Mit niedergeschlagenen Augen stand das Mädchen mitten unter den Versammelten. In ihren Zügen war von dem großen Glück, das ihr Herz erfüllte, nichts zu lesen. Die Freude war zu jäh gekommen, und die Leiden waren zu schwer gewesen. Das feine Gesicht Sonnhilds war bleich, und die edelgeformten Schläfen, die das leuchtende Haar halb bedeckte, zitterten noch ob der furchtbaren Aufregung der letzten Tage.
»Burgemeister Waltklinger,« hob Ernst von Miltitz an, »hier Eure Tochter, die mit ihren schwachen Kräften von allen wohl am meisten gelitten hat!«
Bei diesen Worten schossen Tränen in Waltklingers Augen.
Ernst von Miltitz ergriff mit der freien Linken die Hand Bernhards.
»Was erwidert Ihr, Georg Waltklinger, wenn ich jetzt als Brautwerber meines Sohnes vor Euch trete und bitte: gebt ihm die Hand Eurer Tochter!«
Da überlief die hohe Gestalt Waltklingers ein so starkes Zittern, daß Peter Sorgenfrei an seine Seite trat und ihn stützte. Über die Wangen des Tiefergriffenen rannen die Tränen, und seine Augen gingen in unaussprechlicher Dankbarkeit zu dem edelmütigen Jüngling, der das Leben furchtlos an seine Befreiung gesetzt hatte. Die Bewegung, die den starken Mann erzittern machte, war so tief, daß er kaum ein paar Worte sprechen konnte.
Nun legte Ernst von Miltitz die Hände der Liebenden ineinander. Bernhard sah, wie eine feine Röte in Sonnhilds bleiches Gesicht stieg. Und als das Mädchen die wunderbaren Augen zu ihm aufschlug und ihre Blicke sich trafen, da erwachte in ihren beiden jungen Herzen die Zuversicht, daß die bangen Tage nun zu Ende waren und eine glücklichere Zukunft verheißungsvoll für sie anbrach.
Frau Magdalenas feines weibliches Empfinden ermaß von allen am besten, was Sonnhild gelitten. Und da sie bemerkte, daß die Rührung das tapfere Mädchen zu überwältigen drohte, führte sie es aus dem Kreis und zog im jähen Aufwallen ihrer mütterlichen Liebe die junge Tochter an ihre Brust.