»Was wünschen Sie, mein Herr?« fragte der Kommandant mit tiefklingender Stimme und in unverfälschter oberlausitzer Mundart.
Professor Richter antwortete:
»Ich ersuche Sie dringend, Ihren Leuten die Weisung zu geben, die Barrikade sofort zu räumen. Auf dem Zeughausplatze stehen drei Kompagnien der leichten Infanterie, die in wenigen Minuten zum Sturm vorrücken werden.«
»Sie sollen kommen,« versetzte der Hohläugige gelassen. »Wir harren ihrer schon längst.«
»Es wäre Wahnwitz, wenn Sie den Angriff abwarten wollten! Gegen diese Übermacht können Sie nichts ausrichten.«
»Es verlangt uns danach, für die Freiheit zu sterben; Gott wird mit uns sein und unser Auge schärfen und unsern Arm stark machen!«
»Aber Sie opfern sich mit ihren tapfern Männern umsonst. Der Ansturm der Truppen wird Sie über den Haufen werfen.«
»Wer den Sieg erringen soll, steht bei dem droben!« antwortete der Lange mit mühsam gebändigter Leidenschaft.
Das Pathos dieser Worte befremdete Professor Richter, und er ahnte den Geistlichen in dem Sprecher.
»Nun, mein Herr!« rief er ungeduldig, »wenn Sie den Namen des Allmächtigen so geflissentlich im Munde führen, dann kennen Sie sicher auch das göttliche Wort: Wer unnütz Blut vergießt, des Blut soll auch vergossen werden.«