»Vor wenigen Tagen sagte mir Schönberg, die Kameraden verstünden nicht, wie ich noch immer für die Forderungen der demokratischen Partei Sympathien hegte. Auch Sie, Wetzig, werden diese Stimmen gehört haben …«
Oberleutnant Wetzig nickte.
»Ich gestehe freimütig,« fuhr Kurt fort, wobei seine mühevolle Sprechweise verriet, wie es in ihm arbeitete, »daß ich wünschte, die Forderungen möchten bewilligt werden, denn ich hielt sie für gerecht. Ähnlich haben sich, mehr oder weniger entschieden, viele von uns ausgesprochen.«
Der Oberleutnant nickte wieder.
»Nachdem ich jetzt aber gehört, daß man fortfährt, das Volk aufzureizen, obwohl die Forderung erfüllt ist, von deren Bewilligung, wie die Demokraten bisher behaupteten, allein der Frieden des Landes abhinge, – jetzt darf ich keine Minute länger einer Partei innerlich zustimmen, deren Führer so verwerfliche Mittel benutzen. Meine warme Anteilnahme für die Sache ist erloschen. Ich bin aus einem Anhänger zu ihrem Gegner geworden!«
Kurts Erregung hatte sich, während er sprach, immer mehr gedämpft. Nun schöpfte er ein paarmal tief Atem und sagte:
»Ich habe besonders dem Advokaten Marschall meine Sympathien nicht verhehlt. Deshalb werde ich ihn sogleich aufsuchen, um ihm zu erklären …«
»Langsam, lieber Allmer,« mäßigte Wetzig. »Ich verstehe recht gut, was Sie empfinden. Aber Sie werden sich gedulden müssen. Die Truppen sind durch Kommandanturbefehl konsigniert.«
»Herr Oberleutnant, ich bitte um eine Stunde Urlaub,« entgegnete Kurt in dienstlichem Ton, indem er sich verneigte.
Wetzig konnte nur schwer ein Lächeln unterdrücken.