Kilian hat „grond-loot, diep-loot, funis cum plumbo, quo fundus et maris altitudo exploratur.‟ — Es bedarf kaum der Erwähnung daß das Senkblei am Lande nicht als Lot zum Messen der Tiefe, sondern einer lotrechten Linie dient. Überhaupt spielt Lot eine große Rolle, namentlich als (Blei-)Gewicht und als (Blei-)Kugel; „jemand eene loden, blaawe of huzaren boon geven‟: bleierne, blaue oder Husarenkugel. — Italienisch heißt das Senkblei scandaglio, spanisch escandallo; loten italienisch scandagliare (vom lateinischen scandere, messen); mittellateinisch scandilia, die Sprossen der Leiter, wobei daran zu denken ist, daß die Grade an der Senkschnur bemerkt waren; auch spanisch-portugiesisch sonda, französisch sonde = Senkblei, sonder die Meerestiefe messen (aus sub-undare, in das Meer tauchen), sondieren. — Waghenaer legt in seinem „Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588, ganz besonderes Gewicht auf fleißiges und sorgfältiges Loten. Er nennt es manchmal kurzweg „werfen‟. „Twee kenninghen buyten Heys werpt gy 45 vadem‟; manchmal auch tiefen, diepen: „Dicht by Heyssant ist diep 45 vadem, en daer binnen ist oneffen daermen qualyck diepen can.‟
Lose, die s. holen.
Luftkasten, der. Luftkästen sind ein wesentliches Erfordernis eines Rettungsbootes, nämlich die Träger desselben durch Brandung und hohen Seegang. Sie müssen das Boot auch dann noch über Wasser halten, wenn es voll Wasser geschlagen ist. Es sind bei unseren Rettungsbooten neuester Art, die eine große Stabilität haben und doch leicht sind, weil aus verzinktem kannelierten Stahlblech gebaut, den sogen. deutschen Rettungsbooten, wie sie die „Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger‟ verwendet, kupferne Kästen zu beiden Seiten des Stechschwertes, die, wasserdicht verlötet, im Verhältnis zum Boot die Größe haben, die für den angegebenen Zweck erforderlich ist. Auf anderen Rettungsbooten, z. B. dem englischen life-boat, sind nicht nur zu beiden Seiten, sondern auch hinten und vorn solche Luftkästen, air-cases, angebracht. Sonst dienen auch einfach doppelte, hohle Bordwände dem Zwecke größerer Stabilität.
Luftzuführung s. Windsack.
Luftsack s. Windsack.
Luk, das, auch Luke, die, eine viereckige Öffnung im Deck die als Zugang zu dem betreffenden Deck dient; früher mit einer Falltür verschließbar, im modernen Eisenschiffbau wohl durch eine eiserne Schiebeklappe zu verschließen. Wiewohl man Luke gewöhnlich nach dem Augenschein für eine Öffnung ansieht und auch als Öffnung erklärt, so hat doch nicht diese, sondern im Gegenteil das Verschließen, die Verschließbarkeit den Namen hergegeben, das Wort hat nämlich nichts mit Loch zu tun, sondern kommt von einem Zeitwort das schließen bedeutet, gotisch lukan, althochdeutsch luhhan, altnordisch luka, altfriesisch luka, altsächsisch lukan, angelsächsisch lucan, altenglisch luken, englisch lock, nordfriesisch loke, luka, laka; im Saterland luka, mittelhochdeutsch luchen, niederländisch luiken. Der Grundbegriff aller dieser Wörter ist aber ziehen, unser niederdeutsches, noch jetzt im allgemeinen Gebrauch stehendes luken = ziehen. Das Verschließen einer Tür ist ja vor allen Dingen ein Zuziehen derselben. Aber an eine Tür war am Morgen der indogermanischen Sprache, als das Wort geschaffen wurde, noch nicht gedacht, vielmehr ist der Ausdruck dem Leben der Hirten und einfachsten Ackerbauer entnommen, und zwar von einer ganz bestimmten Vorrichtung, nämlich einer durch Querstangen verschließbaren Umzäunung, Umhegung von Weideplätzen, von Hürden und Pferchen. Die wurden einfach dadurch verschlossen, daß eine Stange vor die Öffnung geschoben wurde; wurde die Stange wieder zurückgeschoben, so war der Raum wieder offen. Dasselbe Bild stellt sich uns dar, wenn wir an den ältesten Verschluß von Türen und Fensterläden denken: es war kein Schloß, sondern ein Riegel, der hin- und hergeschoben wurde. Die Stange, der Riegel wurden also geluckt, d. h. hin- und hergezogen oder geschoben, denn luken heißt ziehen und schieben. Je nachdem nun die Stange oder der Riegel hin- und hergeschoben wurde, war der Raum offen oder zu: daher schreibt sich dieses immer wieder hervortretende Schwanken der Bedeutung von luken zwischen schließen und öffnen, offenbar auch die von Luk, Luke zwischen Öffnung und Verschluß. — „Das Luk‟ scheint zu veralten; „die Luke‟ mehr in Aufnahme zu kommen. Ausschließlich wird letzteres Geschlecht gebraucht in der oft gehörten Redensart: „Guckst Du mich aus die Luke?‟ Sie wird gebraucht, wenn man jemanden erkannt hat in seinen Absichten und ihm in der ersten Überraschung solchen Erkennens mitteilt, daß er „erkannt‟ sei.
