»Herr Stabsarzt,« sagte dieser, »geben Sie uns den armen Teufel. Er kann bei uns ebenso ungestört sterben, wie anderswo.«
Der Stabsarzt erklärte sich einverstanden.
»Fahren Sie nur geradezu,« wandte sich der alte Herr an den Kutscher. »Es sind bloß ein paar Minuten; das erste Haus in der Glacisstraße ist es.«
Der Lazarettgehilfe stieg wieder auf den Bock, und die Pferde zogen langsam an. Der alte Herr hinkte ein wenig, doch blieb er mit seiner Begleiterin dicht hinter dem Wagen.
»So, da sind wir ja schon,« sagte er, als sie die Glacisstraße erreicht hatten, und führte die junge Dame in das Haus.
»In die obere Giebelstube lassen wir ihn bringen,« sagte diese. »Dort liegt er am ruhigsten. Ich werde gleich in die Diakonissenanstalt nach einer Schwester schicken.«
Inzwischen hatte der Lazarettgehilfe mit dem Kutscher die Trage vom Wagen gehoben und brachten sie nun in die sonnenhelle Hausflur, wo sie ihre Last niederstellten.
Auf der Bahre lag mit wachsbleichem Gesicht und geschlossenen Augen ein junger Offizier vom 1. Linien-Infanterieregiment Prinz Albert. Sein Aussehen war das eines Toten. Neben ihm stand ein zerschossener Tschako. An seiner rechten Seite lag der bloße Säbel. Der Faustriemen des Portepees war um das Handgelenk geschlungen.
Die Blicke des alten Herrn richteten sich teilnahmvoll auf den Ohnmächtigen. Da zuckte der Greis in jähem Schreck zusammen und sah schnell nach seiner Enkelin. Ursula von Abendroth lehnte totenblaß an der Wand. Ihre Brust bewegte sich unter heftigen Atemstößen stürmisch auf und nieder, und ihre großen Augen ruhten starr auf der Gestalt des Verwundeten.
»Liebe Leute,« stammelte der Kriegsrat in ungeheurer Erregung, von einem Fuß auf den andern tretend, »unsere Räume reichen doch nicht – ich irrte mich – und mit der Pflege wird es auch hapern – bringt Euern Kranken doch lieber nach der Loge …«