»Das weißt du nicht? Das war mein Vater, Georg Waltklinger, – der Burgemeister der Stadt!«

An uralten, geschnitzten Truhen vorbei, waren sie alsdann auf die hölzerne Galerie getreten, die in jedem Stockwerk rund um den Hof lief und Lustgänglein hieß. Hier saß eine Magd und schabte Möhren, und die alte Hanne hängte Wäsche auf die Leine.

Nun gingen sie wieder in das Haus zurück, und das Mädchen ergriff wie draußen im Wald seine Hand und lief mit ihm treppauf, treppab und durch vielerlei Gelasse, deren Decken von starken Balken getragen wurden.

Der Jüngling empfand noch heute den unauslöschlichen Eindruck, den das alte Haus mit seinen breiten Treppen, den Kreuzgewölben, den eisenbeschlagenen Türen und den geheimnisvollen, dunklen Winkeln und vergitterten Fenstern auf ihn gemacht.

In einer der Stuben war er plötzlich stehengeblieben und hatte das Kind gefragt:

»Was ist das für ein gemalet Bildnis dort über der Stubentür? Wer ist dieser Mann, der mit so klugen Augen herabschaut?«

Daraufhin hatte das Mädchen mit mitleidigen Blicken geantwortet:

»Die alte Hanne schilt mich oft unwissend. Ich glaube aber, Bernhard, du bist es noch mehr als ich. Dieses Bildnis ist das des Doktors Martin Luther!«

Da war er aufgefahren:

»Derselbe Mann, der von Wittenberg aus die abscheuliche Lehre verbreitet, so gerichtet ist wider die hohen Sakramente der heiligen Kirche?«