»Genug, Freunde,« sagte er, »zwischen uns besteht Klarheit. Laßt meine Rede auf Euch wirken, sie ist gut gemeint.«
Und ohne eine Antwort abzuwarten, drückte er beiden Männern die Hand und ließ sie allein.
Die ruhigen Worte hatten auf die Zuhörer Eindruck gemacht. Als Sorgenfrei sie verlassen, schwiegen sie eine Weile. Dann fragte Niclas Anesorge etwas kleinlaut:
»Nun, Burgemeister, wie stellst du dich dazu?«
Waltklinger warf einen raschen Blick durch das Fenster, hinab auf den Markt, wo der Ausrufer mit der Klingel gerade verkündete, was sich in der verflossenen Nacht im Dom zugetragen hatte. Endlich versetzte er:
»Sorgenfrei ist ein Schönseher. Schon immer war er's. Nun er den Glaubenshader glücklich beseitigt weiß, meint er, Bürger und Adel brauchten sich nur in die Arme zu fallen. Ich wäre nicht abgeneigt, Frieden zu schließen. Aber der Bürger möchte Kratzfüße machen und mit krummem Rücken demütig bitten. So will es der Adel. Und so wird es nicht! Um Freundschaft bitten, haben wir nicht nötig. Ist es den Herren ehrlich daran gelegen, so mögen sie kommen. Hochmütig anschauen werden wir sie nicht. Bis dahin aber Gott befohlen!«
Anesorge lächelte.
»Du redest gut, Burgemeister. Auf dich ist immer Verlaß. Bis jetzt war das Pfaffengesindel der grimmigste Feind, nun ist es der Adel. – Und wie denkst du über den Amtmann?«
Waltklinger zog die Brauen zusammen.
»Dem trau' ich nicht! Er sollte bestrebt sein, unser Freund zu werden? Nimmermehr! Ich halte ihn keiner warmen Regung fähig. Vielleicht erleben wir es noch, daß sich mein Urteil als richtig erweist. Er ist ein herzloser Mann, der nur auf seinen Vorteil denkt. Ich werde seinen Hochmut mit Verächtlichkeit abtun.«