»Wieviel Kompagnien, sagten Sie, stünden auf dem Zeughausplatz?«
»Drei! Eure Barrikade mit der geringen Besatzung ist für einen solchen Ansturm zu schwach.«
»Der Mann hat recht; wahrhaftig, er hat recht,« wandte sich der Turner an seine Kameraden. »Wozu sollen wir uns umsonst opfern? Auf dem Neumarkt werden unsere drei Dutzend Gewehre besser gebraucht. Auf, Brüder, ziehen wir nach Hotel Rom!«
Diesen Worten wurde lärmend zugestimmt. Die Mutigen waren klug genug, die Nutzlosigkeit ihres Ausharrens einzusehen, und den weniger Herzhaften kam der Abzug von dieser gefährlichen Stelle gelegen. Lieber aus den Fenstern eines verrammelten Hauses herausschießen, als einen Sturm auf freier Barrikade abwehren.
»Nach Hotel Rom!« schrie es durcheinander, und die Besatzung kletterte von der Barrikade herab.
Um die Lippen des Mannes mit dem Asketengesicht spielte ein verächtliches Lächeln; – schweigend lief er seinen Leuten nach. Auch Heinrich schloß sich den Zurückgehenden an, nachdem er gesehen, wie Professor Richter die Rampische Gasse zurückeilte, an deren Ende der zum Angriff schreitende vorderste Schützenschwarm soeben sichtbar wurde.
Kaum hatte der Trupp der abziehenden Freischärler den Neumarkt betreten, als er schon von der Bildergalerie her lebhaft beschossen wurde. Sogleich begannen einige zu laufen.
Da klang die erzürnte Stimme des Geistlichen im Insurgentengewand:
»Ein Feigling, wer läuft! Will das streitende Bürgertum sich zum Gespött der Knechtenden machen?«
Diese Worte brachten wieder so viel äußerliche Ruhe in den Haufen, daß die Männer ohne Hast weitermarschierten, ungeachtet der vielen vorbeischwirrenden Kugeln. Wenn eine solche dicht über sie hinwegpfiff, zog jeder unwillkürlich den Kopf ein, obwohl alle wußten, daß das Geschoß bereits vorbeigeflogen war, wenn sie sein Pfeifen hörten.