Nehrung, die, Name der langen, schmalen Halbinsel an der preußischen Ostseeküste. Weil Nehrung eine schmale, also auch enge Landzunge ist, so hat man an das altsächsische narn enge gedacht. Da aber eine solche Landzunge leicht Änderungen in der Strömung, Strudel und dergl. erzeugt, so wäre in Betracht zu ziehen, ob wir hier nicht eine Weiterbildung von Neer (s. d.) vor uns haben.
Nes, die, auch Nesse, Halbinsel, Vorsprung, Landzunge, Name der Halbinsel Nesse bei Emden, der Ortschaft Nesse bei Norden; englisch ness, in Sheerness; altnordisch, norwegisch nes; schwedisch näs, dänisch nes, naes Vorgebirge, Kap; Lindesnäs und andere. Das Wort ist kein anderes als die niederdeutsche Form für unser hochdeutsches Nase.
Niklausse-Kessel s. Kessel.
Niederdruckmaschine s. Maschine.
Niederholer, der, ist ein laufendes Tau, das an solchen Segeln angebracht wird, die, wenn ihr Fall losgemacht ist, nicht von selbst sinken, sondern, eben mit Hilfe des Niederholers, niedergeholt werden müssen. Er wirkt in der entgegengesetzten Richtung des Aufholers. Klüver und Stagsegel haben dergleichen Niederholer. — Auch gibt es Niederholer für die Bramrahe und Oberbramrahe, die mit diesem Niederholer an Deck bezw. in den Mars niedergeholt werden.
Nipflut, die = niedrige Flut. Das niederdeutsche Zeitwort nippen heißt mit dem Kopfe nicken, den Kopf sinken lassen. Dem entspricht das Hochdeutsche nippen, den Kopf öfters sinken lassen um in kleinen Schlucken zu trinken. Mittelniederdeutsch nipen sinken, niedergehen, heruntergehen, sich senken. Ein niederdeutsches Substantiv nip heißt Nicken, das Sichneigen des Kopfes. Von dem allgemeinen Begriff niedergehen kommt das angelsächsische nipan = obscurari, weil niedergehende Gestirne dunkel werden, bezw. dunkel machen. Es ist also Nipflut mit „niedrige‟ Flut zu übersetzen. — Breusing mochte dieses Wort vergl. „Gezeiten‟, nicht leiden, weil er es für englisch und deutschen Seeleuten unverständlich hielt. Er möchte dafür „taube Gezeit‟ eingeführt sehen. „Man unterscheidet Springzeit und taube Gezeit in ähnlichem Sinne, wie man leere, taube Schoten von denen unterscheidet, die aufspringen, wenn sie voll und reif sind.‟ Es hat sich aber Nipflut so in der wissenschaftlichen Welt eingebürgert, daß an ein Verdrängen nicht zu denken ist. Nach obigem ist es auch gar nicht so ausschließlich englisch wie Breusing dachte; ebensowenig wie tide (s. d.) englisch ist.
nisseln, fein, sanft, langsam regnen, so daß keine großen Tropfen, ja überhaupt kaum Tropfen, sondern kaum etwas mehr denn feiner Nebelregen herniederkommt. Das niederdeutsche Zeitwort nüsseln heißt langsam sein, zaudern, säumen, nicht vorwärts kommen, nichts beschicken, keine ganze Arbeit tun. Offenbar ist letzteres auch die Bedeutung von nisseln = regnen, ohne daß es ganzer, richtiger Regen ist, regnen mit halber Kraft, mit halber Arbeit. Nüsseln könnte gleich nüsteln sein, und dieses ist gleich nesteln, kleine, tiftelige Arbeit tun, Arbeit die viel Zeit braucht, ohne daß sie viel zu Stande bringt.
Nitsel, das, auch Nitzel geschrieben, heißt ein dünnes, kurzes, getakeltes Stücken Garn, mit dem die Seeleute ihre Wäsche an der Wäschejolle zum Trocknen aufhängen oder vielmehr festbinden, besonders aber das Bändsel oder Nestel, mit dem man die Hängematte zusammennestelt, zurrt. Für Nestel hört man wohl auch Nistel und davon ist Nitsel eine einfache Umstellung.
Nock, die, die spitze Ecke eines Segels, die äußerste Spitze einer Rahe. Weiland: „Nok een woord, dat in het gemeen het opperste toppunt van iets, het niderste einde schijnt beteekend te hebben. In het bijsonder is het in gebruik voor het opperste van het dak.‟ Auch im Niederdeutschen wird es für First gebraucht; norwegisch nuk, Bergspitze. — Die Grundbedeutung ist biegen, beugen, krümmen, in einem Winkel sich umbiegen, eine scharfe Ecke bilden. So hieß also zuerst die äußerste Ecke des Segels Nock, und von ihr ist der Name auf den nächstbenachbarten äußersten Teil der Rahe übergegangen; wie umgekehrt der Name Klau vom Ende der Gaffel auf den benachbarten Teil des Segels überging. — Da durch das Nicken eine Biegung und Krümmung entsteht, so wird Nock zu nicken zu stellen sein und als verwandt mit Nacken und Genick angesehen werden müssen.
Nockgording s. Gording.