N.
Nachen, der, ist eigentlich kein seemännisches Wort mehr. Wohl ist es früher eins gewesen, denn im Beówulf wird naca sogar für seegehendes Schiff gebraucht, aber zur Zeit ist es nur bei Nichtseeleuten und nur im Binnenlande, namentlich in Hochdeutschland als gleichbedeutend mit Kahn, das auch kaum seemännisch gebraucht wird, üblich. — Es besteht die Neigung, Worten die mit a anlauten ein n vorzusetzen, z. B. ärs, närs; Ast, Nast; ost, nost; arren, narren (mit dem Schlitten fahren); ort, nort (Spitze). Das kommt daher, daß das n unbestimmten Artikels zu dem Anfangs-a des Substantivums hinübergezogen wird, wie Nobiskrug aus 'n Abyssuskrug entstanden ist. So könnte man Nachen erklären als Achen mit solch einem n davor. In der Tat findet sich nämlich dieses Achen in oberdeutschen Mundarten vor, niederdeutsch aak, ake, ak; niederländisch aak neben naak. Wenn man nun ak oder ach für die ursprünglichere Form ansehen dürfte, so ließ sich die Sache so erklären: man sprach von einer Achenfahrt und meinte damit eine Wasserfahrt (aha, ahwa, aqua, ach, ahe, a = Wasser) und hernach meinte man, zu Zeiten, da ach als Wasser nicht mehr verständlich war, Achen sei das, womit man auf den Wasser fährt, ein Boot. Dem steht aber die angelsächsische Form naca entgegen, da sich zur Zeit des Beówulf diese Bedeutungsverschiebung noch nicht vollzogen haben konnte. Es muß demnach eine andere Erklärung gesucht werden. Mit einiger Zaghaftigkeit hat man auf das lateinische navis hingewiesen. Ich möchte eine andere Möglichkeit erwähnen. Bekanntlich ist das lateinische nix aus snix entstanden. Dem entsprechend könnte auch in unserem Worte ein anlautendes s geschwunden sein. Dann käme es von einer Wurzel sna, snu und gehörte zum althochdeutschen snahhan = gleiten, schlüpfen, schleichen, kriechen, sich bewegen, fließen durchs Wasser gleiten, schwimmen, vergl. englisch snake, Schlange, auch niederdeutsch snake = Schlange. Dann wäre Nachen „ein durch Wasser dahingleitendes Ding.‟ Aber die Sprache hätte sich dann nicht mit einmaligem Schwund eines Anlautes begnügt, sondern es wäre ein zweimaliger erfolgt; es wäre außer dem s auch noch zuweilen das n abgefallen und Nachen wäre nicht aus Achen, sondern Achen aus Nachen entstanden.
Nachtwache, die, s. Wache.
Nadir, der, ist der dem Zenith entgegengesetzte Pol des Horizontes, der Fußpunkt im Gegensatz zum Scheitelpunkt, der Punkt der auf der anderen Seite der Erdkugel dem Scheitelpunkt entgegengesetzt ist. Arabisch und persisch nadir, nazir, von nazara gleich sein, sich entsprechen, entgegengesetzt sein, ein Gegenstück zu etwas bilden.
Nagelbank, die, ist ein an der Binnenseite des Wants oder sonst an passender Stelle angebrachtes Stück Holz, in dem die Koveinnägel zum Belegen laufenden Gutes befestigt sind.
Naht, die, bedarf nur im Sinne von Decksnaht einer Erklärung, indem es die Fuge zwischen zwei Decksplanken bedeutet. Es hat also mit nähen keine Gemeinschaft, kommt vielmehr vom althochdeutschen hnôjan, nuoen = einsetzen, genau zusammenfügen; davon althochdeutsch hno, nô, nua, nuo, nuoha = Fuge, schmale Ritze, Nut. Dieses Nut wäre die richtige Form des Wortes, wie es unsere Handwerker auch täglich gebrauchen, Naht aber ist auch eine der vielen Verdunkelungen, die von Unkundigen bei der Aufnahme ins Hochdeutsche verschuldet worden sind.
Nahrungszweig, erlaubter, nennt man wohl scherzhaft die Seefahrt. Wenn einer ihrer bei andauernd schlechtem Wetter oder sehr langem Seetörn recht müde ist und sie verwünschen möchte, so fängt er wohl mit einer Verwünschung an, unterbricht sich dann aber und sagt: „na, sie ist ja aber ein erlaubter Nahrungszweig.‟ Der Ausdruck stammt aus der alten Litanei, die auf Schiffen, wo ein Pfarrer ist, an Bord und in den Marinekirchen am Lande am Bußtag gebetet wird und bis vor Kurzem eine Fürbitte enthielt für Bergbau, Handel, Seefahrt „und andere erlaubte Nahrungszweige.‟ Das Gebet ist also zu einer Zeit verfaßt, in der die Seefahrt vielfach als unerlaubter Nahrungszweig, als Seeräuberei, betrieben wurde.
Navigationsoffizier, der, ist an Bord der Kriegsschiffe der Offizier der alles unter sich hat, was zur Navigation im engeren Sinne gehört, dessen Aufgabe vor allen Dingen die Bestimmung des Mittagsbestecks ist, der überhaupt die astronomischen Beobachtungen anzustellen und zu leiten hat, der das Meteorologische besorgt, unter dessen Verantwortung die Chronometer bedient werden, der die Karten- und Instrumentenkammer unter sich hat, also einen verantwortungsvollen Posten bekleidet. Daher wird ein älterer Offizier dazu genommen, der nächste nach dem ersten Offizier; er ist wachfrei und hat auch sonst mit dem Schiffsdienst weniger zu tun, damit er sich ganz seiner besonderen Aufgabe widmen könne. Unter ihm steht mit seinen Maaten und Gasten der Steuermann, den man bei der Marine eine Zeit lang Navigations-Bootsmann nannte; nicht sehr glücklich, so daß man erfreulicherweise bald wieder davon abkam. Das Fremdwort Navigation war schon früh im Gebrauch. Waghenaer gebraucht es schon 1588: „Alsoo onse particuliere Zee-Caerten die wy vande Westersche, Oostersche ende Noordtsche navigatien, eensdeels hebben laten vtgaen ende d'andere (met Godes hulp) mede van meyninghe syn eerstdaechs int licht te doen brenghen‟ ...
Napier'scher Turm, der, s. Turm.
Neer, das, heißt das fallende Wasser, der Ebbstrom, der zurückfließende, rückläufige Strom, das Wasser, das durch irgend ein Hindernis eine der Hauptströmung entgegengesetzte Stromrichtung erhält, wie dies bei der vorspringenden Stelle eines Ufers, bei einer Sandbank etc. etc. geschieht; niederländisch neer, neere = Gegenstrom. Doornkaat dürfte mit seiner Vermutung recht haben, daß neer Zusammenziehung von neder = niedrig sei, indem Ebbestrom das ursprünglich Ausschlaggebende war, und der hat niedrig Wasser im Gefolge.