Luv meist, wie Lee, ohne Artikel. — Es sind auffallend wenig Erklärungsversuche an dieses Wort herangetreten, gleichsam als ob sich an das schwierige Wort niemand so recht herangetraut hätte. Und es ist doch ein so wichtiges Wort für den Seemann. Wir müssen vor allen Dingen von der Frage ausgehen: Was ist Luv? Was will es sagen? Von welcher Anschauung mag die Benennung ausgegangen sein? Und da ist vor allen Dingen zu bemerken, daß Luv die Seite ist von der man mit dem (Segel-)Schiffe herkommt, also die Seite die man auf der Fahrt nach Lee zu hinter sich zurückläßt. Das stimmt zwar jetzt wo man „beim Winde‟ zu segeln gelernt hat, nicht mehr ganz, in alten Zeiten aber, wo bei der unbeholfenen Segelführung an ein Aufkreuzen nicht zu denken war, sondern nur mit raumen Winde Kurs gehalten werden konnte, da stimmte es. Man erklärt Luv jetzt gewöhnlich als die Seite, von der der Wind kommt, die Windseite. Das ist auch richtig. Aber eben so richtig ist, oder war es doch, zu sagen, die Seite wo das Schiff herkommt, oder die Seite die das Schiff auf seiner Fahrt hinter sich zurückläßt. Und dieser Begriff des Zurücklassens dürfte ausschlaggebend gewesen sein. Das Zurückgelassene heißt im Angelsächsischen laf. Im Beówulf kommt das Wort oft vor und bedeutet neben dem Zurückgelassenen den Nachlaß, das Erbe, besonders auch als vorzüglich kostbaren Gegenstand der Vererbung: das Schwert; echt dichterisch ist auch die Wendung sweorda laf, die das Schwert zurückgelassen hat, die vom Schwerte in männermordender Schlacht verschont geblieben sind. — Dem entsprechend heißt im Altfriesischen leva, lewa, relinquere, nachlassen, davon lawa, Glaube; lawa, Gesetz, lawa, Erbe; allen dreien ist der Begriff gemeinsam: Zurückgelassenes, Restierendes, der Nachlaß; das was bleibt, wenn alle im Laufe der Zeiten dahingehen, das Dauernde, Feste, zu Haltende, Unvergängliche, Unverletzliche. Aber die Grundbedeutung ist zurücklassen. Dem entspricht im Gotischen laiba, Überbleibsel, althochdeutsch leiba. Im Seebuch, 1400, tritt dann das Wort in seemännischer Bedeutung auf, und zwar in der Form loff. Daneben aber laufen im Sprachgebrauch der Zeit lof = Windseite und lova, louwe = Hinterlassenschaft, loven, leven, zurücklassen. In einer unter Lee angeführten Stelle war gesagt, daß den Dänen und Lübeckern alles thoiegen und sie in der lehe waren; es heißt dann weiter: „Auerst de leve gott gaff gnade, dat de wind umbginck und de Denen und Lubeschen den loff kregen.‟ Es war altes ostfriesisches Landrecht: „Woir dat de frouwe ein man nimpt und tuigt ein Kind by em unde se stervet tho voeren und dat Kint darna, so soelen broedere und sustere de lova gelieke antasten.‟ — In dieser letzteren Bedeutung ist das Wort beinahe ganz dem Sprachgebrauch entschwunden; sollte es darum sein, daß es von dem seemännischen verdrängt worden wäre? Denn das Seemannswort hat sich immer mehr Bahn gebrochen. Niederdeutsch lof, niederländisch loef, daher französisch lof und louvoyer; in Groningen loof, auf Wangerooge lauv; dänisch luv, schwedisch lofven. Der Vokal ist schwankend; die Physiologie der Lautbildung lehrt, daß Vokale immer schwankende Laute sind. Ein wenig mehr a- oder o- oder u-Lautfarbe macht also nichts aus; ja wer dem Seemann genau auf den Mund sieht, der kann wahrnehmen, wie Luv, das für gewöhnlich lang ist — das Zeitwort luven ist immer lang — , oft aber auch sehr kurz ausgesprochen wird und dann leicht auch heute noch zu dem alten Klange lov zurückkehrt, ja in lav