Meißen ist die älteste Stadt der Mark; von ihr ging einst die deutsche Kultur über das ganze Land. Seine geheimnisvolle Anziehungskraft, die schon im Mittelalter die Fahrenden verspürten, übt ihre Wirkung auch auf die Menschen unserer Tage aus. Ein großer Strom von Reisenden flutet alljährlich dahin. Aufmerksam betrachten sie das alte Rathaus und die noch erhaltenen alten Häuser in den engen Gassen.

Sie bestaunen den prächtigen Dom, diese vornehme Pflegstätte des protestantischen Gottesdienstes, mit seiner tief auf das menschliche Herz wirkenden Schönheit, – die Albrechtsburg, das herrliche Baudenkmal aus mittelalterlicher Zeit, deren Anfänge auf ein Jahrtausend zurückschauen, – die Fürstenschule, eine der ersten Bildungsstätten Deutschlands, die bald nach Einführung der Reformation gegründet wurde, – und die berühmte Porzellanmanufaktur, deren Erzeugnisse, kenntlich durch die gekreuzten Kurschwerter, in der ganzen Welt hochgeschätzt werden.

So finden Kunst, Wissenschaft und Gewerbefleiß in Meißen vorzügliche Pflege; – die Enkel verstehen es, den Ruf, den ihre Väter der Stadt erwarben, hochzuhalten!

Umgrenzt von Bergen und Rebenhügeln, von Feld und Wald, liegt die Stadt malerisch zu beiden Seiten des Elbstroms. Wie der Drang und Wechsel der Zeiten sich auch gestalten möge, die herrliche Gottesnatur, die sie umgibt, wird der alten Markgrafenstadt für alle Zeiten einen guten Platz unter den schönsten deutschen Städten sichern.


Der Tag, mit dessen Anbruch unsere Erzählung schließt, neigte sich seinem Ende zu. Im Schlosse Siebeneichen war alles still. Die Dämmerung ließ das gegenüberliegende Ufer mit seinen lieblichen Weinbergen nur noch schwach erkennen. In der Tiefe rauschten die Wasser des Stroms ihre dumpfen, jahrtausendealten Gesänge.

An den Stamm eines der alten Bäume gelehnt, die dem Schloß seinen Namen gegeben, standen schweigsam zwei junge Menschen eng umschlungen und blickten in die zunehmende Dunkelheit. Zuweilen erschauerte das Mädchen. Dann drückte sie der Jüngling an sich, und sie beruhigte sich dabei.

Tiefer Frieden erfüllte die Seelen beider, und in der weiten Natur herrschte feierliches Schweigen, in das nichts anderes hineinklang als eine wundersame, geheimnisvolle Melodie: das leise Rauschen der sieben Eichen.