Noch immer saß Johann still auf seinem Platze und guckte nachdenklich in sein Glas.

Der Gastwirt stand hinter dem Schanktisch und war mit müden Bewegungen dabei, die leeren Biergläser in einem mit Wasser gefüllten, hölzernen Schaff zu spülen. Er war ein kleiner, dicker Mann, dem das schwarze, gestickte Käppchen mit der roten Quaste würdig auf dem kurzgeschnittenen, weißen Haar saß. Den kugelrunden Bauch umspannte gerade auf der Stelle, wo er den größten Umfang, hatte das Band einer frischgewaschnen blauen Schürze und teilte ihn mit derselben gewissenhaften Genauigkeit in eine nördliche und südliche Hemisphäre, wie dies der Äquator mit der Mutter Erde freundlicherweise und unverdrossen noch bis auf den heutigen Tag tut.

Während des Gläserspülens flogen die schläfrigen Augen des gutmütigen Alten von Zeit zu Zeit prüfend hinüber zu dem zurückgebliebenen Gast, der noch immer keine Anstalten zu gehen machte.

»Na, Johann,« rief der Wirt endlich dem Schafhirten zu, »ich dächte, Du gingest jetzt auch heim. Du träumst wohl schon von dem Dutzend Klößen, das Du morgen Mittag wieder essen wirst?«

Der Angesprochene aber sah den verschmitzt lächelnden Wirt mit großem Ernst an und fragte:

»Vater Böhme, habt Ihr’s gehört, wie der Bauer vom Rabenstein heut Abend gesagt hat, jeder müsse jetzt dem Vaterlande einen Dienst leisten?«

»Ja, so ähnlich hat’s schon geklungen, was er gesagt hat, der treffliche Konrad, aber Dich, Johann, hat er damit nicht gemeint. Zerbrich’ Dir den Kopf nicht darüber.«

Der aber blieb hartnäckig bei der Sache und fragte von neuem:

»Vater Böhme, habt Ihr schon Euern Dienst getan?«

»Noch nicht, Johann. Aber wenn die Männer ausmarschiert sein werden, dann wissen es schon diejenigen Frauen, die es bedürfen, daß an jedem Sonnabend nach Feierabend beim Vater Böhme ein großer Topf Fleischsuppe für sie bereitstehen wird.«