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Hiermit ist nun eigentlich unsere Geschichte zu Ende, denn sie heißt: „Das erste Wort der kleinen Elinontis.“ Die kleine Elinontis hat ihr erstes Wort gesprochen. Sie hat nilchnscho zu Ina gesagt. Weil nun aber die kleinen Leser und Leserinnen auch Ina und Elinontis lieb gewonnen haben, so möchten sie gewiß gern wissen, was später aus ihnen geworden ist. So soll das denn hier noch kurz zum Schluß gesagt werden.
Elinontis hat nicht gewartet, bis sie in der Schule die Sprache Inas gelernt hatte. Sie hat seit jenem Abend angefangen, in ihrer Indianersprache mit der Freundin zu reden. Ina hat ihr in ihrer Sprache geantwortet, und ehe etliche Monate vergangen waren, konnten die beiden einander ganz gut verstehen. Ina lernte ein Indianerwort nach dem anderen und Elinontis behielt mit seltener Geschwindigkeit, was Ina ihr in ihrer Sprache beibrachte. Als Elinontis dann im Herbst in die Schule kam, konnte sie schon so viel Englisch verstehen, daß die Lehrerin sie bereits am zweiten Tage in die Abteilung der Kinder einreihte, die eine Fibel hatten. Die Freude der kleinen Elinontis war groß. Acht Jahre lang ist Elinontis dann in die Schule gegangen. Wenn sie am Abend nach Hause kam, ging sie zuerst zu ihrer Mutter. Es verging aber kein Tag, ohne daß sie zu Ina kam. Je älter sie wurde, desto mehr lernte sie in der Schule und besonders von Ina. Bei letzterer lernte sie nähen, stricken, stopfen und flicken, kochen und waschen. Sie lernte aber auch das Beste und Wichtigste, was ein Mensch lernen kann und was man in den Regierungsschulen in Amerika nicht lernt, weil die Gesetze des Landes es verbieten. Ina unterwies ihre kleine Elinontis in allem, was die Heilige Schrift lehrt. So lernte Elinontis Jesum kennen und lieben.
Als sie nach acht Jahren aus der Schule entlassen wurde, kam auch Kodaggo aus der hohen Schule, die er im Osten besucht hatte, zurück. Er hatte die kleine Elinontis nicht vergessen. Nach einigen Wochen wurde sie seine Frau.
Kodaggo erhielt eine Anstellung als Indianerfarmer. Dies bedeutet, daß er die Indianer im Ackerbau unterweisen mußte. Kodaggo hatte auf der hohen Schule die Ackerbaukunst gründlich studiert und ein Zeugnis der Reife mitgebracht, das ihn zu einer Ackerbaulehrerstelle auf einer Indianerreservation berechtigte.
Kodaggos Stellung brachte ihm außer einem schönen monatlichen Gehalt auch ein Wohnhaus. Es war gerade so ein Haus, wie Ina es bewohnte, nur war es geräumiger, weil es für eine Familie berechnet war. Elinontis Freude war groß. Nun bekam sie Stühle und Tische, einen Kochofen, Bilder, Spiegel und lauter Sachen, wie Ina sie hatte. Kodaggo mußte das alles kaufen. Eins brauchte er aber nicht zu kaufen. Ein Bett, gerade so eins, wie sie selber hatte, mit einer eben solchen schönen, weichen weißen Decke, wie Elinontis sie so gerne hatte, schenkte Ina dem jungen Paare zur Hochzeit.
Ina blieb nach Elinontis Vermählung noch etliche Jahre auf der Reservation, dann aber zog sie in ihre ferne östliche Heimat zurück. Bis zu ihrem Lebensende machte sie jedoch jeden Sommer einen Besuch bei ihrer Elinontis.
Kodaggo und Elinontis sind keine Heiden geblieben. Eine Missionsgesellschaft sandte einen Missionar auf die Reservation. Der hat die beiden bald kennen gelernt. Sie wurden an ein und demselben Tage, samt ihrem ersten Kinde, getauft. Das Kind erhielt den Namen Ina. Deren Patin kam aus dem fernen Neuyork, um das Kind über die Taufe zu halten. Es war eine große Freude, denn Kodaggo und Elinontis waren lange Jahre ohne Kinder gewesen.
Kodaggo bekleidet noch heute die Stellung als Indianerfarmer. Er ist hoch geachtet bei den übrigen Indianern. Elinontis hat Freundschaft mit Inas Nachfolgerin geschlossen. Wenn sie Zeit hat, begleitet sie die Feldmatrone auf ihren Ritten zu den Indianerhütten und hilft ihr, das Zutrauen der Indianerfrauen zu gewinnen.
An Kodaggo und Elinontis hat sich das Wort der Schrift erfüllt: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“