überspringt, welch letzteres ja dann auch das ursprünglichere ist. Das Schwanken der Orthographie zwischen f und v ist selbstverständlich. Sprachlich steht also der Verwandtschaft nichts im Wege. Sachlich, wenn man an die alten Zeiten denkt, auch nicht. Doch ist zuzugeben, daß der Begriff sich in der neuzeitlichen Seemannssprache unter dem Einfluß der neuzeitlichen, verbesserten Segelführung etwas verschoben hat, namentlich der des Zeitwortes luven, das unter Umständen jetzt so ziemlich das Gegenteil von zurücklassen, nämlich entgegenkommen bedeuten kann, besonders als anluven. Aber das liegt in der Natur der Sache. — Übertragen sagt man: „er luvt nicht darauf‟, d. h. er hört nicht, gehorcht nicht, tut nicht was ihm gesagt wird; vom Luven des Schiffes hergenommen; „das Schiff luvt‟, es gehorcht dem Ruder und geht mehr nach dem Wind. — Im Englischen heißt die Seite von der der Wind herkommt windward; diesen Ausdruck hatte man früher in der deutschen Seemannssprache auch. Der Verfasser der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ war, (s. Schönfahrsegel) von seinem venetianischen Schiffe kurz vor der Pulverexplosion über Bord gesprungen. „Wie ich nun gedachte nach dem Admiral zu schwemmen, muß ich es allezeit gegen die See halten, weil er zu Windwärts von mir war; Wen ich aber auff die See kam, lieff mich die Rabbeling (wohl verdruckt für Kabbeling) vom Wasser übers Häupt, so, daß ich nicht sehen konte, und weil zu zweyen mahlen einige Kordusen (Kartuschen) durch Unvorsichtigkeit waren in Brand gekommen, wodurch ich ziemlich kahl war versenget, waren mich auch die Augen davon hitzig geworden, so daß ich kein Saltzwasser in den Augen vertragen konte.‟ — Doch kannte neben „windwärts‟ der Verfasser der „Beschriving‟ auch sehr wohl den Ausdruck „luv‟, jedoch natürlich in den niederdeutschen Formen lof und loff. Die Stelle, in der die Ausdrücke vorkommen, ist so lehrreich für die Kenntnis der Seefahrt jener Zeit, daß sie hier Aufnahme finden möge. „Mich hat auch gut gedünkt etwas zu melden, wie ein Schiffer, der in der West- und Mittelländischen See nicht wol erfahren, und allda einige Örter besegeln müßte, sich hat vorzusehen, daß er nicht in der Heyden (Seeräuber) Gewalt kommen möge. — Wenn nun ein Schiffer ümbtrent in der West- oder Middelländischen See seine Feinde gewahr würde, so sol er nicht verzagen, sondern sich Gott und seiner gnädigen Vorsorge anbefehlen. Kan ers entlauffen, umb unters Land sich zu salvieren, oder daß er wans finster wird, sein Kurß kan forsetzen, so tue ers in der Zeit, wo nicht, und daß sein Schiff etwas bewehret ist, so tue er sein bestes, und setze seine Segel daß er lofen und tragen (Richtung) halten kann; Nemblich dem grossen Halß zu, und gehe mit halben Wind, daß alle Segel ziehen können, und ob er ja sein Kurß deßwegen verändern müßte, so wil es doch nicht anders seyn, ihr könnet ihn aber lang vexieren und auffhalten; ehe und bevor er euch kann an Bort kommen; Denn, wo er nach euch zu kompt, umb euch an Bort zu legen, so müsset ihr auffdauwen (niederdeutsch touwen = eilen) und ihn das hinterste zukehren, doch nicht eher und bevor er euch bald an Bort ist, und gebet allezeit Feuer, Gott kan es endlich so schicken, daß ihr einen glücklichen Schuß tut, dadurch ihr dennoch endlich ihm entkommen möchtet; Weil ich nun bey solchen Handel selbst mit gewesen; da es uns gelungen, also hab ich den günstigen Leser hiermit zur Nachricht dienen wollen. Es war Anno 1645 ungefehr zwischen Cap