»Da wißt Ihr's ja selbst, alter Ketzer!« schrie er. »Aber gesteht doch nun die Unmöglichkeit zu, daß Eure Schwester an der Feier hat teilnehmen können. Wir schreiben heute doch Anno 1539!«

»Ich schlage vor,« warf der junge Spielmann schüchtern ein, »wer unrecht hat, zahlt einen Traminer.«

»Vortrefflich!« frohlockte der Mönch. »Den meinen auf den Tisch! Dem Weißkopf soll das Wasser kannenweis aus den Mundwinkeln laufen, wenn ich ihn allein trinke.«

Ritter Burkhard nahm die Wette an und legte – mangels barer Münze – als Pfand den strittigen Ring auf den Tisch.

»Merkt auf,« begann er. »Meine Schwester war Anno 1409 gerade sieben Jahr alt, als sie der Markgräfin Blumen auf den Weg streuen durfte. Zur Belohnung dafür empfing sie die Ringe. Unser gemeinsamer Vater zählte damals siebenundzwanzig. Noch in demselben Jahre starb meine Schwester, also vor 130 Jahren. Später starb auch die Gemahlin meines Vaters. Lange blieb er unbeweibt. Da heiratete er mit 78 Jahren ein zweites Mal und bekam trotz seines hohen Alters – Anno 1460 – noch einen Sohn. Der bin ich. Heute zähle ich neunundsiebzig.«

Der Alte hatte langsam und überzeugend gesprochen. Jeder war verblüfft, Bruder Antonius am meisten. Die Rechnung war richtig! Warum sollte ein Greis von achtundsiebzig Jahren nicht noch einmal Vater werden? Derlei hat es schon gegeben.

Noch war die Erstarrung von den Zuhörern nicht gewichen, als Ritter Burkhard den Ring wieder sorgfältig an den Finger steckte. Dann griff er mit Seelenruhe nach dem Krug, der vor dem Mönch stand, und goß den blutroten Traminer schmunzelnd in sein Glas. Angesichts dieser Bewegung wachte Bruder Antonius auf.

»Bei dem gütigen Augenstrahl des heiligen Benno, der Malefiz hat recht,« seufzte er, um sodann mit Löwenstimme zu schreien:

»Sauf, daß dir das höllische Feuer in die Gurgel fahre!« Dazu lachte er grimmig über sich selbst, denn er fühlte sich am meisten gefoppt.