Der Alte senkte den Kopf und weinte. Als Ernst von Miltitz ihn getröstet, ging er kopfschüttelnd hinaus.
»Was Ihr unserm Burgemeister erwiesen, Herr Amtmann,« hob Peter Sorgenfrei noch einmal an, »das empfindet jeder einzelne der Bürgerschaft, als wenn Ihr's ihm getan hättet.«
Bei diesen Worten hatte Sorgenfrei das Fenster geöffnet.
»Möchtet Ihr nicht einmal herantreten?« fragte er.
Ernst von Miltitz stellte sich neben ihn und sah hinaus. Den ganzen weiten Park füllte, Kopf an Kopf, eine dichtgedrängte Menge, die mit entblößten Häuptern in feierlichem Schweigen harrte. Ergriffen sah der Amtmann hinab. Da brausten plötzlich vielhundertstimmig die Rufe durch die Luft:
»Ernst von Miltitz! – – – Herzog Heinrich! – –«
Und zu dem lauten Jubel schwenkten die Meißner die Hüte und Mützen, und aus ihren Augen las Ernst von Miltitz Dankbarkeit und ehrliche Beschämung.
Sich zu den im Zimmer Versammelten zurückwendend, fielen des Amtmanns Blicke auf seinen Sohn, dessen Augen vor innerer Bewegung mit Tränen gefüllt waren.
Da wandte sich Ernst von Miltitz nach allen Seiten um, als wenn er jemand suche. Plötzlich schritt er durch den Kreis der Ratsherren nach der Tür, wo Sonnhild lehnte. Er sprach leise ein paar väterliche Worte zu ihr, faßte sie alsdann bei der Hand und führte sie vor ihren Vater.