Sonnhild hatte diesen Worten mit Aufmerksamkeit gelauscht. Nun fragte sie:

»Sagt mir doch, Junker, woher kommt der Name Siebeneichen?«

»Die Eiche,« antwortete Bernhard, »durfte nach dem Baumkultus der Germanen nicht von jedem Markgenossen geschlagen werden. Sie stand unter den geheiligten Bäumen obenan. Unter ihr wurden Opfer gebracht und Gottesurteile gesprochen. Die sieben Urteiler saßen rund im Kreise unter den Bäumen; in ihrer Mitte thronte der Richter auf einem Stein oder Hügel. Eine solche Gerichtsstätte mag sich zu alten Zeiten auf unserm Berge befunden haben. Die noch heute vor dem Schlosse stehenden sieben Eichen verkünden dies.«

Hier schwieg der Jüngling und blieb stehen. Und als Sonnhild aufsah, bemerkte sie eine hohe Mauer, an der sich Efeu hinaufrankte.

»Wir haben Siebeneichen erreicht,« sagte Bernhard. »Möchtet Ihr in seinem weiten Schloßpark nicht einmal lustwandeln, edles Fräulein?«

Sonnhild sah ihn erfreut an.

»So Ihr es erlaubtet, Junker, tät ich es recht gern!«

Bernhard lächelte befriedigt.

»Dort ist das Tor,« sprach er, »treten wir ein.«