S. Vincent und S. Hubes Huck 8 Meilen von dem Wall, da kamen auff uns zu fünff Türkische Schiffe, weil wir aber sahen, daß wir gegen sie nicht fechten konten; den wir nicht mehr dann zehn Stücken und noch ein Hamburger so bey uns war sechs Stücken auff hatte, täten wir unser bestes und machtens wie vor gedacht, daß wir mit halben Wind voraus lieffen, einer aber unter ihnen war eine Hollandische Fregat mit 28 Stücken Geschütz gemondiert, der siegelte uns endlich auff, und lieff den vorgedachten Hamburger vorbey, weil derselbe hinter uns anhielt; den der Türcke gedacht uns erst an Bort zu legen, der Hamburger würde den andern nicht entlauffen. — Wie er aber näher kam, kehrten wir ihm daß hinter Schiff zu, und paßten auff, daß wir ihn mit unserm hintern Geschütz, so neunpfündige Kugeln schoß ziemlich wol traffen, loffeden auch alsoford wieder an, der Türcke aber kam inmittelst etwas zu Loffwart hinten aus, er folgete uns aber wieder nach, und wolte wieder an Bort kommen, wir machtens aber wieder wie zuvor, und kehrten ihm das hinterste zu, gaben auch indem auf ihn Feuer, traffen ihn also, daß sein Vormarssegel nicht allein von oben nieder fiel, sondern auch von einem Ende zum andern auffrisse, dadurch er uns nicht so bald wiederumb besegeln konte: der Vice-Admiral aber von den Türcken gedachte unssern Cammeraten an Bort zu legen, der ihn auch solches verdrehete und ihm daß Hinterschiff zukehrte, daß dem Vice-Admiral sein Bochspret vor die Steve hing, derowegen konnte er sein Segel nicht schrab (fest) setzen, daß er uns ferner verfolgen konnte; die andern drey so noch zurücke waren, schossen zwar mit ihren Bochstücken hinter uns an, welches ihn zurücke hielt, und was wir hinter aus schossen, foderte uns, so, daß wir endlich vor ihm das Land bekamen, sie aber dürfften dem Land nicht so nahe kommen, weil der Vice-Admiral durch sein Bochspret redloß war, derhalben musten sie uns endlich verlassen, wir aber gingen längst dem Wall nach S. Hubes, umb allda erstlich in Salvo zu kommen, und ferner Compagney mit uns nach S. Lucas zu suchen, dahin unser Wil war.‟
Luvart kommt in der Verbindung zu luvart häufig als Bezeichnung der Richtung vor aus der der Wind kommt. „Das Schiff segelt zu luvart von uns‟; Gegensatz: „Das Boot fährt in Lee von uns‟. Die Präposition zu ist fälschlich zu luvart gekommen in einer Zeit in der man die Zusammensetzung von luvart nicht mehr im Bewußtsein hatte. Dieses Wort heißt nämlich eigentlich luvwärts und ist über luvwart zu luvart geworden, doch so, daß von dem geschwundenen w manchmal noch etwas zu hören ist, wenn nicht das Wort noch bequemer und nachlässiger luvert ausgesprochen wird. Die Form „luvwart‟ ist bezeugt als „Loffwart‟ in der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ 1673; der Verfasser trieb schwer havarirt in einem Novembersturm in der Nordsee: „Wir sahen auch ein Schiff zu Loffwart von uns; liessen derowegen ein Schau oder Zeichen weyhen, daß wir verlegen waren‟ ...
Luvgierig ist ein Schiff, wenn es die Neigung hat, sich mit seinem Bug dem Winde zuzudrehen, sei es infolge seiner Bauart, oder falschen Stauens der Ladung oder verkehrter Segelführung. Die beiden letzteren Ursachen lassen sich beseitigen, gegen den erstgenannten Fehler läßt sich nichts weiter machen, als daß man mit Ruderführung und Segelstellung die Luvgier zu heben sucht. — Das Gegenteil nennt man leegierig; dabei fällt das Schiff allzuleicht ab und ist schwer beim Winde zu halten.
Luvküste, die, s. Upperwall.