Und er hob den Stamm und holte mit einer drohenden Gebärde aus, als wolle er seine Worte zur Tat machen.

Der Angekommene aber stand dem Erregten so ruhig gegenüber, als wenn ihn dessen Drohung nicht im geringsten anfechte. Die Hände in den Taschen seines langen, grauen Kittels verborgen, sah er gelassen in die zornfunkelnden Augen und hielt den Blick mit großem Gleichmut aus.

So verstrich eine Sekunde. Dann wandte sich der Fuhrmann ab, spuckte in weitem Bogen in die Flammen, warf mit tiefem Lachen den Baum zur Erde und setzte sich zugleich nieder.

Noch immer laut lachend rief er:

»Da hat mich doch dieser Einfaltspinsel zum Angsthasen gemacht. Ich kann’s aber auch auf den Tod nicht leiden, wenn’s einer darauf anlegt, mich zu erschrecken. Komm, Du Schlingel, setze Dich zu mir und hilf mir die Langweile bannen. Hast eine beneidenswerte Gemütsruhe an Dir, Bursche. Hahaha, steht da wie ein Pfahl, und doch hätt’ ich ihn beinahe totgeschlagen.«

Der Angesprochene setzte sich bedächtig zur Seite des Fuhrmanns nieder und ließ mit Behagen die wohltuende Wärme des Feuers auf sich wirken. Unterdessen brachte der Fuhrmann aus der Tasche seines Mantels eine kurze Pfeife mit selbstgeschnitztem Kopfe hervor, nahm einen brennenden Spahn und zündete sie an.

»Wer bist Du denn, Du maulfauler Geselle?« hob er endlich an.

»Ich bin Johann, der Schafhirt von Rehefeld,« antwortete der Gefragte mit einem Anflug von bewußtem Stolz.

Der Fuhrmann spuckte zweimal kurz nacheinander aus, warf wieder einen langen Blick auf den Burschen an seiner Seite und sagte mit Ausdruck:

»Je länger ich Dich betrachte, mein Freund, umso aufdringlicher kommt mir die Ueberzeugung, daß keines Deiner allergrößten Schafe dümmer sein kann als ich vorhin gewesen bin. Aufrichtig gesagt, ich hätte mir selbst leid getan, wenn ich Dich totgeschlagen hätte.«