Der solchermaßen Überfallene gab sein Mißbehagen zu erkennen, worauf Bruder Antonius ihm die Hand vorsichtig auf die Schulter legte. Ein weniger behutsamer Griff hätte dem Landmann unnütz den Arm zerbrochen. Da hüpfte der riesige Hund aus seinem Geschirr und machte Anstalt, sich auf den Unbekleideten zu stürzen. Der fromme Antonius ergriff gelassen einen mäßigen Feldstein und warf ihn dem Vierbeinigen vor den Bauch, worauf sich dieser vor Bestürzung und aus andern Ursachen einige Male sorgfältig überschlug.
Nun war der Bauer überzeugt, daß er der höflichen Bitte zu willfahren hatte. Der ungewandte Mönch schlüpfte in die sündenvolle weltliche Kleidung, dankte herzlich und empfahl sich für ein andermal. Als darauf das Bäuerlein, beinahe barfuß bis zum Kinn, vor seinem Hunde stand, wunderte sich dieser nicht wenig über das schnurrige Aussehen seines Herrn.
Mit diesem Begebnis trat Bruder Antonius in die lasterhafte Welt ein, die er bis jetzt von Berufs wegen viel geschmäht und deren Sündenlast er fortan um ein Erkleckliches vermehren sollte.
»Vor kurzem trank ich das ölige, schwarze Bier der Erfurter, brr,« sagte Ritter Burkhard. »Hierzulande braut man besser.«
»Weiß nicht, ob Ihr recht habt, Konfrater,« versetzte Bruder Antonius; »mir ist's einerlei, wessen Bier ich trinke. – Rülpse nicht so anhaltend, Schwein!« rief er einem alten Landsknecht zu, der die Gewohnheit hatte, jedem Gegenübersitzenden einmal über das andere mit unfehlbarer Sicherheit dicht am rechten und linken Ohre vorbeizuspucken.
Jedem andern wäre der Gescholtene, ein bärbeißiger Gesell, an die Gurgel gefahren. Mit Bruder Antonius aber wollte er seit jenem Tage im Bösen nichts zu tun haben, wo er gesehen, daß dieser einen baumlangen Fuhrmann im Bogen durch das splitternde Fenster der Schenke hinaus zu seinen Pferden warf.
»Heda, Wirt,« rief Bruder Antonius, »bring' mir heut Wein!«
Der Gerufene stellte sich schwerhörig und setzte einen Topf Bier auf den Tisch.