Das war für ihren Mund stahlscharf gesprochen. Allmer empfand den Stich und schwieg. Endlich versetzte er mit gut gespielter Harmlosigkeit:
»Die Menschen, die dort zusammenkommen, liebe Tante, sind sehr interessant. Es wird auch nicht immer von Politik geredet. Und Fräulein Marschall,« schloß er in leichtem Tone, »ist eine wohlerzogene junge Dame und für ihr Alter recht klug.«
Nun war es heraus, worauf Tante Sidonie hinzielte.
Der flache Busen der Schweigenden hob sich einige Male höher als sonst, bevor sie, ohne aufzusehen, langsam sagte:
»Wenn ein Mann mit Verpflichtungen, wie du, wiederholt in einem Hause verkehrt, in dem sich ein junges Mädchen befindet, so gibt dies leicht Anlaß zu falschen Deutungen.«
Kurt Allmer schwieg. Da fuhr sie fort:
»Dein Herz ist gebunden! Fühlst du innerlich nicht einen leisen Widerstreit, wenn du dort bist?«
Der junge Offizier errötete.
»Valentine Marschall besitzt ungewöhnliche Geistesgaben,« sagte er rasch, »und viel weibliches Empfinden. Mein Verhältnis zu ihr ist wirklich ganz harmlos. Ich plaudere gern mit feingebildeten jungen Damen.«
»Glaubst du nicht, daß Ursula darunter leidet, wenn du ihr selbst nur einen geringen Teil deiner Neigung entziehst, um sie einem anderen Mädchen zuzuwenden?«