Vor dem Bett kniete Mirjams Mutter. Sonnhild ließ sich neben ihr nieder, legte die Stirn auf die Bettkante und betete. Der letzte der drei Menschen, der sie liebte, war von ihr gegangen. Nun war sie allein – – –
Als Sonnhild wieder aufstand, fühlte sie sich gestärkt. Noch einmal betrachtete sie das friedliche Gesicht der Dulderin und berührte zum letztenmal die durchsichtigen Hände. Mirjam hatte ausgekämpft! Wann würde ihr geängstigtes Herz Ruhe finden?
Alsdann ging sie. Mirjams Mutter folgte dem Mädchen.
Im Hausflur reichten sich beide Frauen wortlos die Hände. Keine von ihnen vermochte die andere zu trösten.
Als Sonnhild nach Hause zurückkehrte, erschien sie den Vorübergehenden noch bleicher als in den letzten Tagen. In ihrem Zimmer angekommen, setzte sie sich müde ans Fenster und wartete geduldig. Da drang der Ton der Klingel heraus. Sie öffnete, beugte sich hinaus, und – das Herz wollte ihr stillstehen.
Noch lange, nachdem die Worte auf dem Markt verklungen waren, stand sie am Fenster. Dann sank sie in den Stuhl zurück. Die furchtbare Verkündung schallte unaufhörlich in ihren Ohren: »– – morgen früh auf dem Marktplatz gestäupt und auf zehn Jahre aus dem Lande verwiesen – – –«
Das Mädchen war vernichtet. Die Schwester tot, der Vater entehrt und schimpflich verjagt und der Geliebte weit entfernt, – jetzt konnte nur noch das Himmelsgewölbe auf sie niederbrechen. Als die Bäume sich in diesem Jahre belaubten, vermochte sie das große Glück kaum zu fassen, das ihr die Vorsehung beschieden. Nun, wo die Blätter bald abfielen, war sie der ärmste Mensch auf Erden! O du furchtbares Schicksal! – Und keine Träne wollte ihr die Brust erleichtern!
Da schlug sie die Augen auf und fuhr voll Entsetzen im Stuhl zurück. Spottete nun auch noch die Phantasie ihrer?
»Sonnhild,« hörte sie eine Stimme sprechen. Dann schritt jemand auf sie zu, kniete vor ihr nieder und legte die Arme um sie. Ihre umflorten Augen konnten kaum die Umrisse des Knienden erkennen. Sie tastete nach ihm und fragte leise: