»Wie war das doch damals, Bruder Antonius,« rief einer über alle Köpfe hinweg, »als Ihr die große Trinkschlacht gewannt?«

Diese Aufforderung war nicht ohne Absicht geschehen. Der Rufende kannte den Mönch seit langem und wußte, wie gern dieser von dem hitzigen Zechgelage erzählte. Antonius kam die Frage gelegen.

»Ich war noch nicht einmal Laienbruder,« erzählte er, »und kasteite mich wohl gerade auf das Ordensgelübde, als das Kloster den Besuch eines hohen Prälaten erhielt. Diesen frommen Diener der Kirche begleitete, wohin er auch ging, der Ruf, ein ganz gewaltiger Zecher zu sein. Am Abend wurde mir als Novizen der Zutritt zum Refektorium nicht erlaubt. Da kommt nach dem Nachtschmaus der Bruder Kellermeister, der meinen Durst am besten kannte, atemlos zu mir in die Zelle. Hochwürden sei in rosigster Laune und wünsche einen sattelfesten Bruder als Zutrinker. Keiner der Brüder wage den Strauß; ich möchte den Ruf des Klosters retten.

Von langem Besinnen bin ich nie gewesen, willige also bald ein, für die frommen Mitbrüder Kämpe zu sein. Daß ich's kurz mache: einer nach dem andern um mich herum sank langsam vom Stuhl. Unser gestrenger Abt nickte mir als Letzter des Klosters noch einmal freundlich zu, dann sah ich ihn an diesem Abend nicht mehr. Auch die Konventsherren schliefen ein, und als allerletzter empfahl sich der hohe Herr, nachdem er noch einen wahren Basiliskenblick auf mich Grünen geschossen hatte. – Der Bruder Kellermeister, der als Unparteiischer nicht mittrinken durfte, sprach mir hierauf seine Hochachtung aus. Bei solchen hervorstechenden Fähigkeiten, versicherte er, sei mir eine glänzende Laufbahn gewiß. Dieser Tag,« so schloß Bruder Antonius, »ist der erhabenste meines Lebens geblieben!«

Anhaltendes Gelächter, vermischt mit fröhlichen Zurufen, lohnte dem Erzähler seine lustige Geschichte. Keiner unterließ, ihm seine Anerkennung auszusprechen. Nur der junge Spielmann blieb stumm. Der feurige Wein hatte seine Wangen getötet. Den Kopf in die Hand gestützt, saß er am Tisch und sah sinnend zu Boden.

Da schnellte er plötzlich in die Höhe, sprang auf den Tisch und griff nach der Geige.

»Ruhe,« rief es durcheinander, »der Fahrende will uns eins singen!«

Stillschweigen trat ein. Der Bursche stützte die Fiedel wie eine Laute auf die Hüfte und zupfte die Saiten zu einem kleinen Vorspiel. Alsdann sang er mit schäumendem Übermut:

»Es war einmal ein Kandidat,
Der ganz entsetzlich saufen tat,
Das hohe Konsistorium,
Ja selbst den Bischof soff er um!