Der Arme wirft den Reichtum hin,
Nicht mehr nach Ird'schem stand sein Sinn,
Er faltet fromm die Hände
Und spricht, wie's geht zum Ende:

Hab' Dank, o lieber Vater mein,
Daß du verkürzest meine Pein.
Um deiner Himmelsfreuden
Will gern von hier ich scheiden!«

Als das Lied geendet, lehnte Mirjam regungslos am Fenster. Ihr lebensmüdes Herz schlug noch einmal zum Zerspringen. Das war das Schönste, was ihr der Spielmann gesungen!

Sie nahm eine der rotglühenden Rosen und warf sie dem Sänger hinab. Der griff danach, um der großen, blauen Augen willen, und steckte die Rose vorn in das Wams.

Jetzt sank Mirjam erschöpft auf das Bett zurück. Sie fühlte ihr Herz beklemmt, schob die Bettdecke zurück und riß das Hemd auf. Die abgezehrte, marmorweiße Brust, mit feinen, blauen Adern durchzogen, ward sichtbar. Da nahm sie die dunkelrote Rose und legte sie an ihr Herz. Draußen klang der Tritt der Mutter, und gleich darauf trat diese in die Kammer.


Sonnhild hatte vergebens gehofft, von dem Ausrufer eine weitere Besserung des Kranken aus Siebeneichen zu hören. Da auch während des Nachmittags die Nachricht sich nicht veränderte, verließ das Mädchen den Platz am Fenster und machte sich zu Mirjam auf.

Wie sie in das Torhaus trat, schien es Sonnhild, als ob ihr ein kalter Hauch entgegenwehe. Vor der kleinen Tür blieb sie stehen und holte tief Atem. Dann trat sie ein.

Mirjam lag mit gefalteten Händen unbeweglich auf dem Rücken. Ihre Brust war bloß; an ihrem Herzen lag eine rote Rose. Die Augen waren geschlossen und die bleichen Lippen leicht geöffnet, als ob sie flüstere. Himmlischer Frieden verschönte die Züge. Ihr reines Herz hatte aufgehört zu schlagen.