mittschiffs ist ein ziemlich unbestimmtes Adverbium mit dem etwas näher bestimmt wird das sich nicht „vorn‟, aber auch nicht „achtern‟ befindet. An eine mathematische Mitte ist schon garnicht zu denken. Aber das ist zu betonen, daß es nicht bloß die ungefähre Mitte zwischen hinten und vorne, also nicht bloß die Mitte der Länge nach, sondern auch die Mitte der Breite nach bedeutet, und zwar die ganze von hinten nach vorne gedachte, von beiden Bordwänden gleich weit abstehende Mittellinie oder Längsachse des Schiffes. Man sagt: „Das Schiff wurde mittschiffs gerammt‟, bei einem Vollschiff also etwa zwischen Großmast und Fockmast; man sagt aber auch: „Das Schiff hat sein Ruder mittschiffs liegen‟ d. h. die Ruderpinne befindet sich in der Mitte zwischen beiden Bordwänden, in der Mittellinie.
Moker, der, s. Kalfatern.
Mole, die, im Munde des niederdeutschen Seemanns wohl auch Mulje, ist jetzt ein Steindamm oder vielmehr eine Kaimauer, die den Eingang eines Hafens zugleich bildet und schützt. Früher ganz allgemein ein Damm oder Deich. In der Chronik des Landes Dithmarschen von Neocorus heißt es: „up de mohle is ein grot inbrock geschehen‟. Holländisch mole, dänisch mullie, schwedisch mölja, englisch mole, französisch mole, italienisch molo, spanisch muelle, portugiesisch molhe — alles zurückgehend auf das lateinische moles, Masse, Last, große Steinmasse, Damm. Bei San Lucar de Barrameda befand sich sehr früh eine Mole. 1588 schreibt Waghenaer im „Spiegel der Zeevaerdt‟: „Voorts om te weten die mercken vanden steen oft droochte die int gadt van S. Lucas ligghende syn, als de Molen ende t'witte Clooster staende opt Oostereynde van S. Lucas ouer een comende‟ ...
Monsun, der, ist ein im Indischen Ozean in regelmäßigen Perioden stets aus gleicher Richtung wehender starker, sich oft bis zum Sturm steigender Wind, von Oktober bis März aus Nordost, von April bis September aus Südwest wehend. Das Wort lautet französisch monson, monçon, spanisch monzon, portugiesisch monsao und stammt aus dem Arabischen, wo mansim bedeutet a time, a season, the favourable season for sailing to India; also: günstige Jahreszeit.
Mooring, die, ist eine besondere Befestigung eines Schiffes durch Anker, Ketten, Taue, um es in der Lage zu halten, in der man es haben will, aus der es um irgendwelcher Gründe, wie Raummangel, Rücksicht auf die Windrichtung, willen sich nicht herausbewegen soll; also eine Befestigung des Schiffes zur Vermeidung des Schwojens. Man nennt es auch „ein Schiff vertäuen‟. Vergl. auch Spring. Das Zeitwort mooren, häufiger vermooren, hat seinen langen o-Laut von der dunklen niederdeutschen Aussprache des a, denn es heißt eigentlich marren = binden, festbinden, befestigen. Von ihm ist das andere seemännische Zeitwort marlen ein Iterativum. Schon dem Teuthonista war das Wort bekannt, und zwar in der Form merren; er schreibt: „cabel-lyn reep, seel, to vo dair mede men eyn schyp an dat lant vestiget offte merret‟.
Morgenwache s. Wache.
Mufferdeischuner, der, (vergl. John Brinckman, „Kasper Ohm un ik‟), ein Schuner, oder vielmehr eine Brigg, oder noch besser eine Schunerbrigg, eine Brigantine, „that is square-rigged forward and schooner-rigged aft‟, also ein Schiff, das am vorderen Maste Rahesegel, am achteren Schratsegel (s. d.) hat. Mufferdei soll eine von deutschen Seeleuten zurechtgemachte Form des im Englischen gebräuchlichen Hermaphrodite sein, würde also ein Zwitterding bedeuten, wegen der zweierlei Segel oder zweierlei Masten. Aber zweierlei Segel und Masten hat schließlich jedes Schiff. Die Erklärung mag hier dahingestellt bleiben, da das Wort ohnehin in der neuhochdeutschen Seemannssprache kaum gebraucht wird. Im Korrespondenzblatt für niederdeutsche Sprachforschung vom Jahre 1895 ist Näheres darüber nachzulesen.
Mundpfropfen, der, ein Pfropfen, der in die Mündung einer Kanone gesteckt wird, wenn diese außer Gebrauch ist. Das Wort bedürfte der Aufnahme nicht, wenn man nicht im Munde der Kriegsschiffsleute öfters die Frage, in übertragenen Sinne als Ausdruck der Verlegenheit, hörte: „Wo legen wir den Mundpfropfen hin‟. Dieses geflügelte Wort stammt aus einer Geschützinstruktion an Bord eines S. M. Schiffe. Als einmal ein Feuerwerksmaat seiner Geschützbedienung genau alle Handgriffe und Bewegungen beim Klarmachen eines Geschützes zum Exerzieren auseinandergesetzt hatte, endigte er seine Instruktion etwas allzu wichtig tuend mit den Worten: „Nun entsteht aber noch die große Frage: wo legen wir den Mundpfropfen hin?‟, den zum Exerzieren aus der Mündung herausgenommenen.
mustern heißt jemanden oder etwas daraufhin ansehen, ob er oder es sich in dem Zustande befindet in dem er oder es sich befinden soll, also zusehen, ob er oder es dem Muster gemäß, musterhaft ist. Auf unseren Kriegsschiffen ist Musterung schlechthin die tägliche Musterung der Mannschaft und des Schiffes durch den Kommandanten, welche als „Sonntagsmusterung‟ besonders feierlich und gründlich vorgenommen wird. Es gibt aber auch besondere Musterungen: Reinlichkeits-, Zeug-, Gewehr- etc. Musterung. Im Teuthonista heißt das Wort noch monsteren, und so kann man es auch heute noch seemännisch und überhaupt niederdeutsch hören. In dieser Form läßt es seine Abstammung von monstrare zeigen, deutlicher erkennen. Doch hat das Wort eine wesentliche Bedeutungsverschiebung erlitten, denn eigentlich ist es der Mann der mustert, nämlich sich seinem Kommandanten zeigt, aber jetzt heißt es: „Der Kommandant mustert den Mann.‟ Die Verschiebung hat sich wohl über das Substantivum Musterung bewegt, indem diese die Veranstaltung ist, bei der die Matrosen sich zeigen, bei der sie also besehen werden, und dieses „Besehen‟ ist dann als das Wichtigste in den Vordergrund getreten. — „Er läßt sich anmustern‟, sagt man, wenn einer sich zum Eintritt in einen Dienst vorstellt, „zeigt‟; er wird dann in die Musterrolle eingetragen. Dem entsprechend ist dann abmustern, aus dem Dienst treten, gebildet, ohne daß der Begriff monstrare überhaupt noch in Betracht käme, der aber in dem kaufmännischen Muster und in Monstrum noch zu erkennen ist.
Mut, Mutte, die, ein Fahrzeug an der friesischen Küste mit flachem Boden und zwei Farunners anstatt einer Kajüte. Es sieht plump und wenig schmuck aus, so daß die Vermutung nahe genug liegt, der Name komme von mutte = Sau, Mutterschwein. Das ist nicht gerade fein, aber die Weserkähne werden von den Hamburgern Schweinsköpfe genannt, wogegen die Weserschiffer die Hamburger Ewer mit dem Ehrennamen „Kreijenkieper‟ nennen und von ihnen zu sagen pflegen: „Groß von Masten, klein von Lasten.‟