, Ruhe, Pflege, häusliche Bequemlichkeit, wohnliche Räumlichkeit, Zimmer wo man sichs bequem macht) oder vielmehr vom niederdeutschen gemak, im gleichen Sinne, vergl. das Sprichwort: „frejen (freien) under en dak, is'n grot gemak‟ abgeleitetes, jedenfalls aber von maken = machen abstammendes Adjectivum.
Maifeld, das, heißt bei nautischen oder architektonischen Messungen, besonders beim Hafenbau, der gewachsene Boden des festen Landes im Gegensatz zum Wasser. Und zwar nicht eigentlich der gewachsene Boden, sondern seine bewachsene Oberfläche, besonders als Wiese gedacht, als ein Feld das gemäht wird. Mähen heißt niederdeutsch maien; das niederdeutsche Maifeld hat also mit dem Wonnemonat nichts zu tun, sondern bedeutet Mähfeld. Doornkaat: „Ein zum Mähen oder Grasschneiden bestimmtes oder liegen gebliebenes Feld oder eine Wiese.‟
Makler, der, Schiffsmakler, auch Mäkler, ein Unterhändler in Schiffsangelegenheiten, bei Käufen und Verkäufen, Ausrüstungen u. s. w. Das Wort kommt von machen, niederdeutsch maken, und zwar von dem Iterativum dazu makeln. Man kann es ins Hochdeutsche übersetzen mit „Macher‟ im Sinne von Gelegenheitsmacher, Heiratsmacher oder -Vermittler, letzteres ostfriesisch makesman. — Insofern ein Vermittler eines Kaufes unter Umständen bestrebt sein muß, um die Sache zu stande zu bringen, den Gegenstand des Handels schlecht zu machen und allerlei daran auszusetzen, „mäkelt‟ er daran herum, „bemäkelt‟ er sie.
mallen. Wegen des Übrigen s. abmallen; hier nur die Erklärung (nach Dick und Kretschmer) was „gemallte Tiefe‟, moulted depth, bedeutet, nämlich bei eisernen Schiffen die vertikale Entfernung der Oberkante des oberen Deckbalkens des Vermessungsdecks bis zur Oberkante des Kiels; bei hölzernen Schiffen die Entfernung der Oberkante der Oberdeckbalken bis zur Unterkante der Kielsponung.
„Mann über Bord!‟ Ein Ruf, der sofort wie mit einem elektrischen Schlage das ganze Schiff in Bewegung bringt. Ist ein Mann über Bord gefallen, so ist das Nächste, ihm eine Rettungsboje zuzuwerfen und das Schiff zum Stillstand zu bringen; was bei einem Segelschiffe keine so ganz einfache Sache ist. Aber in diesem Falle werden die notwendigen Arbeiten seitens der Leute stets mit besonderem Feuereifer ausgeführt, so daß es einer Anspornung nicht bedarf. Es ist als ob jeder das Gefühl hätte, daß von seiner Bemühung das gefährdete Menschenleben abhänge.
Mamiering, die. Ein Schlauch aus wasserdichtem Segeltuch, der über eine Röhre gestreift und daran befestigt ist, zum Zweck die durch die Röhre fließende Flüssigkeit weiter zu leiten. Offenbar steckt in der ersten Silbe das niederdeutsche mau = Ärmel, aber eigentlich nicht Ärmel in unserem Sinne, in dem ein solcher festgenäht ist, sondern loser Ärmel, wie man ihn früher über den Arm streifte. So heißen heute noch im Niederdeutschen die Pulswärmer, die auf den Unterarm gestreift werden, Muffen, was mit mau nahe verwandt ist; auch heißt Muffe ein eiserner Ring, der über die Verbindungsstelle zweier eiserner Rohre zur stärkeren Befestigung und Dichtung gestreift wird. Es liegt eine Wurzel zu Grunde, die mu lautet und drängen oder schieben bedeutet, von der auch das lateinische moveo, ich bewege, kommt. Der Begriff des Überstreifens ist also in mau gegeben; miering dürfte aus meren = verlängern gebildet sein, mit der niederdeutschen Endung ing: eine Verlängerung stellt die Mamiering ja unzweifelhaft dar, eine Verlängerung der Ausflußröhre, auf die die Mamiering ärmelartig aufgestreift ist. So müßte das Wort eigentlich maumering heißen; unter dem Einfluß der Zusammensetzung ist aber die erste Silbe durch Ausfallen des u gekürzt, die zweite aber unter dem Einfluß der Endung ing assimilierend in i umgelautet.
Manilaleine, die, ein sehr leichtes, aber festes und haltbares, sauber und reinlich aussehendes Tauwerk; „dasselbe zeichnet sich vor dem Tauwerk aus gewöhnlichem Hanf durch größere Geschmeidigkeit, Elasticität und Dehnbarkeit sowie durch größere Unempfindlichkeit gegen Schamfielungen aus. Diese Vorteile im Verein mit dem Umstand, daß es auf dem Wasser schwimmt, machen es besonders geeignet zu Verholtrossen.‟ (Dick und Kretschmer, II. 3). Gefertigt aus Manilahanf, der Faser einer hauptsächlich auf den Philippinen wachsenden, von Manila ausgeführten musa-Art, genannt musa textilio. Sie ist nahe verwandt mit der musa sapientum oder paradisaica, die wir besser unter dem Namen Banane kennen, und mit der musa, die sich in unseren Gärten auf Rasenflächen als Solitärpflanze so vornehm ausnimmt.