Hier schwieg die Stimme. Der Leichtschlummernde hörte draußen auf dem Waffenplatz die langsamen Schritte des Postens vor dem Gewehr in die Nacht hineinschallen. Sonst war alles still. Wenn der König sprechen würde! Dann müßten sich die Unzufriedenen im Lande bescheiden. Und gäben sie ihre feindselige Haltung dennoch nicht auf, so läge es für jeden Gutgesinnten klar zutage, daß die Entrüstung über die ablehnende Haltung des Königs nur als Deckmantel diente, unter dem man das Volk zu Gewalttaten gegen die staatliche Ordnung aufreizte.
Dann hätte der alte Kriegsrat recht. Und wer es mit dem Wohl des Volkes ernst meinte, müßte der Bewegung den Rücken wenden. –
Während der Vormittagstunden war der Verkehr vor der Hauptwache wieder sehr lebhaft. Wie tags vorher umstand eine gedrängte Menge die Einfriedigung des Waffenplatzes, meist übles Gesindel, das den Soldaten freche Worte zurief. Die Erregung steigerte sich, als allgemein bekannt wurde, drei Minister, unter ihnen Herr von Ehrenstein, hätten abgedankt. Sie wollten mit ihrem Rücktritt beweisen, hieß es, daß sie die reaktionären Ansichten der im Amt verbleibenden Minister von Beust und Rabenhorst nicht teilten.
Kurz vor der Wachtablösung wurde Heinrich aus der Wachtstube gerufen, da ihn jemand sprechen wolle. Und wie er den Flur des Wachtgebäudes betrat, sah er die Köchin von Marschalls.
»Heinrich, die Madam ist plötzlich krank geworden,« sagte Anna zu ihm.
Heinrich erschrak.
»Was fehlt ihr denn?« fragte er bestürzt.
»Professor Richter war schon zweimal bei ihr,« antwortete das Mädchen. »Madam hat hohes Fieber. Der Herr Advokat ist außer sich. Komm nur heute abend einmal hin.«
Heinrich warf einen raschen Blick durch die offengebliebene Tür in die Wachtstube, wo die Mannschaften schon die Tornister auf den Rücken warfen.