»Mir auch,« versicherte Johann einsilbig, denn er dachte nur an das, was er zu tun entschlossen war.
Der Fuhrmann nahm die Pfeife aus dem Munde, spuckte bedächtig in die Glut und warf einen neuen, verstohlenen Blick zur Seite. Dann versetzte er:
»Bursche, Du bist entweder ein mit allen Salben geschmierter Windhund, oder ein ausgemachter Narr!«
Johann hatte aber kein Interesse daran, was der fremde Mann von ihm dachte. Sein armseliges Hirn hatte einen Plan ausgesonnen, so groß, wie ihm noch keiner geworden war und der seine ganze geistige Kraft alarmiert hatte. Freilich war sein Hirn von der Mutter Natur recht stiefmütterlich bedacht worden, dafür regte sich aber in ihm alle jene instinktive Verschmitztheit und Schlauheit, die die mit feinen Verstandeskräften nicht sonderlich ausgerüsteten Menschen in bedeutungsvollen Augenblicken überkommen. Jetzt empfand er es auch, daß dieser Mann neben ihm seinen ganzen herrlichen Plan vereiteln konnte, und daß es nur von seiner Geschicklichkeit abhinge, ihn nicht argwöhnisch zu machen.
»Ihr habt am Abend die Pferde aus den warmen Ställen gezogen,« sagte er, »Ihr wollt doch nicht etwa zur Nacht aufbrechen?«
»Daß Dir der leibhaftige Gottseibeiuns das Genick umdrehe,« antwortete der Fuhrmann, »bist Du etwa von den Preußen als Spion hergeschickt, he?« Bei diesen lautgesprochenen Worten nahm der Fuhrmann die Pfeife aus dem Munde und sah den Schafhirten scharf an, als wolle er im Grunde seiner Seele lesen.
Dieser aber bewahrte seine gutgespielte Harmlosigkeit, kicherte leise vor sich hin und versetzte:
»Hab’s noch nicht probiert mit diesem saubern Handwerk. Soll ja viel einbringen, aber bisweilen auch den Hals kosten. Und was tut der Mensch dann ohne Kopf? Seinen klingenden Lohn kann er nicht mehr genießen und bleibt obendrein ein Krüppel zeitlebens.«
Der Fuhrmann hatte wieder beruhigt ausgespuckt und lachte jetzt laut auf.
»Du gefällst mir, Bursche,« rief er und schlug Johann derb auf das Knie. »Du hast recht, es ist ein bißchen windig mit dieser Karriere. Sonst hätte ich mich selbst schon längst damit befaßt.«