Da hob der Spielmann von neuem den Bogen. Seine Augen schwammen in Wehmutstränen. Und als wenn es gelte, sich allen Kummer vom Herzen zu singen, stimmte er voll Inbrunst an:

»Wie schallte mein Lied einst aus jubelnder Brust,
Und wie süß klang die Geige den Ohren,
Da sah ich ein Mägdlein – o himmlische Lust!
An sie hab' mein' Ruh' ich verloren.

Mein Auge ist trüb und das Herz, ach, so schwer,
Und die Wolken tief hangen hernieder,
Die Fiedel klingt schmeichelnd wie einstens nicht mehr,
Und vergessen sind all meine Lieder.

Nun wandre ich wieder hinaus in die Welt,
Das Kuhhorn zum Abschied tut blasen.
Was ist doch ein Spielmann, dem's Leben vergällt!
Ach, läg' ich doch schon unterm Rasen.«

In den Augen der Kranken perlten Tränen des Mitleids. Auch dieses Lied war nicht für sie. Aber aus seiner Seele heraus hatte es gesprochen. So jung und schon so viel Weh! Vielleicht ward auch ihm heilsame Tröstung.

Der Bursche wollte schon wieder wandern, als er noch einmal zum Fenster hinaufsah. Da begegnete sein Blick dem mitleidvollen des Mädchens. Ihre großen, strahlenden Augen erinnerten ihn unwillkürlich an ein anderes Augenpaar, das unvergeßlich in seiner Erinnerung stand. Auf die weiße Stirn der Schauenden und auf ihr schwarzes Haar hingen leuchtende Fuchsienblüten herab.

Da griff der Spielmann noch einmal zur Geige, und der süßeste Wohllaut, der in ihren Saiten schlummerte, klang zu dem Mädchen hinauf, als er sang:

»Ein Mensch, den trog das Leben schwer,
Rief: Wenn es doch zu Ende wär',
Was andern ward zur Freude,
Das schlug mir aus zum Leide.

Der Herrgott hat gar feine Ohrn,
Drum ging der Notschrei nicht verlorn,
In seinem Allerbarmen
Ruft er zu sich den Armen.

Doch schüttet er in seinen Schoß
Vorher ein reiches Menschenlos,
Damit ihm von der Erden
Der Abschied schwer sollt' werden.