Der Mann auf der Barrikade stand wie eine Bildsäule, die Rechte auf das Gewehr gestützt, die freie Hand in die schwarzrotgoldene Binde geschoben, die den hageren Leib umschloß.

»Das Vaterland hat seine Söhne gerufen,« antwortete er mit unerschütterlichem Gleichmut, »sie sind gekommen und bereit, für sein Heil zu sterben. Wer für die höchsten Güter der Menschheit kämpft, erwirbt sich die Liebe des himmlischen Vaters!«

Professor Richter fuhr erbittert auf. Der Mann war ein Schwätzer, und die Sekunden waren zu kostbar, sie für die Bekehrung eines Fanatiker hinzugeben.

»Leute!« schrie er der Barrikadenbesatzung zu, die dem Wortwechsel aufmerksam zugehört hatte, »ich muß euern Mut ehren. Aber besonnenen Männern ziemt es, von einer nutzlosen Tollkühnheit abzustehen. Ihr habt die Pflicht, euer Leben nicht in den Wind zu schlagen! Setzt es dort ein, wo Ihr dem Vaterland damit nützen könnt. Seid vernünftig und räumt die Barrikade!«

Der tiefe Eindruck dieser Rede auf die Barrikadenmänner war offensichtlich. Was der da unten sprach, traf den Nagel auf den Kopf.

Professor Richter bemerkte ihr Schwanken.

»Die Kindschen Häuser,« rief er, »und die beiden Hotels an der Moritzstraße sind längst noch nicht stark genug besetzt. Das sind Stützpunkte, die wir behaupten müssen! Geht dorthin und verstärkt die Besatzung. Aber zögert nicht mehr! Die Truppen können jeden Augenblick angreifen.«

Der Kommandant fühlte die starke Wirkung dieser Worte auf seine Leute. Und er las auf ihren Mienen, daß der Warner sie überzeugt hatte. Nur wenige schienen noch unschlüssig zu sein.

Da feuerte er mit zündender Rede noch einmal zum Bleiben an. Aber seine Stimme wurde niedergeschrien. Und aus der Mitte der Erregten trat einer in Turnerkleidung an die Brüstung und rief hinab: