Der Maria sei Dank und gleichfalls Euch, sagt der gerettete Edelmann. Ein Lumpenpack, das Stadtvolk! Seine Gassen so versäuen zu lassen. Doch nun helft mir, wackerer Speergesell, mein Pferd ausgraben, das noch darin steckt. Es ist mit mir zu gleicher Zeit versunken.«
Das war eine von den kleinen Geschichten, wie sie der alte Ritter bei guter Laune zu erzählen pflegte. Denn sein adliges Herkommen – wofür er einen vollgültigen Beweis zwar nicht beibringen konnte – legte ihm, wie er behauptete, die Pflicht auf, die Städter gelegentlich ein wenig zu hänseln.
Einige Zuhörer rümpften die Nase, die meisten lachten aber. Am ärgsten Bruder Antonius, der als ehemaliger Kleriker von keiner Partei war. Er wieherte, daß er sich krümmte.
»Beim heiligen Dominikus,« rief er, »der Spaß ist köstlich!«
Einen Tuchmachergesellen, der an diesem Morgen in Oschatz aufgebrochen war, machte die Geschichte aber ärgerlich. Und da er nach Meißen gewandert, um bei einem angesehenen Meister – der vornehmsten Innung der Stadt! – in Lohn und Brot zu treten, fühlte er sich berufen, die Sache der Städter wahrzunehmen.
Er wandte sich zu einem nebensitzenden Handwerksburschen und sagte laut:
»Du, wie heißt doch das gute, alte Bauernsprichwort? Ach, ich hab's: Jungen Sperlingen und jungen Edelleuten soll man beizeiten die Köpfe eindrücken.«
Im Nu fuhren die Landsknechte auf. Die Handwerksgesellen aber scharten sich um den jungen Sprecher. Wilde Rufe wurden ausgestoßen, geballte Fäuste flogen in die Luft, und es sah aus, als ob die Parteien in der nächsten Sekunde im Handgemenge sein würden.
Da stieß Bruder Antonius wohlgelaunt und ohne jeglichen Kraftaufwand mit dem Fuße nach dem nächststehenden Handwerksburschen, dessen elastischen Körperteil unterhalb des Rückens leicht berührend. Der Getroffene flog wie eine Kanonenkugel in das Gemenge, im Fallen die drei Ergrimmtesten unter den Streitenden mit zu Boden reißend. Das wirkte. Ebenso schnell, wie sich die Gemüter erhitzt, waren sie wieder abgekühlt. Man setzte sich nieder, vergaß den Groll und sah vergnügt und erstaunt einander an.