»Wenn es Ihren Schützlingen noch an etwas Unentbehrlichem fehlt, sagen Sie mir's bitte. Vielleicht kann ich helfen.«

Valentine dankte noch einmal und verließ sodann das Zimmer.

Als sie wieder zu ihren Kranken kam, fand sie einen Arzt vor, der nach den Verwundeten sah. Er lobte die verständig angelegten Verbände und gab dem Mädchen Verordnungen für die Schwerverwundeten. Dann entfernte er sich eilig, da er noch an andern Orten nachsehen müsse. Am nächsten Vormittag, versprach er, wiederzukommen.

Nachdem er gegangen und Valentine noch die Wünsche einiger Kranken erfüllt hatte, setzte sie sich mit dem jungen Mädchen zusammen an den kleinen Tisch, der zwischen den beiden Fenstern stand.

Valentine fühlte sich erschöpft. Aber ihre Befriedigung war größer als die Abspannung. Sie lehnte sich in den Stuhl zurück und ihre Gedanken eilten zu dem alten Haus in der kleinen Brüdergasse – – –

Das Krankenzimmer wurde durch zwei Kerzen beleuchtet. Ein starker Geruch von Arznei und Verbandmitteln herrschte darin. Die meisten Kranken schliefen. Einige warfen sich unruhig in den Betten hin und her und stöhnten laut. Wenn einer etwas verlangte, huschte die Magd mit unhörbaren Schritten zu ihm hin.

Auch an den Fremden mußte Valentine denken. Sein ruhiges und bestimmte Wesen hatte ihr Vertrauen eingeflößt. Vor allem pries sie aber seine Bereitwilligkeit, mit der er sogleich auf ihren Wunsch eingegangen war. Er stammte sicherlich aus höheren Kreisen und verurteilte den Aufstand. Aber für ihre Verwundeten besaß er doch ein warmes Herz. Das hatte sie aus dem Ton seiner Stimme herausgehört.

Was aber Valentinens weiblichem Empfinden besonders wohlgetan hatte, war die ritterliche Art, mit der er ihr begegnet war.

Da klopfte es leise an die Tür, und das junge Mädchen ging, um nachzusehen. Valentine hörte draußen eine Männerstimme gedämpft sprechen, worauf die Magd ihr winkte. Als Valentine auf den Korridor trat, stand der weißhaarige Kammerdiener vor ihr.

»Fräulein, mein Herr würde sich freuen, wenn Sie mit ihm zur Nacht speisen wollten.«