Da sprang Heinrich in die Höhe. Eine unbändige Wut flammte in ihm auf. Gierig griff er nach den umherliegenden Steinen und schleuderte sie nach dem Zeughaus. Aber das befriedigte ihn nicht. Als er neben sich einen Turner das Gewehr auf das von der Zeughausbesatzung schnell wieder verrammelte Tor richten sah, sprang er hinzu, riß ihm die Waffe aus der Hand und schoß sie über aller Köpfe hinweg ab. In diesem Augenblick fühlte Heinrich eine unwiderstehliche Schwäche. Er griff mit den Händen in die Luft und sank zu Boden. Wie im Traum merkte er noch, daß man ihn aufhob und forttrug. Dann schwand ihm das Bewußtsein.

Als Heinrich aus seiner tiefen Ohnmacht erwachte, war es stockfinster. Endlich gewöhnte sich aber sein Auge an die Dunkelheit, und er sah eine kleine Öllampe hängen, die nur ein schwaches Licht verbreitete.

Er lag in einem Bett, das in einem großen Raum stand, der zwei Reihen von Betten enthielt. Zuerst wußte er nicht, wie er hierher gekommen war, bis sich die Erinnerung langsam einstellte. Der Lärm vor dem Zeughaus gellte ihm mit einem Male wieder in den Ohren, und nun entsann er sich deutlich, daß ihm nach dem Schuß, den er abgegeben, die Sinne geschwunden waren.

Heinrich sah sich um. Neben ihm lag ein alter Mann, der ihn neugierig betrachtete.

»Sie müssen einen ganz grimmigen Schlag vor den Kopf bekommen haben,« sagte dieser leise. »Ist Ihnen jetzt wieder wohl? Sie liegen in der Klinik.«

Heinrich sah den Sprecher fragend an. Was dieser redete, war ihm unklar.

»Na,« fuhr der Nachbar gutmütig fort, »Sie sind wieder bei sich, das sehe ich nun schon. Mit mir ist es auch schneller gegangen, als ich geglaubt hätte. Gerade wie ich mich nach dem ersten Stein bückte, wurde ich umgestoßen und mit Füßen getreten. Eine Weile hält man das für eine so gute Sache wie die unsrige schon aus. Endlich wurde mir's aber doch zuviel, und ich konnte nicht mehr aufstehen. So bin ich hierher gekommen. Als man Sie hereinbrachte, dachte ich, es sei ein Toter.«

Mit schwerer Zunge versetzte Heinrich:

»Jetzt erinnere ich mich, daß ich plötzlich einen starken Schmerz an der Schläfe verspürte.«