»Daß dich der Donner und Hagel miteinander erschlage, alter Fuchs!« schrie der ehemalige Mönch. »Was soll mir der Quark? Wein! Hörst du?«
»Rösselwein?«
»Der bangt um sein Geld,« rief Bruder Antonius belustigt und schlug auf die klimpernde Tasche. »Hier ist genug. Bring' mir einen Krug roten Traminer!«
»Hast wohl Geld, Bruderherz?« fragte der Ritter Burkhard, sehnsüchtig mit dem funkelnden Wein liebäugelnd. Zugleich sann er darüber nach, welchem Gaunerstreich der Mönch seinen Reichtum wohl verdanke.
Bruder Antonius lächelte. Der alte Ritter pflegte mit der Miene eines vollendeten Grandseigneurs jedem das für Höherstehende bestimmte Ihr zu gönnen. Konnte er aber damit etwas herausschlagen, so gebrauchte er leutselig das Du. Und wenn ein zerlumpter Herumtreiber ihm einen Kornschnaps zahlte, ertrug es seine Würde, wenn auch dieser ihn duzte.
»Bist gewiß wieder einmal abgebrannt, Gevattersmann,« versetzte gutmütig der Mönch. »Wirt, gib dem Ritter Traminer!«
Die Augen des Alten funkelten, und er sog den Wein begierig über die Zunge.
»Fällt mir gerade eine Geschichte ein,« warf er gut gelaunt hin, »an die ich gestern dachte, als ich in der Stadt die hochgeladenen Mistwagen sah. Denn die Meißner, das muß man ihnen lassen, halten ihre Stadt sauber.
Kam ich da kürzlich von Speyer in Frankfurt an. Wie ich über den Marktplatz schlendere, sehe ich auf der Erde eine Mütze liegen, eine Mütze, wie sie der gemeine Mann nicht zu tragen pflegt. Ich bücke mich und hebe sie auf. Da – o Wunder! – erkenne ich unter der Mütze einen Schopf blonder Haare. Ich sehe näher hin – und richtig! Wie ich vermutete, gehörte zu dem Haarbüschel ein Kopf, der im Morast steckte. Ich grabe rundherum auf, und mit meiner Hilfe gelingt es dem Blondgeschopften auch glücklich, sich vollends herauszuarbeiten.